«Zahnlücke» in Basel

08. Januar 2019 05:46; Akt: 08.01.2019 05:46 Print

Für diese Villa brauchen Sie ein Erbe aus dem Daig

31 Zimmer, einen stattlichen Innenhof und ein charmantes Kutscherhaus bietet der Rheinhof in der vornehmen Basler Dalbe. Die Prunkvilla steht zum Verkauf – der Preis ist offen.

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Wer in einer klassizistischen Villa aus dem 19. Jahrhundert mitten in Basel wohnen will, hat nun die Chance, sich eine solch prestigeträchtige Immobilie unter den Nagel zu reissen. Weil das Gesundheitsdepartement im Sommer in die Malzgasse umzieht, verkauft der Kanton den Rheinhof an der St.-Alban-Vorstadt 25.

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Der Bau des damaligen Basler Star-Architekten Melchior Berri (1801-1854) bietet 1408 Quadratmeter Nutzfläche und 31 Zimmer. Obendrauf gibt es noch ein Kutscherhaus und einen grosszügigen Hof, der dem Anwesen seinen Namen gibt. «Aufgrund der Grösse und Infrastruktur eignet sich diese traumhafte Liegenschaft als reines Wohnhaus, im welchem man hervorragend Wohnen und Arbeiten kombinieren kann», heisst es in der Annonce der Maklerfirma Engel & Völkers, die die Liegenschaft im Auftrag veräussern soll.

Wie kam das Departement zu diesem Bijou?

Laut Anne Nagel von der kantonalen Denkmalpflege wurde der Rheinhof zwischen 1839 und 1841 im Auftrag von August Staehelin-Vischer und seiner Schwiegermutter erbaut und diente als Wohnhaus. Weil ihm vier Vorgängerbauten weichen mussten und die geschlossene Häuserzeile durchbrochen wurde, erhielt der Rheinhof den Spitznamen «Zahnlücke».

«Als Staehelin-Vischers Tochter Anna 1934 kinderlos verstarb, ging das Gebäude in Staatsbesitz über und das damalige Sanitätsdepartement zog ein», erklärt Nagel. Seit dem Jahr 1945 steht der Bau unter Denkmalschutz.

«Die Pracht ist etwas erloschen, als es zum Verwaltungsgebäude umgebaut wurde», sagt sie weiter. Doch auch nach 84 Jahren Nutzung als Verwaltungsgebäude ist der Charme des Rheinhofs nicht ganz verblasst. «Unter den heutigen Anstrichen haben Restauratoren noch die Originalfarbe der Wände entdeckt. Nach einer rücksichtsvollen, dem Baudenkmal entsprechenden Sanierung könnte es wieder in seiner ganzen Pracht erstrahlen», ist Nagel sicher. Bei der Denkmalpflege hoffe man sehr, dass er nun in gute Hände komme.

Ein Schatz mitten in der Stadt

«Der farblich gestaltete Eingangsbereich der Villa ist ein bescheidener Vorläufer der Eingangshalle des nur weniger Jahre später von Berri errichteten Museums an der Augustinergasse», erklärt die Denkmalschützerin weiter. Das heutige Naturhistorische Museum, das als Berris Hauptwerk gilt, bescherte dem Künstler-Architekten internationale Anerkennung.

Der Rheinhof sei mit ebensoviel Aufmerksamkeit zum Detail errichtet worden, so Nagel. Innen sei es «wunderbar farblich gestaltet und architektonisch reich gegliedert», aussen gebe es detaillierte Steinmetzarbeiten zu entdecken.

Suche nach Käufer dürfte lange dauern

Wieviel die künftigen Besitzer für den Rheinhof hinblättern müssen, ist unklar. Sowohl Immobilien Basel-Stadt wie auch die für den Verkauf zuständige Firma wollen sich zum Marktpreis nicht äussern. Der Verkauf soll über ein zweistufiges Bieterverfahren abgewickelt werden. Zwar bleibt der Boden im Besitz der öffentlichen Hand, der Verkauf erfolgt im Baurecht. Dafür wird die Immobilie erschwinglicher.

Das dürfte die Suche nach einem Käufer kaum vereinfachen. «Der Markt tut sich sehr schwer mit solchen Objekten im Baurecht», sagt ein ausgewiesener Experte für Luxus-Immobilien auf Anfrage von 20 Minuten. «Der Verkäufer wird einen langen Atem brauchen.»

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Häusler am 08.01.2019 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kanton soll es restaurieren

    «Die Pracht ist etwas erloschen, als es zum Verwaltungsgebäude umgebaut wurde», Aha, warum hat man dann nicht Sorge getragen? Jetzt steht es unter Heimatschutz und der neue Besitzer muss mit viel Geld den Originalzustand wieder herstellen. Das ist nicht richtig, dass bis jetzt dahingewurschtelt wurde. Die Verwaltung ist drin, also sollen die auch restaurieren und dann erst verkaufen

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  • hgidl am 08.01.2019 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber nicht

    Auch wenn ich das Geld hätte, würde ich es wegen des Baurechts nie kaufen! Ein gewichtiger Nachteil!

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  • Dr. Sarkasto am 08.01.2019 06:14 Report Diesen Beitrag melden

    Vermieten ja, aber bitte nicht verkaufen

    Der Kanton sollte meiner Meinung nach aufhören solche Objekte zu verkaufen. Lieber etwas anderes daraus machen oder vermieten... aber bitte nicht verkaufen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mosche am 09.01.2019 05:18 Report Diesen Beitrag melden

    Unmöglich

    Da geben die wieder ein Stück wertvolles Heimat in fremde Hände und fragen sich dann, wieso soviele anderswo Geborenen in der Schweiz herrschen, nur weil sie Stutz haben

  • Still Schweiger am 09.01.2019 01:13 Report Diesen Beitrag melden

    BS=No Go

    in Basel-Stadt. Auf keinen Fall, nicht mal geschenkt!

    • Daig am 09.01.2019 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Still Schweiger

      Keine Sorge, würde ihnen niemand schenken:))

    • Witz am 09.01.2019 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Still Schweiger

      Oi oi. Wer will dir die Villa schenken?

    • Dalbe am 09.01.2019 15:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Still Schweiger

      Wer will Sie in Basel haben? Das wäre doch wohl eher die Frage :))

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  • Martial2 am 08.01.2019 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das lohnt sich...

    Wunderbare Liegenschaft, wenn wir immer noch in Basel ansässig wären, würden dieses Projekt kaufen, dann gut vermieten!

  • Graf Yoster am 08.01.2019 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Exclusiv Hotel

    Bei 34 Zimmer, könnte man auch ein Boutiquehotel eröffnen.

  • Rolf am 08.01.2019 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht in Privatbesitz

    Warum soll man so ein historisch wertvolles Gebäude an irgendeinen Privaten verkaufen? Lieber vermietet man das Haus an eine Institution, welche die Zimmer an zentraler Lage gebrauchen kann. Die Universität muss sich in die Vorstädte einmieten (siehe Psychologische Fakultät), da Gebäude und das Geld fehlen, aber anstatt dass man solche Objekte für Universitätszwecke verwendet, verhökert man sie lieber für schnelles Geld. Unverständlich diese Praxis.

    • Rheinratte am 08.01.2019 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf

      Bin mir fast sicher, dass Deine Wünsche in Erfüllung gehen werden, denn als Privatperson, egal wie vermögend, gibt es schönere Plätze, um eine Villa zu bewohnen. Für eine lusche Privatbank, wäre es evtl. auch noch recht Repräsentativ.

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