807 neue Wohnungen

30. Januar 2019 05:48; Akt: 30.01.2019 05:48 Print

Wieso finden Basler trotz Bauboom keine Wohnung?

2018 wurden in Basel mit 807 so viele Wohnungen gebaut wie seit 1981 nicht mehr. Wer auf Wohnungssuche ist, bekommt davon aber wenig zu spüren.

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Am Dienstag vermeldete das Statistische Amt des Kantons Basel-Stadt, dass im Jahr 2018 insgesamt 807 neue Wohnung gebaut wurden. Mit 114 Abrissen und 67 Umnutzungen liegt der Saldo bei 760 neuen Logis. Der neue Wohnraum ist beim gegenwärtigen Bevölkerungswachstum auch bitter nötig, denn die Bevölkerung des Stadtkantons ist in den letzten zehn Jahren um rund 10'000 Personen angestiegen.

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Durch den Bauboom ist die Leerstandsquote, die 2014 auf kritische 0,2 Prozent gefallen war, wieder auf 0,7 Prozent gestiegen. Doch der Leerstand ist eher ein Symptom des Problems als ein Anzeichen für eine Lösung. Viele verzweifeln vor allem auf der Suche nach Familienwohnungen mit drei Zimmern, von denen am 1. Juni 2018 total 257 unbewohnt waren. Dieser Wohnungstyp hat mit 36 Prozent auch den grössten Anteil an den Neubauten.

Dennoch reissen sich teilweise dutzende potenzielle Mietparteien um die begehrten Apartments. Ist die Nachfrage tatsächlich so viel grösser als das Angebot, oder liegt etwas anderes im Argen?

Wohnungen sind da, aber zu teuer

«Neubau allein hilft nicht», konstatiert Pascal Pfister, Präsident der SP Basel. Das Problem sei oft nicht die Verfügbarkeit von Wohnraum per se, sondern dessen Preis. Für private Investoren sei es attraktiver, in höheren Preissegmenten zu bauen: Das schlage sich entsprechend auf die Mieten nieder, weil die Baukosten zuerst amortisiert werden müssten.

Es sei aber eine erfreuliche Entwicklung, dass in der Stadt zunehmend gemeinnützig gebaut wird. So war im 2018 jede fünfte neu erstellte Wohnung eine Genossenschaftswohnung, weiss das Statistische Amt.

Preise wachsen mit den Wohnungen

Die Gesamtsituation ist aber weiter angespannt. Ein Problem ist, dass die 2018 gebauten Wohnungen im Schnitt zehn Quadratmeter grösser sind als der Mittelwert des bisherigen Bestandes. «Werden die Wohnungen grösser, steigen die Preise. Diese Tendenz ist nicht optimal», sagt Pfister.

Deshalb fordere die SP, dass mit einer griffigen Umsetzung der Wohnschutzinitiative eine Explosion der Bestandesmieten verhindert wird, um die Verfügbarkeit von erschwinglichem Wohnraum sicherzustellen, so Pfister. Zudem will die Partei, dass der Anteil der gemeinnützigen Neubauten von 30 (2018) auf mindestens 50 Prozent angehoben wird. Gemeinnützige Wohnungen wie sie etwa Genossenschaften anbieten sind in der Regel günstiger.

Keine Ausschreibungen

Zusätzlich verschärft wird das Problem noch dadurch, «dass viele Wohnungen unter der Hand vergeben und nie ausgeschrieben werden», sagt Colette Bühler, Geschäftsführerin der IG Wohnen. Wer nicht gut vernetzt sei, habe keine Chance.

Auch sie kritisiert die Preispolitik: «Erstvermietungen von Neubauten sind wahnsinnig teuer», sagt sie. Das treffe vor allem finanziell Schwache, die schon unter Aufwertungssanierungen litten.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beo Bachter am 30.01.2019 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Unerreichbarer Wohnraum

    Hat denn noch niemand von den Landesvätern gemerkt, dass sich die Schere immer weiter öffnet und man sich je länger je weniger diese menschenunwürdigen Mieten leisten kann? Weltfremd...

  • guesh am 30.01.2019 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur so

    Weil der Baumboom nur in Quartieren stattfindet, in denen niemand wohnen will. Und Wohnungen zu bauen, die dann über 2500 Franken kosten bringt der Mehrheit auch nichts.

  • Sabine am 30.01.2019 07:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ob neu oder alt, zu teuer

    Wegen neuen überteuerten Wohnungen, die sich das normale Fussvolk nicht leisten kann!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Pfirter am 30.01.2019 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    Genosenschaftsschummelei

    So wie es mal bei einer Genossenschaft geheissen hat: Die Wohnungen konnten fast ohne Werbeanzeigen vergeben werden. D.H. unter der Hand.

  • Kain am 30.01.2019 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    An alle die Jammern

    Schliesst euch zusammen, macht ne Kollekte und gründet eure eigene Genossenschaft oder Immofirma. Ihr werdet erstaunt feststellen dass ihr dieselben Mieten verlangen müsst wie die bösen Spekulanten um über die Runden zu kommen.

  • Aurora am 30.01.2019 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Neubauten drücken die Preise hoch

    Man findet schon auf dem Land keine günstigen Wohnungen,zur Zeit wird alles ws günstig ist entweder abgerissen und neu gebaut,Eigentumswohnungen nach der Renovation oder es wird voll renoviert so oder so danach kann man sich es nicht mehr leisten. Wenn man in der Schweiz wenig hatt wirds fast unmöglich was zu finden.

  • Paul am 30.01.2019 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Energiewende kostet

    Tia, mehr Isolation, Wämepumpe, Photovoltaikanlagen all das kostet. Die zeche bezahlt der Mieter, das wollen Grüne und SP nicht so begreifen.

  • Bebbi Bänz am 30.01.2019 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    da fehlt wieder Mal was

    In der Umfrage fehlt noch: Ich musste aufs Land zügeln Ich zurück zu Mama/Papa Ich wohne im Auto Ich habe eine Wohnung/Haus gekauft (so haben wir es gemacht). Hingegen ist ein Haus bauen in städtischen Gebieten vermutlich noch unmöglicher als eine bezahlbare Wohnung zu finden.