«Sie kotzen alles voll»

18. Juli 2019 04:49; Akt: 18.07.2019 09:44 Print

Anwohner haben genug von Guggen-Party im Dorf

Der Cherus in Gelterkinden lockte dieses Jahr über 6000 Besucher ins Oberbaselbiet. Anwohner machen jetzt mit einer Petition gegen den Event mobil.

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Jeden Samstag nach der Gelterkinder Fasnacht ist es soweit – seit sieben Jahren läutet der Cherus den Abschluss der Fasnacht ein. Es ist die mittlerweile grösste Guggen-Party im Baselbiet. Rund 6000 Besucher strömten dieses Jahr an den Anlass, an dem über 30 Guggen-Formationen auftraten. Doch jede Feierlichkeit hat ihre Begleiterscheinungen.

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Von diesen haben einige Gelterkinder jetzt genug. Eine Petition, die von 362 Anwohnern unterschrieben wurde, fordert, dass der Cherus kleiner und nur noch unter strengen Auflagen bewilligt wird. «Das Fest hat Ausmasse angenommen, die die Toleranz der Anwohner überfordert», erklärte Petitionärin Vreni Weber-Thommen gegenüber dem SRF «Regionaljournal».

Besonders stosse sie sich an den Begleiterscheinungen des «Massenbesäufnisses». Anwohner müssten ihre Vorplätze nach dem Fest von Erbrochenem und Urin reinigen. «Viele benehmen sich daneben, kotzen alles voll und zerstören fremde Gärten», schreibt einer auf Facebook, wo der Event nun kontrovers diskutiert wird.

«Jedes Jahr grösser, länger und lauter»

Ein Leserbrief, der im April in der Sissacher «Volkstimme» veröffentlicht wurde, brachte den Stein rund um den Cherus ins Rollen. Der Anlass sei «jedes Jahr grösser, länger und lauter» geworden, heisst es darin. Der Brief schloss mit dem Aufruf, «dem Cherus den Garus» zu machen. Die Folge war die Petition, die nun am 15. Juli dem Gemeinderat von Gelterkinden übergeben wurde.

Anstatt wie bis zuletzt 34 Guggen, sollen beim Cherus des nächsten Jahres nur noch 15 Guggen zugelassen werden. Konzerte wolle man nur noch bis 24 Uhr genehmigen, Beizenbetrieb und Freinacht bis 1 Uhr. Elektronisch verstärkte Musik gehöre nach der Meinung der Petitionäre ganz verboten. Darüber hinaus beharre man auf einem «ökologisch verantwortbaren Abfallkonzept».

OK-Präsident enttäuscht von Anwohnern

Stephan Béhé, Präsident des Organisationskomitees des Guggenkonzerts hat Verständnis für die Anliegen der Kritiker: «Wir nehmen diese sehr ernst», sagt er auf Anfrage. Darum sei er auch über die Darstellung der Sachlage enttäuscht: «Jedes Jahr suchen wir sowohl vor, als auch nach dem Cherus das Gespräch mit den Anwohnern, damit allfällige Anliegen zur Sprache kommen. Darum sind wir davon ausgegangen, dass die Kommunikation funktioniert.»

Der Abfallproblematik sowie dem Urinieren auf öffentlichem und privaten Gelände könne man mit Anpassungen im Konzept entgegenwirken, ist er sich sicher. Verschiedene Lösungsansätze seien dort bereits im Gespräch.

Die Beschränkung der Anzahl teilnehmender Guggen sei hingegen ein Problem: «15 Guggen, das ist einfach nicht der Cherus Gaelti. Unser Motto sind Tradition und Brauchtum, wir wollen die ganze Palette und Vielfalt der Guggenkultur zeigen», so Béhé. Auch der Verzicht auf verstärkte Musik sei illusorisch: «Was wäre das denn für ein Fest?»

«Es geht um einen einzigen Tag»

Ein Blick auf Facebook zeigt: Die Veranstaltung erfreut sich einer grossen Beliebtheit. Die Guggenmusik-Fans zeigten sich von der Petition sichtlich enttäuscht: «Leider leben wir in einer Welt von Miesmachern», schreibt ein User in einem Kommentar.

Zwar räumen einige ein, dass die Grösse der Veranstaltung die Gemeinde vor Herausforderungen stelle. Viele Stimmen betonen aber, dass der Cherus zeitlich begrenzt sei: «Wir reden hier von einem Tag pro Jahr», findet etwa ein User. Eine Userin spricht in diesem Zusammenhang von «Spiessbürgern».

(jes)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Menottli am 18.07.2019 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich

    Ganz einfach zu Handhaben; Die Organisatoren räumen den Schaden selber auf. Übernehmen die Reinigung von Urin und Gebrochenen auch selber, dass die Bewohner dass nicht selber machen müssen. Denn das hat nicht mit Spiessbürger zu tun. Da hätte schliesslich keiner Freude über solche Erinnerungen im Garten. Übrigens ; was hat Brauchtum mit Massensaufgelager zu tun? Denn leider sind solche Veranstaltungen nur noch Ein Gesaufe.

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  • KrossiKriss am 18.07.2019 07:19 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen Tradition...

    ...da geht's doch nur ums Sauffen. Würd mich auch nerven! 20.- CHF Eintritt verlangen, dann kommt nur noch die Hälfte und mit dem Geld kann man Reinigungsunternehmen engagieren.

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  • B O am 18.07.2019 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    die Wände zittern...

    Der Cherus hat wirklich keine Grenzen! Bis 3 Uhr morgens permanent diesen Bass zu hören, bei dem auch die Wände zittern, ist wirklich nicht zumutbar! Feiern kann man auch anders... Und weshalb muss das zwischen Wohnblöcken stattfinden und nicht beim Dorf-/Festplatz?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eugen am 18.07.2019 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ä Riese Theater ihr wüse doch gar nicht was läuft

    Hallo zusammen Ihr habt ja nur bis jetzt die eine gehört was isch mit der andere seite! Das Massen Besäufnies gibt es nicht nur am Fasnacht sonder überall am Party's ob Fussball oder TV oder was auch immer wir leben im Jahr 2019 und so ein Event darf und sol auch weiter gehen und darum macht weiter so Cherus ihr macht das super ihr habt jedes Jahr denn Kontakt zu den Bevölkerung gesucht keiner hat es angenommen LG Eugen

  • Innerschweizerin am 18.07.2019 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Freiheiten auf Kosten anderer

    Dies hat mit Tradition nichts mehr zu tun. Es sind wirklich reine Besäufnisse mit ohrenbetäubender Musik. Ich lebe neben einem Schulhaus. Jedes Jahr mehr Veranstaltungen und immer grösser werdende. Ist ja nur einmal... Aber von der zunehmenden Menge und Dauer spricht niemand, nicht einmal die Gemeinde nach den jeweiligen Verwüstungen im ganzen Dorf.

  • Erstaunter am 18.07.2019 16:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    freibleiben

    Mich erstaunnt es das vereine immer noch genügend leute finden die freiwillig arbeiten! Ich weiss von früher, es waren immer die gleichen die halfen, viel arbeit und zuletzt nicht viel geld. Gottseidank habe ich früh genug bemerkt und ging aus allen aktiven vereinen, ich bin seit da ein freier mensch und habe zeit für mich und familie!

  • Therapeut am 18.07.2019 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Suchthaufen

    Was wurden nicht alles schon für herrliche Feste und "Traditionen" erfunden, nur um sich mal gepflegt öffentlich der eigenen Alkoholsucht widmen zu können, ohne dass man gleich auffällt.

  • Grenze am 18.07.2019 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man kein Alk verträgt...

    Sollte man keinen trinken. Warum tut ihr uns das an?