Zoo Basel

22. Mai 2019 17:53; Akt: 22.05.2019 17:53 Print

Wird es doch noch ein Ozeanium geben?

In Basel kann kein Ozeanium gebaut werden. Der Zoo hat aber auf der anderen Seite der Kantonsgrenze in Binningen noch fast 15'000 Quadratmeter Land.

Bildstrecke im Grossformat »
Auf dem gelb markierten Gebiet könnte das Ozeanium entstehen. Aktuell wird die Fläche vom Zoo unter anderem für die Logistik verwendet. Bachab: Die Basler Stimmbevölkerung lehnte das Ozeanium am vergangenen Abstimmungssonntag ab. Zurück in die Schublade: So hätte das Ozeanium bei der Basler Heuwaage ausgesehen. Über 54 Prozent der Stimmbevölkerung versenkten das Ozeanium an der Urne. «Man hat verstanden, dass es eine Abstimmung über Sinn und Unsinn eines solchen Projekts ist», sagt Vera Weber, Leiterin der Fondation Weber, die das Referendum ergriffen hatte. Die Fondation kann sich auch ein Referendum gegen die neuen Pläne des Zoos vorstellen. Die Fondation Franz Weber ergriff das Referendum gegen den Bebauungsplan, der dem Zoo den Bau des Ozeaniums ermöglicht hätte. «Ausserhalb der Mauern des Zoos hat die sachliche Argumentation von unserer Seite einfach nicht gereicht», so der enttäuschte Zoo-Direktor Olivier Pagan. Zu neuen Plänen möchte der Zoo aktuell keine Stellung nehmen. Der Abstimmungskampf wurde emotional und teils auch aggressiv geführt. Zoo-Direktor Pagan kritisierte, dass die Gürtellinie teilweise unterschritten wurde. Das Ozeanium hätte das wichtigste Zentrum für Bildung und Forschung im Bereich Meeresbiologie werden sollen. Der Zoo rechnete mit bis zu 700'000 Besuchern pro Jahr. Das 100-Millionen-Projekt sollte durch Spenden finanziert werden. Bis vor der Abstimmung waren Spenden in der Höhe von 57 Millionen Franken zugesichert. Schon beim Transport der Fische würden zahlreiche Tiere ums Leben kommen, behauptete Vera Weber. Damit die Tiere ihren Plastikbeutel nicht vollkoten, würden sie vor dem Transport ausgehungert. Vier von fünf Fischen überlebten das Prozedere nicht. «Sie sterben entweder schon beim Transport oder dann innerhalb eines Jahres im Aquarium, weil sie derart geschwächt sind», so Weber. Dass einige der Tiere beim Transport für das Ozeanium sterben können, bestreitet der Zürcher Zoodirektor Alex Rübel nicht. «Das ist leider so. Aber nicht 80 Prozent, wie die Gegner behaupten», sagt er. Trotzdem sei ein schlechtes Gewissen beim Besuch eines Aquariums fehl am Platz. Rübel ist überzeugt, dass es gerechtfertigt ist, Tiere in Gefangenschaft zu halten, wenn dadurch auch nur ein Bruchteil der Besucher für den Tier- und Meeresschutz sensibilisiert werde. «Das macht mehr Sinn und ist umweltschonender, als wenn man für Tauchferien nach Afrika oder Asien fliegt», so Rübel. Dass man die benötigten Meerestiere oft nicht selber züchten könne, sondern in Korallenriffen einfangen müsse, sei ein notwendiges Übel, sagt Rübel. Gleichzeitig relativiert er: «Für das Ozeanium holt man dafür so viele Fische aus dem Meer, wie in der Stadt Basel an einem Mittag auf den Tellern der Restaurants landen.» «Dennoch werden Meeresfische der Natur entnommen.» Wenn es richtig und nachhaltig gemacht werde, sei dies jedoch unproblematisch, betont Tanja Dietrich, die Sprecherin des Basler Zoos. Der Zoo arbeite dazu mit professionellen Händlern zusammen, die er persönlich kenne, sagt Dietrich. «So stellen wir sicher, dass auf umweltschädigende Fangmethoden wie den Fang mit Gift verzichtet wird. Weiter fällt dadurch auch der oftmals kritisierte Zwischenhandel weg.» Durch diesen professionellen Umgang kämen auch beim Transport sehr wenige Tiere zu Schaden. «Die Behauptung, dass beim Ozeanium ein Grossteil der Tiere während des Transports sterbe, ist schlichtweg falsch», so Dietrich vom Zoo Basel.

Fehler gesehen?

Das Stimmvolk hat am vergangenen Sonntag ein klares Votum gegen das Ozeanium abgegeben – gegen den Bau an der Heuwaage, müsste man präzisieren. Obwohl der Souverän mit seinem Nein sicher auch eine grundsätzliche Ablehnung der Idee eines Gross-Aquariums zum Ausdruck brachte. Doch plötzlich geistert nun ein Plan B herum.

CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter brachte auf Twitter den Standort Baselland ins Spiel, der Binninger Landrat Marc Schinzel doppelte nach: «Das Baselbiet soll den Baslern die Heuwaage abkaufen. Make Binningen greater again!» Der Kauf der Heuwaage sei natürlich ein Scherz gewesen, erklärte er der «Basler Zeitung». Ein Ozeanium auf Binninger Boden ist aber kein Scherz.

Der Basler Zoo hat an seinem südlichen Ende eine fast 15'000 Quadratmeter grosse Parzelle im Baurecht auf Binninger Boden. Das Land gehört der Einwohnergemeinde Basel-Stadt, der Baurechtsvetrag läuft aber noch bis 2070. Der Zoo nutzt die Fläche aktuell für einen Teil der Logistik, eine Vogelstation sowie das Leopardengehege. Die Fläche ist aktuell nicht frei.

Der Zoo hat die Parzelle aber bereits als Entwicklungsgebiet definiert und möchte sich weiter Richtung Binningen ausdehnen. Das steht in einer Interpellationsantwort des Binninger Gemeinderats, wie die «bz Basel» schreibt.

Binningens Gemeindepräsident Mike Keller liess gegenüber Telebasel bereits verlauten, dass er von einem Ozeanium in seiner Gemeinde sehr angetan wäre. Und die Behandlung des Baugesuchs des Zolli läge in diesem Fall in der Kompetenz des Gemeinderats, wie Keller auf Anfrage erklärte.

Unklar ist einzig, ob die aktuellen Zonenvorschriften ein Ozeanium auf dieser Parzelle zulassen. «Wäre eine Umzonung notwendig, müsste der Einwohnerrat über einen Antrag des Gemeinderats befinden», so Keller. Gegen einen Entscheid des Einwohnerrats könnte das Referendum ergriffen werden.

Die Fondation Weber würde nicht zögern: «Eine Neuauflage des Ozeaniums wäre ein Affront gegenüber dem Stimmvolk. All die Argumente von Tierethik und Artenschutz gelten ja auch, wenn man auf die andere Seite der Kantonsgrenze geht», wird sie in der «bz Basel» zitiert.

Der Zoo äussert sich auf Anfrage noch nicht zu allfälligen neuen Ozeanium-Plänen. «Wir müssen die Situation zuerst analysieren», sagt Sprecherin Tanja Dietrich. Das abgelehnte Projekt sei für die Heuwaage konzipiert gewesen. Klar ist einzig: Geld für ein neues Projekt wäre vorhanden. Über 20 Millionen Spendenfranken hat der Zoo unabhängig vom konkreten Projekt im Ozeanium-Fonds.

(lha)