Basel

12. Februar 2020 05:00; Akt: 12.02.2020 05:00 Print

Zum Firmen-Bentley mit fragwürdigen Geschäften?

Der Schulmaterial-Verband macht mit dem Verkauf von Drucker-Tonern satte Profite. Konsumentenschützer werfen der Firma Trickserei vor.

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Der knallpinke Bentley ist ein Blickfang. Wenn der auffällig gefärbte Luxus-Bolide auf Basels Strassen unterwegs ist, ist ihm die Aufmerksamkeit der Passanten sicher. Das Auto landete auch schon auf den Instagram-Profilen sogenannter Car-Spotter. Der Bentley Continental mit über 500 PS hat einen Neuwert von gut 200'000 Franken.

Das Auto ist ein Firmenwagen. Zugelassen ist der Bentley nämlich auf die SMAV Schulmaterial-Verband AG. Diese war vergangene Woche Gegenstand eines Berichts des Konsumentenschutzmagazins «Kassensturz» von SRF.

Der Vorwurf: Die Schulmaterial-Verband AG verkauft mit falschen Angaben Drucker-Toner. Den Kunden werde vorgeschwindelt, dass es sich um Original-Toner von namhaften Herstellern handle, die aus Lagerbeständen von öffentlichen Schulen stammten. Die Schulmaterial-Verband AG habe das Mandat, diese günstig weiterzuverkaufen. Die Kunden glauben, dabei ein Schnäppchen zu machen. Tatsächlich handelt es sich aber um wiederaufgefüllte Nachbau-Produkte.

Kunden systematisch angelogen?

«Uns hat besonders gefallen, dass das Geld aus dem Erlös des Verkaufs an die Schulen zurückfliesst», wird Kundin Claudia Manns von der Friedrich-Ebert-Stiftung im Beitrag zitiert. Die Stiftung hatte deshalb für über 3000 Franken HP-Toner bestellt, die sich im Nachhinein nicht als Original-Produkt entpuppte. Kein Einzelfall. Auch eine Spitex-Organisation aus der Region Basel erhielt minderwertige Ware anstelle von Original-Produkten.

Ehemalige Mitarbeitende der Firma sagten gegenüber dem Kassensturz, dass sie instruiert wurden, den Kunden diese Märchen aufzutischen. Eine ehemalige Mitarbeiterin bestätigte diese Darstellung gegenüber 20 Minuten.

«Ex-Mitarbeiter wollen sich an mir rächen»

Geschäftsführer Beat Mörker widerspricht den Vorwürfen in der Sendung. Er behauptet, die Angestellten wollten seiner Firma gezielt schaden, weil er sie fristlos habe entlassen müssen. Er wirft
den beiden Staftaten vor, die Staatsanwaltschaft ermittle deswegen. In einem Fall erging ein Strafbefehl, der allerdings angefochten wird.

Es stimme nicht, dass er Refill-Toner verkaufe, sondern sogenannte Nachbau-Toner von einem anderen Hersteller, deren Innenleben komplett erneuert worden sei. «Wir verkaufen diese als unsere ‹Original-Schullinie›», so Mörker weiter. Das Personal sei angewiesen, dies so zu deklarieren.

«Die SMAV Schulmaterial-Verband AG ist seit sieben Jahren erfolgreich am Markt. Wir haben zehntausende zufriedene Kunden», sagt Mörker gegenüber 20 Minuten. Auch aus seinem Fuhrpark macht der Unternehmer, der privat einen Ferrari fährt, keinen Hehl. Auch ein Lamborghini ist auf ihn zugelassen.

Der Sportwagen-Aficionado betont mehrfach, dass seine Firma nichts Verbotenes mache und auch der Name rechtens sei, obwohl seine Firma eine Aktiengesellschaft und kein Verband ist.

«Kunden können Rücknahme verlangen»

«Die Firma operiert in einem Graubereich», sagt Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz, wo auch schon mehrere Meldungen gegen die Schulmaterial-Verbands AG eingingen. Auch der Name sei, wenn auch nicht verboten, äusserst manipulativ. Die Firma habe einen cleveren Weg gefunden, den Leuten etwas vorzugaukeln. Kunden seien aber nicht machtlos. «Sie können einen Umtausch oder die Rücknahme der Ware verlangen, wenn sie nicht das erhalten haben, was ihnen versprochen wurde, denn sie wurden unter Umständen getäuscht oder in die Irre geführt», sagt sie.

Mörker verspricht am Telefon Kulanz. Kunden hätten 30 Tage Zeit, die Ware zu retournieren, wenn sie nicht zufrieden seien. «Wir verkaufen ja schliesslich nicht die Katze im Sack.»

(lha)