Universitätsspital Basel

05. November 2018 16:05; Akt: 05.11.2018 17:03 Print

Sprunghafter Anstieg von K.-o.-Tropfen-Fällen

Das Basler Universitätsspital testete 2017 dreimal mehr Patienten positiv auf K.-o.-Tropfen als in den beiden Vorjahren. Ein Zusammenhang mit Sexualverbrechen ist schwer zu beweisen.

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Seit zwei Jahren wird im Basler Universitätsspital USB ein auffallender Anstieg von Patienten unter Einfluss von K.-o.-Tropfen beobachtet, wie die «bz Basel» am Montag berichtete. Vergangenes Jahr wurden 21 Patienten positiv auf den betäubenden Wirkstoff GHB (Gamma-Hydroxybutyrat) getestet, das sind 16 Fälle mehr als noch in den Jahren 2015 und 2016, wo es je fünf positive Tests gab.

Dabei ist überhaupt kein Trend zu bewussten Konsum von K.-o.-Tropfen zu beobachten: «Die Zahlen des Suchtmonitorings Schweiz zeigen, dass GHB nicht zu den breit konsumierten Suchtmitteln gehört», sagt die Sprecherin des Basler Gesundheitsdepartements Anne Tschudin gegenüber der «bz Basel.» In den meisten Fällen dürften die USB-Patientinnen Opfer eines Übergriffs geworden sein, heisst es im Bericht der BZ Basel, belegt ist das allerdings nicht. Denn: Der Nachweis ist nicht selten schwierig, wie auch der prominente Fall der ehemaligen Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin zeigt.

Nach dem Horrortrip der Filmriss

Die Folgen nach der Einnahme einer überhöhten Dosis GHB sind drastisch: Bereits nach kurzer Zeit kommt ein Schwindelgefühl und Übelkeit auf, später verstärken sich diese Symptome bis hin zur Bewusstlosigkeit. Innert kürzester Zeit verlieren Opfer die Kontrolle über ihren Körper, werden willenlos und stark manipulierbar.

Sobald die Wirkung nachlässt haben viele Betroffene einen totalen Filmriss: «Die Mehrheit der Patienten sagt, sie wisse von nichts», so Roland Bingisser, Chefarzt des Notfallzentrums im USB gegenüber der «bz Basel.» Wenn eine Vergewaltigung vermutet wird, rieten die Ärzte zu einer Anzeige.

Für die Ärzte des Unispitals sei es aber nur sehr schwer möglich zu ermitteln, ob die Patienten die Drogen tatsächlich gegen ihren Willen konsumiert haben, da die Tropfen in niedriger Dosierung auch positive Gefühle hervorrufen können. Für die Ärzte stehe es aber nicht im Vordergrund die Tathintergründe zu ermitteln, sondern in erster Linie das Wohlergehen der Betroffenen zu gewährleisten.

«Möglichst rasch untersuchen lassen»

Margit Becker, Beraterin bei der Opferhilfe beider Basel, sagt: «Wenn K.-o.-Tropfen im Blut nachweisbar sind, dann kann es mit einem Sexualverbrechen in Verbindung gebracht werden.» Das ist aber sehr schwierig, da die Rückstände der Drogen im Blut nur sechs bis acht Stunden nachweisbar sind.

«Gibt es Anzeichen, dass im Zusammenhang mit K.-o.-Tropfen ein Sexualdelikt vorgefallen sein könnte, sollten sich Betroffene möglichst rasch medizinisch untersuchen lassen oder sich für Informationen und weitere Unterstützung an die Opferhilfe beider Basel wenden», so Becker weiter. Auch Bingisser empfiehlt bei Unsicherheit, sich umgehend medizinisch untersuchen zu lassen, denn im Falle eines Übergriffs sei es möglich, DNA-Spuren und Sperma sicherzustellen.

Um sich vor solch traumatischen Erlebnisse zu schützen, rät Becker: «Offene Getränke im öffentlichen sowie im privaten Raum sollten nicht unbeaufsichtigt gelassen werden.»

(mis)