Rassismus-Streit

21. August 2018 05:41; Akt: 21.08.2018 07:11 Print

«Ich rate ihnen dringlich, Name und Logo zu ändern»

Der emeritierte Basler Soziologieprofessor Ueli Mäder plädiert für eine Umbenennung der Guggen Negro Rhygass und Mohrekopf. Er warnt aber auch vor verhärteten Fronten.

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«Die Namen und Logos sind missverständlich und verletzend», sagt Ueli Mäder über die Guggen Negro Rhygass und Mohrekopf. Der Debatte darüber täte aber mehr Gelassenheit gut. Er rät den betroffenen Guggen zu einer Namensänderung. Sie solle aber nicht von Oben herab verordnet werden. «Es gibt viele Gruppen, die durch eine Namensänderung gestärkt hervorgingen», so Mäder. Werden hier die Grenzen des Tolerierbaren überschritten? Um den Auftritt und den Namen der Fasnachtsgesellschaften Mohrekopf-Gugge und Negro Rhygass ist eine Kontroverse entbrannt. Am Freitag haben rund 1000 Teilnehmer an einem Solidaritäts-Marsch für die kritisierten Guggen mitgemacht. Der Anlass war als Umzug behördlich bewilligt. Auf der Wettsteinbrücke kam es zu einer kurzen Konfrontation mit einer Gegendemo, die nach wenigen Minuten aber den Weg frei machte. Kein Verständnis für die Kritik: Dieser Vers, den ein Basler Fotograf aus Solidarität zur Negro Rhygass und Mohrekopf-Gugge gedichtet hat, wurde auf Facebook mehrere tausend Male geteilt, nachdem die Facebook-Seiten der Negro Rhygass und Mohrekopf-Gugge wegen Rassismus gesperrt wurden. Auch diese Solidaritätsbekundung mit den Opfern der Facebook-Zensur wird auf Facebook eifrig herumgereicht. Am 14. August wurden die Facebook-Seiten der Negro Rhygass und Mohrekopf-Gugge gesperrt. User hatten diese als rassistisch beanstandet, nachdem ein entsprechender Aufruf auf Instagram lanciert worden war. Die Negro-Rhygass feierten am vergangenen Wochenende das «Negro-Fescht». Jetzt bezeichnen Kritiker Logo und Namen des Vereins als rassistisch. Bei Stopp Rassismus sind nach der Veranstaltung Meldungen eingegangen. «Es laufen jetzt Abklärungen, inwieweit da juristisch etwas zu machen ist», so Johann Göttl, Leiter der Beratungsstelle. Der Verein distanziert sich von Rassismus aller Art. Sieht jedoch keinen Handlungsbedarf, da sich Name und Emblem auf eine historische Begebenheit zurückführen lassen. Seit vielen Jahren sei der Verein Mitglied des Fasnachtscomites und des Dachverbandes der Gugge-IG. Der Name sei zuvor nie ein Thema gewesen. «Bitte überlegt euch einen zeitgemässen Auftritt und einen neuen Namen», fordert ein Kritiker auf Facebook.

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Am Freitag gingen über 1000 Fasnächtler auf die Strasse, um sich mit den kritisierten Cliquen zu solidarisieren. Damit haben sie auch die als rassistisch kritisierten Namen und Logos verteidigt. Hat die Basler Fasnacht ein Rassismus-Problem?
Sicherlich kein grosses. Die Demo hat das nun ein wenig aufgeschaukelt. Mehr Gelassenheit täte der Debatte gut.

Sie sagen, die Fasnacht hat kein grosses Rassismusproblem, als gibt es eines. Wo und wie äussert sich das?
Wer andere Menschen auf Grund äusserer Merkmale wie Hautfarbe abwertend darstellt, handelt rassistisch. Wichtig ist die Bereitschaft, diese Praxen zu ändern. Auch an der Fasnacht. Gerade im Kontext von Flüchtlingsdebatten und stark verbreitetem Rechtspopulismus.

Die teils sehr heftigen Reaktionen auf die Berichte über den Solidaritätsmarsch zeigen, dass die Rassismuskritik als Frontalangriff auf die Fasnacht gedeutet wird. Die andere Seite bleibt auffällig ruhig. Fehlt der Öffentlichkeit das Bewusstsein die Sensbilität für die Rassismus-Thematik?
Nein, das Bewusstsein dafür ist vorhanden. Als ich noch ein Kind war, haben wir bei der Fasnacht noch ganz selbstverständlich von «Judenfürzen» und später von «Frauenfürzen» gesprochen. Das gibt es zum Glück heute nicht mehr und das ist kein Verlust – im Gegenteil. Wir laufen aber immer wieder Gefahr, uns über andere zu erheben. Da sind mehr Sensibilität und Änderungen nötig.

Was heisst das nun in Bezug auf die Namen und Logos der Guggen Negro Rhygass und Mohrekopf, wäre eine Umbenennung also angezeigt?
Sie sind missverständlich und verletzend, wenn auch ohne böse Absicht. Da müssen wir alle achtsam sein. Ich würde ihnen dringlich anraten, die Namen und Logos zu ändern. Aber ich würde das nicht von oben herab gesetzlich angehen oder verbieten. Sie könnten ein Zeichen setzen. Es gibt viele Gruppen, die durch eine Namensänderung gestärkt hervorgingen.

Es war ein Spruchband zu sehen mit der Aufschrift "Denn bin i halt Rassist". Welche Haltung führt zu solchen Botschaften?
Diese trotzige Reaktion ist situativ verständlich. Aber sie verhärtet die Debatte. Humor ist anders. Mehr Ernsthaftigkeit allerdings auch.

(lha)