Doch nicht entlassen

24. Juni 2019 15:15; Akt: 24.06.2019 16:35 Print

Museums-Angestellte erhalten zweite Chance

Wegen ihrer kurzfristigen Teilnahme am Frauenstreik wurden zwei Mitarbeiterinnen des Kunstmuseums in Basel entlassen. Nun gibt das Museum den beiden eine zweite Chance.

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Das Kunstmuseum Basel hat zwei Mitarbeiterinnen entlassen. Die beiden waren am Freitag, 14. Juni 2019, zur Arbeit erschienen. Um 15.24 wollten sie sich dann den Demonstranten des Frauenstreiks anschliessen. Ab dieser Zeit arbeiten Frauen kostenlos, wie Anne Fritz, Hauptorganisatorin des Streiks erklärte. In Basel hatten sich Tausende zum Streik versammelt. Doch nicht nur dort. Demonstration am Frauenstreik, hier in Zürich. Auch in Lausanne gingen Tausende auf die Strassen. Die Berner Innenstadt fest in der Hand der Demonstrantinnen. Streikende blockieren beim Zürcher Central den Verkehr. Auch die Rettungsfahrzeuge von Schutz und Rettung kamen nicht durch, wie die Stadtpolizei Zürich mitteilte. Die SP-Nationalraetinnen Nadine Masshardt, Yvonne Feri, Laurence Fehlmann Rielle, Priska Seiler Graf, Barbara Gysi, Mattea Meyer, und Jacqueline Badran, von links, während der Sommersession in Bern. Um 11 Uhr wurde die Sitzung für eine Viertelstunde unterbrochen. Auch Bundesrätin Viola Amherd trug am Freitag Violett. Auch Mitarbeiterinnen einer Kita in Winterthur legten am Freitag ihre Arbeit nieder. In Bern hängten maskierte Aktivistinnen am Morgen Plakate auf. Der Theaterplatz in Luzern war voll besetzt. Zwei Frauen ziehen eine Klitoris-Skulptur über die Hardbrücke in Zürich. In St. Gallen haben sich ebenfalls zahlreiche Frauen zum Streik versammelt. In Sitten VS wollten die Frauen ins Rathaus. Die Polizei hinderte sie daran. Am Freitag dominierte in der Schweiz die Farbe Violett. (Bild aus Lausanne) Am frühen Freitagmorgen verbrannten Aktivistinnen BHs... ...und Schilder. Die Frauen versammelten sich um das Feuer. In Rumlingen BL wurde zum Streik aufgerufen. Der Aufruf hing am Viadukt. Die Gemeinde war damit nicht allein. In der Nacht auf Freitag und am frühen Morgen sind in Lausanne Frauen auf die Strasse gegangen. (13. Juni 2019) Bereits am Donnerstagabend leuchtete der Roche-Turm in Basel im Zeichen des Frauenstreiks. Auch das Konzert Theater Bern war bereit für den Frauenstreik. (13. Juni 2019) Erich Hess (SVP-BE) riss am 13. Juni 2019 vom Rednerpult des Berner Stadtparlaments ein Plakat, das zum Frauenstreik aufruft. Die SVP-Fraktion - die ausschliesslich aus Männern besteht - hatte im Vorfeld einstimmig beschlossen, das Plakat zu tolerieren. Doch Hess sah durch das Plakat die politische Neutralität des Parlaments verletzt und entfernte es. Eine Umfrage von 20 Minuten zeigt: 18 Prozent der Frauen haben vor, am 14. Juni am Frauenstreik teilzunehmen. Im Bild: die Kundgebung für Lohngleichheit im September 2018. Natascha Wey von der Gewerkschaft VPOD sagt, der Streik elektrisiere die Basis: «Auch die Bäuerinnen oder die Aargauer Kirchenfrauen streiken. Das sind beileibe keine Linksextremen.» «Frauen haben weniger Geld, weniger Zeit und weniger Anerkennung für die Arbeit, die sie leisten», schreiben die Verantwortlichen des Frauenstreiks. Die gewichtete Umfrage von 20 Minuten zum Frauenstreik bei 11'596 Personen zeigt nun, inwiefern sich Frauen in der Gesellschaft tatsächlich diskriminiert fühlen. 57 Prozent der Frauen fühlen sich diskriminiert, während 67 Prozent der Männer keine Benachteiligungen sehen. Für Helena Trachsel, Gleichstellungsbeauftragte des Kantons Zürich, ist die Notwendigkeit des Streiks ungebrochen, obwohl eine Mehrheit von 53 Prozent keine Diskriminierung der Frauen sieht. «Wir haben Fortschritte gemacht. Aber dass jede Vierte offenbar respektlosen Umgang erlebt, ist weiterhin alarmierend.» Dass zudem die Lohnungleichheit als grösstes Problem gesehen wird, erstaunt Trachsel nicht: «Das ist seit 20 Jahren das Topthema. Es ist objektiv messbar und bewegt daher am meisten.» Doch wie ist es zu erklären, dass 67 Prozent der Männer finden, Chancengleichheit sei gegeben oder gar sie selbst seien diskriminiert? «Männer müssen ins Militär und haben keinen Vaterschaftsurlaub. Sie können sich auch diskriminiert fühlen», sagt Trachsel. Da aber die Rechte der Frauen eher debattiert würden, wehrten sich die Männer, indem sie Frauen die Solidarität entzögen, so Trachsels Interpretation. «Im Vergleich zur Generation meiner Mutter sind wir privilegiert», sagt Claudine Esseiva von den FDP-Frauen. In den letzten Jahren habe man viel erreicht. Die Zahlen zeigten aber, dass es noch Nachholbedarf gebe – auch wenn die Hälfte der Befragten Frauen als nicht benachteiligt ansieht.

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Die beiden wegen ihrer Teilnahme am Frauenstreik in Basel gekündigten Frauen haben ihre Stelle wieder zurück: Wie das Kunstmuseum am Montag, dem 24. Juni mitteilte, habe der Direktor des Kunstmuseums beschlossen, die Mitarbeiterinnen wieder einzustellen: «Josef Helfenstein, Direktor des Kunstmuseums Basel, hat in Absprache mit Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann entschieden, den beiden am 20. Juni entlassenen Frauen eine zweite Chance zu geben», hiess es in der Mitteilung.

Auf Nachfrage bestätigte das Museum, dass Ackermann das Gespräch mit Helfenstein gesucht hatte. Heidi Mück (Basta!) bedankte sich auf Twitter bei der Regierungspräsidentin.


Wie 20 Minuten berichtete, waren die beiden Frauen zuvor entlassen worden. Zwar waren sie am Morgen des 14. Juni, am Tag des nationalen Frauenstreiks, zur Arbeit erschienen. Jedoch erklärten sie ihrem Tagesverantwortlichen, dass sie um 15.24 Uhr gehen möchten, um sich dem Demonstrationszug des Frauenstreiks anzuschliessen.

«Sicherheitsdispositiv des Kunstmuseums geschwächt»

Die Frauen hätten ihren sicherheitsrelevanten Posten als Aufsichtspersonen so kurzfristig verlassen, dass das Kunstmuseum keine Möglichkeit gehabt habe, für Ersatz zu sorgen. «Dadurch wurde das Sicherheitsdispositiv des Kunstmuseums geschwächt», so das Kunstmuseum weiter.

Die Kündigung hatte in den Vergangenen Tagen hohe Wellen geschlagen. Eine Online-Petition für die beiden Frauen zu Handen des Kunstmuseums registrierte bis Montagmittag 3642 Unterstützende.


(jes)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ein Mann am 24.06.2019 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Was lernen wir daraus?

    ... Frauen dürfen alles. Ein Mann wäre (völlig zu Recht) gekündigt worden und hätte keine 2. Chance bekommen. Wo sind jetzt die Frauen, die immer Gleichberechtigung wollen?

  • Pragmat am 24.06.2019 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Die Kündigung wäre eigentlich das richtige Signal gewesen.

  • S. Auerei am 24.06.2019 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht!

    Den beiden Frauen wurde aufgrund ihres Geschlechts eine zweite Chance gegeben, sodass sie wieder an ihre Stelle zurückkehren konnten. Das ist nichts anderes als Diskriminierung der Männer und Bevorzugung der Frauen und widerspricht dem Gleichstellungsgesetz von Mann und Frau und dem Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Findnicht am 25.06.2019 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vetterliwirtschaft

    Nicht der Direktor des Kunstmuseums, sondern die Regierungspräsidentin hat den beiden Entlassenen eine zweite Chance gegeben.

  • Amina123 am 25.06.2019 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gibt mir zu denken

    hätte ich als arbeitgeber nicht gemacht,die 2 damen wieder einzustellen.das öffnet höchstens tür und tor,dass man machen kann,was man will....

  • Komposchti am 24.06.2019 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Zukunft

    Ein bisschen Farbe schmeissen, Rumschreien, Shitstormen. Ist das unsere neue Kultur, mit Problemen umzugehen?

  • Der dumme Mann am 24.06.2019 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Bin halt ein Mann

    Ich hatte mich bei meiner Arbeit im Büro in der Probezeit verletzt. Eine Gladscheibe ist beim Fensterputzen zerbrochen, weil der Fensterputzer den Lift nicht richtig bedient hatte. Ich wurde von Glassplittern getroffen und bekam am gleichen Tag noch die Kündigung! Wie gesagt, Probezeit.

  • Pragmatiker am 24.06.2019 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Medien einschalten...

    ...und schon muss der Arbeitgeber zurückkrebsen.