Kritik nach Facebook-Post

02. August 2016 11:40; Akt: 02.08.2016 18:32 Print

«Als Imam sollte er die Wogen glätten»

Ein Imam aus Ostermundigen will gemäss einem Post türkische Putschisten am Galgen sehen. Ein Schweizer Islamexperte hält dies für bedenklich.

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Abdullah Dikmen ist Imam in der vom regionalen türkisch-islamischen Verein getragenen Moschee in Ostermundigen. Im Nachgang des missglückten Militär-Putsches in der Türkei teilte der Geistliche auf Facebook ein Bild mit einer Henkersschlaufe: «Teile dieses Bild, wenn du die Putschisten am Galgen sehen willst», lautet die Übersetzung des Textes. Der Facebook-Post wurde bereits vom Netz genommen – der SRF-Fernsehsendung «10 vor 10» blieb er jedoch nicht verborgen.

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Der Post sorgte für rote Köpfe. Dikmen, der vom türkischen Staat bezahlt wird, wollte sich bisher nicht nicht dazu äussern. Beim regionalen türkisch-islamischen Verein spürt man den Druck: Während Vize-Präsident Yüksel Toy letzte Woche gegenüber SRF sagte «ich glaube, dass der Imam das unbewusst geteilt hat», fand er wenige Tage später bei der «Berner Zeitung» schärfere Worte: «In der Moschee hat Politik keinen Platz.» Es soll nun zu einer Krisensitzung kommen.

Zu radikal und unsensibel

Roland Rino Büchel, SVP-Nationalrat und Präsident der aussenpolitischen Nationalratskommission, will gar dagegen vorgehen. «Wenn strafrechtlich relevante Elemente dabei sind – und danach sieht es aus – ist das ein Fall für die Untersuchungsbehörde.»

Auch der Islamwissenschaftler Maurus Reinkowski von der Universität Basel kritisiert Dikmen für seinen Facebook-Post. Innerhalb der türkischen Bevölkerung herrsche zur Zeit schon genug Kampfeuphorie, so der Professor für Islamwissenschaft. Dennoch zeigt er sich von der radikalen Haltung Dikmens erstaunt: «Als Imam sollte er die Wogen eher glätten.»

Dass Dikmen sich derart lautstark hinter Präsident Erdogan stellt, überrascht jedoch nicht: «Die türkische Regierung mischt sich sehr stark in die religiösen Angelegenheiten ein», sagt Reinkowski. So komme das Land etwa für die Ausbildung der Imame, ihre Entsendung und ihren Lohn auf. Auch gebe das staatliche Präsidium für Religionsangelegenheiten jeweils Predigt-Vorschläge für das Freitagsgebet, welches das wichtigste Gebet der Woche sei. Er habe sich über den Facebook-Post genervt: «In der Schweiz ist die Einstellung eines Imams keine Privatsache. Der Eintrag war wenig sensibel.»

Die Ostermundiger Moschee und die türkische Botschaft in Bern waren für 20 Minuten am Dienstag nicht erreichbar.

(aha)