Mysteriöser Fotograf

10. April 2019 05:04; Akt: 10.04.2019 09:08 Print

«Als ob Google in meinen Vorgarten blicken würde»

Seelenruhig und mit einem Kamerarucksack schlenderte ein Mann durch ein Berner Wohnquartier. Für wen oder was hat er gefilmt? Google weiss von nichts.

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Fotoaufnahmen bei Kinderspielplätzen sind manchen Eltern ein Dorn im Auge. Wenn dann auch noch 360-Grad-Aufnahmen an solchen Orten gemacht werden, ist das für viele ein Problem. Der Berner EVP-Grossrat Ruedi Löffel beobachtete am Montag, wie ein Mann mit einem Kamerarucksack durch das Berner Steigerhubel-Quartier schlenderte. Das Foto postete er auf Facebook.

Blick ins Private

Der «Mann mit dem Kamerarucksack» ist nicht nur Löffel aufgefallen. Auch die Anwohnerin K.M.* hat den schwarz gekleideten Mann mit der blauen 360-Grad-Kamera auf dem Rücken gesehen: «Es war, als ob Google in meinen Vorgarten blicken würde.» Sie sei zu dem Zeitpunkt in ihrer Wohnung gewesen: «Aber wenn ich jetzt im Garten am Sünnelen gewesen wäre, dann wäre mir das sehr unangenehm. Dann hätte ich auch etwas gesagt.»

Ebenfalls problematisch findet die Bernerin, dass der Mann an einem Spielplatz vorbeiging. Diese Meinung teilen auch andere im Quartier: «Ich komme oft mit meinem Sohn auf den Spielplatz und möchte nicht, dass er im Internet erscheint.» Als Mutter habe sie auf dem Spielplatz nicht auch noch Zeit, die Umgebung nach «Kameramenschen» zu scannen. «Mich nimmt vor allem Wunder: Was geschieht jetzt mit diesen Aufnahmen?»

Google oder nicht Google?

In wessen Auftrag der Mann Aufnahmen machte, ist unklar. Eine Anfrage bei Google liefert folgende Antwort: «Google ist nicht bekannt, dass jemand für Google-Street-View-Aufnahmen in diesem Gebiet unterwegs war», teil das Unternehmen mit. Gänzlich auzuschliessen sei jedoch nicht, dass es sich um eine Google-Kamera handele, denn diese würden auch verliehen – etwa an Tourismusorganisationen.

Um die Privatsphäre von Einzelpersonen zu schützen, würden vor der Veröffentlichung von Street-View-Bildern stets Massnahmen ergriffen. So komme bei Google eine Technologie zum Einsatz, mit der Gesichter und Kennzeichen verwischt würden. Mit einem Antrag beim Konzern könne eine Person oder ein Haus zudem gänzlich unkenntlich gemacht werden.

* Name der Redaktion bekannt

(cho)