Zeltlager ist Geschichte

21. Juni 2011 07:10; Akt: 21.06.2011 11:58 Print

«Atomgegner haben Räumung provoziert»

Polizisten haben in der Nacht das Anti-AKW-Camp in Bern geräumt. Nun pflügen Gärtner unter Polizeischutz die Wiese um. Selbst linke Parteien kritisieren die Sturheit der AKW-Gegner.

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Nach über zwei Monaten ist dem Berner Gemeinderat der Geduldsfaden gerissen und er erteilte den Räumungsbefehl für das AKW-Zeltlager. Dutzende Polizisten und Feuerwehrleute marschierten heute früh um 3.30 Uhr am Viktoriaplatz auf, räumten das Camp und nahmen die 26 anwesenden Camper vorübergehend fest. «Es gab nur vereinzelt symbolischen Widerstand seitens der Aktivisten. Der Einsatz verlief insgesamt friedlich», sagt Polizeidirektor Reto Nause zu 20 Minuten Online. Der Rasen vor dem BKW-Gebäude werde nun komplett umgepflügt und neu angesät.

«Bei der Räumung haben wir vier grosse XXL-Container mit Holz und Zeltmaterial abtransportiert», sagt Nause weiter. Der Einsatz sei eine grosse logistische Herausforderung gewesen. Um 6.15 Uhr sei das Camp komplett geräumt gewesen.

Gemeinderat gegen dauerhaftes Zeltlager

Warum liess die links-grüne Berner Regierung das Camp ausgerechnet jetzt räumen? Der Entscheid dazu sei gefallen, nachdem sich die Aktivistinnen und Aktivisten trotz mehrerer Gesprächsrunden geweigert hätten, die Schlafzelte abzubauen, teilt der Gemeinderat in einem Communiqué mit. Er wäre bereit gewesen, eine ständige Mahnwache zu bewilligen. Er habe aber von Anfang an klargemacht, dass er kein dauerhaft bewohntes Zeltlager zulassen werde.

«Die Aktivisten haben eine Räumung provoziert», sagt denn auch Lorenz Keller, Co-Präsident der SP Bern-Nord. Dies indem sie ihr Campf auf keiner Art und Weise verkleinert hätten. Es sei sehr schade, dass kein fruchtbarer Dialog zwischen den Atomgegnern - zu denen er selbst gehört - und der Stadt zustande gekommen sei.

Bei den Aktivisten herrscht Konsternation: Er sei enttäuscht von «dieser Nacht- und Nebelaktion des Gemeinderates», sagte Philip Zimmermann, Aktivist und Mitglied der Jungen Grünen. Es sei ein Skandal, dass man das Protest-Camp abbaue, «statt gegen den Schrottreaktor Mühleberg» vorzugehen.

Protest geht weiter

Die AKW-Ade-Bewegung schreibt in einer Mitteilung, dass sich damit der Gemeinderat nun auch auf die Seite der Atomlobby stelle, nachdem der Grosse Rat letzte Woche beschlossen habe, nichts zu unternehmen, um das altersschwache AKW Mühleberg vom Netz zu nehmen.

Bis das AKW abgestellt ist, werde der Protest weitergehen, schreibt die Bewegung im Communiqué - mit oder ohne die Genehmigung des Berner Gemeinderats. Heute Dienstag um 12 Uhr finde bereits das 14. Dienstags-Protest-Picknick statt, und am Donnerstag wird es um 18 Uhr die nächste Donnerstagsdemonstration geben.

Keine neue Besetzung möglich

Mit der Räumung des Geländes zieht die Stadtregierung auch ihr Angebot für eine ständige Mahnwache ohne Zeltlager zurück. Eine erneute Besetzung des Geländes werde der Gemeinderat nicht zulassen, heisst es im Communiqué.

(am/kub/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • regula stark am 21.06.2011 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    ich werde traurig, wenn....

    ...ich eure Kommentare lese. Da macht mal Jemand Etwas für die Zukunft eurer (!) Kinder und ihr findet es richtig, wenn das unterbunden wird. Hallo Schweiz, wie wär's mit ein paar neuen, frischen und vor allem unvertrahlten Hirnzellen?!

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  • A.Krebs am 21.06.2011 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yes!!!! Gratulation!

    Bravo!!!!! Na endlich!!!!!!

  • Beat Müller am 21.06.2011 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtsrutsch der Sozialdemokratie

    Was man von den Camp Forderungen auch immer halten mag... Erschreckend ist vor allem die Tatsache, dass die Sozialdemokraten wieder einmal eindrücklich unter Beweis gestellt haben, was sie von realer linker Politik halten. Nämlich gar nichts. Für Aktivisten (auch friedliche), welche wirklich etwas verändern wollen haben sie höchstens Gummischrott, Repression und Polizeiknüppel übrig. Wir müssen aufhören, die SP als die Interessensvertreterin der Linken anzusehen. Sie redet zwar von linker Politik, doch in der Praxis ist ihre Führung (nicht ihre Basis) längst nach Rechts gerutscht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Samuel am 21.06.2011 23:31 Report Diesen Beitrag melden

    Die Regierung zeigt ihr wahres Gesicht

    Die Regierung zeigt ihr wahres Gesicht. Proteste, die niemanden stören, sind nicht erlaubt, auch wenn die beschlossenen Atomkraftwerke, Tonnen von hochradioaktiven Abfall produzieren. Den Leuten wird einmal mehr gezeigt, wen sie da im Rot-Grünen Schafspelz gewählt haben. Aber das interessiert sie eigentlich nicht.

    • Ben bern am 22.06.2011 11:05 Report Diesen Beitrag melden

      Wer ist alles Niemand?

      Anwohner sind Niemand? Steuerzahler sind Niemand? Parkbussbezahler sind Niemand? Warum ist die Wahrnehmung von vornehmlich linken Aktivisten derart vernebelt? Die Stadt hat sich mit der Räumung nicht für AKW ausgesprochen sondern es geht um die Einhaltung von Gesetzen. Der Bogen wurde einfach überspannt. Selber schuld.

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  • Roger Bergi am 21.06.2011 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Geldschleuder...

    Könnte man all das Geld in erneuerbare Energie investieren, welches in den letzten Jahren aufgewendet werden musste für Polizeieinsätze an Demonstrationen, Sachbeschädigungen und Staatstreiche durch Chaoten und Linke, wäre ein Atomausstieg auch einfacher zu realisieren. ..schon nur die harmlose und fast friedliche Kundgebung der knapp über 1000 Aktivisten in Mühleberg am Pfingstmontag, kostete den Steuerzahler um Fr. 100'000.-.

  • Markus Berger am 21.06.2011 21:35 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Zeitpunkt

    Schön, dass eine Nacht für die Räumung gewählt wurde, wo wie oft nicht nur 2 -3 Personen anwesend waren.

  • Fragezeichen am 21.06.2011 21:14 Report Diesen Beitrag melden

    Es sind immer die Demonstranten

    die Provozieren, nie die Verursacher der Unzufriedenheit, siehe Syrien. Somit hat da Militär oder die Polizei immer das Recht zu schlagen und zu terrorisieren. Wie lange noch?

  • H. Berger am 21.06.2011 21:06 Report Diesen Beitrag melden

    Stopt Linke Willkür

    Die Linken haben das Zeltlager nur räumen lassen, wegen den Wahlen im kommenden Herbst. Aber endlich wurde alles geräumt, was eigentlich die Bevölkerung schon lange verlangt hat.