Berner Schützenmatte

06. August 2019 15:37; Akt: 06.08.2019 16:43 Print

Stadt wollte beruhigen – passiert ist das Gegenteil

Trotz städtischer Belebungsstrategie: Der Drogenhandel auf der Schützenmatte blüht nach wie vor. Diebstähle und Raubüberfälle haben sogar noch zugenommen.

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Mit einer Belebungsstrategie und vermehrten Polizeikontrollen wollte der Berner Gemeinderat die Situation auf der Schützenmatte beruhigen. Der Partybetrieb vor der Reitschule sollte Dealer, Diebe und Räuber fernhalten. Doch Fehlanzeige: Der Drogenhandel floriert wie eh und je. Mehr noch: Diebstähle und gewaltttätige Raubüberfälle haben sogar zugenommen, wie die Berner Kantonspolizei gegenüber der «Berner Zeitung» bestätigt. Allein zwischen dem 20. und dem 27. Juli kam es zu drei Raubüberfällen.

Räuber werden skrupelloser

«Die Belebungsstrategie durch den Verein Platzkultur ist eigentlich eine gute Sache», sagt Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) zur Zeitung. Das Problem sei die Architektur auf dem Platz mit den diversen Festzelten, Containern und Silos. «Dadurch ist das Areal verwinkelter und unübersichtlicher geworden.» Dies kommt den Dieben entgegen.

Taschendiebstähle hat es auf der Schützenmatte schon zuvor gegeben. Allerdings agieren die Räuberbanden zunehmend skrupellos, spielen ihren (betrunkenen) Opfern den guten Kumpel vor oder klauen auch mal behinderten Menschen das Portemonnaie, wie Polizeiberichte zeigen.

Kleine Fische

Bei den Kleindealern, die zumeist aus dem afrikanischen Raum stammen, handelt es sich laut Fachleuten um kleine Fische. Die eigentlichen Strippenzieher sitzen laut Thomas Kessler, dem einstigen Integrationsexperten und Drogendelegierten des Kantons Basel-Stadt, in Süditalien. «Das Kokain, welches auf der Schützenmatte verkauft wird, ist im Prinzip das gleiche, das in Berlin oder Wien angeboten wird», so Kessler.

Laut den Polizeiberichten dient die Reitschule den Dealern immer wieder als Rückzugsort, oft würden die Beamten im Innern auf Widerstand stossen. «Dass die Polizeiarbeit immer wieder behindert wird, schafft die Voraussetzung, dass sich kriminelles Verhalten, wie wir es auf der Schützenmatte haben, bilden kann», sagt Nause. Die Reitschule sieht das anders: «Dass sich Leute den Polizisten in den Weg stellen, kommt kaum vor», so die Mediengruppe des Kulturlokals..

(20 Minuten)