Hanfsamen-Schmuggel

22. März 2016 05:51; Akt: 22.03.2016 05:51 Print

«Berner Polizei schiesst mit Kanonen auf Spatzen»

von Sonja Mühlemann - Im Kanton Bern wurden deutlich mehr Fälle von illegalem Hanfsamen-Import festgestellt. Grund dafür sind verstärkte Kontrollen.

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Die Kapo Bern registrierte 2015 insgesamt 606 Fälle von Hanfsamen-Schmuggel. Verglichen mit dem Vorjahr ist dies eine Zunahme von 263 Prozent. (Bild: AP/AP Photo/Heribert Proepper)

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Bubba Kush, Amnesia Haze oder White Widow: Schweizer Kiffer bestellten 2015 häufig Hanfsamen online im Ausland. Diese wurden ihnen dann diskret – so versichern die Anbieter – per Post zugestellt. Die Samen wurden meist in Luftpolstertaschen oder in DVD-Hüllen eingeschweisst und aus Holland in die Schweiz geschickt. Zu Hause wollten die Marihuana-Konsumenten dann daraus Gras für ihre Joints anbauen. Kostenpunkt: Bis zu 30 Euro pro Sämling.

Doch die Polizei verdarb vielen Marihuana-Gärtnern die diskrete Lieferung und die Ernte: Im Jahr 2015 verzeigten die Berner Beamten 606 illegale Importeure – eine Zunahme von 263 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie die Berner Kriminalstatistik zeigt. 2014 fassten die Beamten 167 Schmuggler.

Grund für die grosse Steigerung ist die intensive Suche der eidg. Zollverwaltung nach Postsendungen mit Hanfsamen. «Die starke Zunahme der Sicherstellungen ist vor allem auf eine umfassende Risikoanalyse und entsprechende Kontrollschwerpunkte zurückzuführen», sagt denn auch David Marquis, Mediensprecher der Zollverwaltung. Der Zoll verzeigte die Besteller bei der Polizei ihres Wohnkantons, welche dann die Ermittlungen aufnahm.

Verdrängung in Untergrund?

Der Verein Legalize it spricht von einer «Hetzjagd» auf Genusskiffer: «Bei den Bestellern handelt es sich um die unproblematischten Konsumenten, sie leben friedlich in ihrem Häuschen und kiffen ab und zu mal einen Joint mit selbstgezogenem Cannabis aus dem Garten», sagt Vereinssekretär Sven Schendekehl. Für eine Hanfplantage im grossen Stil würden sich die Sämlinge nicht eignen, der Aufwand sei zu gross. Marihuana-Dealer würden für den Anbau Stecklinge vorziehen. «Es meldeten sich 2015 viele Berner bei uns, die wegen einer Hanfsamen-Bestellung eine Hausdurchsuchung erdulden mussten und Rat suchten. Dies ist unverhältnismässig – die Berner Polizei hat mit Kanonen auf Spatzen geschossen», so Schendekehl weiter.

Seit den Schwerpunktaktionen des Zolls sei das Phänomen der Hanfsamen-Bestellung verschwunden. «Die Leute kiffen deswegen aber nicht weniger, sondern besorgen sich das Gras oder Hasch auf dem Schwarzmarkt.»

Vor allem erwachsene Kiffer bauen selber an

Laut Sucht Schweiz belegt die grössere Zahl registrierter Fälle nicht zwingend, dass der Eigenanbau von Marihuana boomt. «Es ist denkbar, dass davor die Zahl vor den Schwerpunktaktionen ebenso hoch gewesen sein könnte, die Lieferungen aber nicht entdeckt wurden», sagt Suchtexperte Frank Zobel.

Er schätzt, dass die meisten Marihuana-Gärtner zwischen 18 und 30 Jahre alt sind. «In dieser Altersgruppe registrieren wir auch die meisten regelmässigen Konsumenten. Diese haben meist auch Interesse am Eigenanbau und eignen sich das nötige Know-how dafür an.» Die Kapo Bern sagt auf Nachfrage, die höchste Zahl Besteller sei zwischen 20 und 24 Jahre alt.

Jugendliche zählen laut Suchtexperte Zobel tendenziell weniger zu den Hanfsamen-Schmugglern: «Nur rund 2,5 Prozent aller 15-jährigen Schüler gaben in einer gross angelegten Befragung im Jahr 2015 an, selber Cannabis zu ziehen. Und dabei stellt sich auch die Frage, ob sie aus purem Interesse eine Pflanze anbauen oder dies im grösseren Stil machen. Bei den 15-Jährigen Schülerinnen ist der Anteil derer, die Cannabis ziehen, unbedeutend.» Laut der Befragung erhalten Teenager das Gras vor allem über Freunde und Bekannte.

Bei der Kapo Bern heisst es auf Anfrage, man weise die Anzahl Hausdurchsuchungen nicht statistisch aus. Die Staatsanwaltschaft ordne diese an.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ben F. am 22.03.2016 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Kriminalisierung

    Ich finde es bedauerlich, wie viele Schweizer kriminalisiert werden mit der jetzigen Gesetzeslage. Dies sollte sich ändern! Hoffentlich ziemlich bald.

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  • TomD am 22.03.2016 07:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cannabis

    Ich wäre schon zufrieden wenn endlich sämtliche Polizisten befugt sind die Ordnungsbusse bei Konsum und Mindestmenge zu erteilen. Im VS kommt es immer noch häufig vor das man wegen einem Joint 200.- Verfahrenskosten und zusätzliche 400.- wegen der Strafanzeige hinblättern muss. Hinzu kommt der Eintrag ins Strafregister... wegen einem Joint... unglaublich.

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  • Bäumli am 22.03.2016 08:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staunen

    Alle im Schwarzmarkt tätigen reiben sich genüsslich die Hände Weit haben wir es gebracht

Die neusten Leser-Kommentare

  • Toub am 22.03.2016 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grow

    jedst hoff ich nur das meine ankommen xD

  • Biel-Bienne am 22.03.2016 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld...

    Jeder der sich strafbar macht, ist selber schuld, Mitleid sollte man nicht haben. Jeder weiss dass es verboten ist...

    • apollocombat am 23.03.2016 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Biel-Bienne

      normale kiffer werden wie schwerverbrecher behandelt... was überhaupt nicht logisch ist!

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  • Christian Fitza am 22.03.2016 14:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Pflanze ist illegal

    Ja es gibt genug andere Sachen für die Polizei zu tun...und ich finde keine Pflanze sollte illegal sein....mit einer Legalisierung von Cannabis wäre beiden Parteien geholfen....Konsumenten und Polizei

  • Robert Roger am 22.03.2016 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    30 Samen...

    ...ergeben eine Ernteausbeute von ca. 300 gramm oder 1.5 Stange Zigaretten. Zusätzlich geben diese 30 Samen wieder neue Samen, etc. Somit kontrollierter Anbau, Freigabe von 5 gramm zu einem fairen Preis

    • Eduwiis am 22.03.2016 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Robert Roger

      Schon mal angebaut? Wenn man richtig Pflanzen aufzieht gibt es keine Samen. Und falls es trotzdem welche gibt kannst du diese Samen nicht mehr gebrauchen....

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  • S.E. am 22.03.2016 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Schwarzmarkt

    So wird genau der Schwarzmarkt gefördert, denn man ja eigentlich bekämpfen möchte!! Was bringt es, wenn man einen kleinen Fisch aus dem Schwarm nimmt? -> Genau nichts!