Lawinenkatastrophe vor 200 Jahren

12. Dezember 2008 08:18; Akt: 12.12.2008 10:20 Print

«Da hat es angefangen erst recht zu schneien»

Der 12. Dezember 1808 hat sich ins Gedächtnis der Berner Oberländer im Gadmental eingegraben. An jenem Abend donnerte eine Lawine auf das Dorf Obermaad. 23 Todesopfer, lautete die traurige Bilanz.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Auf der Internetseite der Kirchgemeinde finden sich dazu Auszüge aus Chroniken und Kirchenrödeln. «In dem Jahr schneite es schon früh im Tal. Es schneite fast täglich von Michaeli bis 6. Dezember. Da hat es angefangen erst recht zu schneien und es kam ein gewaltiger Wind. Auch herrschte eine riesige Kälte.»

Am Abend des 12. Dezembers dann brach das Unglück über das kleine Bergdorf herein. 70 Menschen lebten dazumal im Weiler Obermaad. «Mehrere Häuser wurden ganz zerstört und kein einziges blieb unbeschadet», zitiert Pfarrerin Ivana Fucik aus alten Schriften.

Die Lawine brachte 23 Menschen den Tod, darunter vielen Familien mit ihren zahlreichen Kindern. Eine junge Frau mit ihrem Säugling fand man erst im Frühling.

Leben mit Naturgefahren

Im Gadmental und auch in zahlreichen anderen Bergdörfern im Berner Oberland haben die Menschen gelernt, mit Naturgefahren zu leben.

Ortschaften wie Gadmen oder das im benachbarten Tal gelegene Guttannen sind im Winter nicht selten wegen prekärer Schneeverhältnisse einen oder mehrere Tage von der Umwelt abgeschnitten. Schutzbauten verhindern, dass die Lawinen, wie 1808, auf die Dörfer niedergehen.

Doch fast mehr noch als die Naturgewalten gibt den Gadmern ein anderes Phänomen zu denken: die Entvölkerung der Bergtäler. «Dieses Jahr sind auf dem Friedhof in Gadmen fünf Menschen beerdigt worden. Kein einziger kleiner Gadmer wurde geboren», schreibt Pfarrerin Fucik dazu.

(sda)