Schangnau

30. Juli 2014 10:48; Akt: 30.07.2014 18:12 Print

«Das ist für jeden Wirt eine Katastrophe»

von Nora Camenisch - Volle Vorratskammern und leere Betten: Wegen des Unwetters bleiben dem Hotel Kemmeriboden-Bad die Gäste weg. Kehren diese nicht bald zurück, geht es um die Existenz.

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Das Kemmeriboden-Bad-Team wartet auf der leeren Terrasse auf Gäste (Bild: zvg).

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Es war ein vor 15 Jahren errichteter Damm vor dem Haus, der das Hotel Kemmeriboden-Bad vor Unwetter-Schäden bewahrt hat. «Wir hatten grosses Glück, unser Hotel ist verschont geblieben», sagt Reto Invernizzi, der den Landgasthof in sechster Generation führt.

Dennoch hinterlässt das Unwetter Schäden beim Betrieb. Weil die Strasse geschlossen war, blieben die Gäste weg – und das in der Hochsaison. «Das ist für jeden Wirt eine Katastrophe. Wir wären ausgebucht gewesen.» Inzwischen sind die Strassen wieder offen, der Landgasthof wieder erreichbar. Doch die Vorratskammern sind gefüllt und die Terrasse, auf der Besucher sonst die berühmten Meringues essen, bleibt genau so leer wie die Hotelbetten. Wann die Gäste wiederkommen, wisse man nicht – man sei dem Wetter ausgeliefert. Die Einbussen belaufen sich laut Invernizzi mittlerweile auf über hunderttausend Franken. «Und wir haben Ende Monat, jetzt gehen die Löhne raus.»

Gegenseitige Hilfe im Dorf

Doch wichtiger als die finanziellen Einbussen sei jetzt das Befinden der Mitarbeiter. «Eine unserer Serviceangestellten war in der Gefahrenzone eingeschlossen als sie mit dem Auto unterwegs war. Sie musste mit der Rega notfallmässig evakuiert werden.» Auch mehrere Lehrlinge, die im Betrieb wohnen, waren eingekesselt. «Wir müssen sie betreuen», so Invernizzi.

Doch nicht nur unter den Angestellten des Hotels ist der Zusammenhalt gross. Anstatt im Kemmeriboden-Bad Däumchen zu drehen, leisteten die Angestellten im Dorf Hilfe. «Weil wir keine Schäden hatten, hat unsere Waschmaschine noch funktioniert. Wir haben die Wäsche der Nachbarn gewaschen. Ausserdem haben wir Essen aus unserem Lager verschenkt.»

Viele Spenden eingegangen

Die Hilfe für den gebeutelten Ort kommt jedoch nicht nur von den Einwohnern selbst. Wie viel Geld auf dem Spendenkonto eingetroffen ist, konnte Gemeindepräsident Ueli Gfeller nicht sagen. «Doch der Betrag ist hoch. Wir freuen uns über die grosse Solidarität, viele Spenden kommen von Privaten», weiss Gfeller. «Wir haben uns entschieden, mit dem Geld nicht nur in Schangnau zu helfen. Auch weitere vom Hochwasser betroffene Gemeinden im Emmental sollen unterstützt werden.»