Brandkatastrophe mit 6 Toten

26. November 2018 13:09; Akt: 26.11.2018 16:23 Print

Das ist der Held von Solothurn

Abdul Karem (21) rettete ein Kleinkind aus der Brandkatastrophe von Solothurn. Sechs Menschen verloren in den Flammen ihr Leben.

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Bei einem Brand in Solothurn starben am Montag, 26. November, sechs Menschen. Abdul Karem (21), der Bewohner eines Nachbarhauses, rettete in dieser Nacht ein Baby. Eine Nachbarin klingelte um 2 Uhr morgens bei ihm. Er sah, wie eine Frau im brennenden Haus ein Kind heraushielt. «Ich ging sofort nach draussen und schaffte es knapp, das Baby aufzufangen», sagt er. Unter den Todesopfern sind auch Kinder. Ein Hausbewohner bemerkte gegen 2.10 Uhr Rauch im Treppenhaus. Umgehend wurde ein Grossaufgebot ausgelöst. In dem Gebäude befanden sich über 20 Personen, die grösstenteils mit Hilfe der Feuerwehr aus dem Haus gebracht wurden. Der Brand ereignete sich in einem Haus an der Wengistrasse in Solothurn. Polizisten vor Ort. Das Haus nach dem Brand. Blumen werden am Ort des Geschehens deponiert. Der Eingang ist abgesperrt. Während des Brands seien gemäss einem Anwohner einige seiner Nachbarn in Panik ausgebrochen. «Ich habe gehört, dass einige Menschen aus dem Fenster gesprungen sind», erzählt der Mann weiter. Nachbar A.K.* sagt: «Ich bin erschüttert und völlig durch den Wind. Es sind alles gute Nachbarn. Ich kaufe noch heute Blumen und lege sie vor dem Haus nieder.» Was zum Brand geführt hat, ist noch unklar. Die Polizei ermittelt vor Ort. Die Flammen konnten zwar rasch gelöscht werden... ...viel problematischer war jedoch gemäss der Kantonspolizei Solothurn die starke Rauchentwicklung. Der Besitzer des Kiosk um die Ecke kannte die Opfer: «Es waren ganz nette Leute.» Eine Luftaufnahme des Mehrfamilienhauses. Nach ersten Erkenntnissen entstand der Brand in einem der unteren Stockwerke. Dort entstand daraufhin eine starke Rauchentwicklung.

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Mitten in der Nacht wurden die Bewohner an der Wengistrasse in Solothurn aus dem Schlaf gerissen. Es war lärmig und stank nach Rauch. «Zuerst dachte ich, es sei unglaublich neblig, bis ich dann das Blaulicht gesehen und die Sirenen gehört habe», schildert ein Nachbar die Situation. Starker Rauch drang aus dem Nachbarhaus. «Darin haben Menschen geschrien», schildert der Zeuge. Er hat mitbekommen, dass ein Kind reanimiert werden musste. «Das war das Krasseste.»

Ein weiterer Anwohner beschreibt, wie er und seine Partnerin aus dem Haus evakuiert wurden. «Mir war schon ein wenig mulmig zumute.» Einige seiner Nachbarn seien in Panik ausgebrochen. «Ich habe gehört, dass einige Menschen aus dem Fenster gesprungen sind», erzählt der Mann weiter.

«Habe gedacht, dass es sich um einen Streit handelt»

Auch Nachbar Daniel Gsell hat die Schreie gehört. «Ich habe Kinder weinen und Erwachsene schreien gehört», erinnert er sich. «Zuerst habe ich gedacht, dass es sich um einen Streit handelt.» Doch dann seien die Schreie plötzlich verstummt. Als auch er aus seiner Wohnung evakuiert worden sei, habe er gesehen, wie die Rettungssanitäter versuchten, die Opfer zu reanimieren – vergeblich. Gsell: «Es ist tragisch, dass man sie nicht mehr retten konnte.»


Nachbar Daniel Gsell erzählt, wie er die Nacht erlebte. (Video: 20M).

Retter Abdul Karem: «Schaffte es knapp, das Kind zu fangen»

Abdul Karem (21), Bewohner des Nachbarhauses, wurde in dieser Nacht zum Helden: «Eine Nachbarin klingelte bei mir morgens um 2 Uhr. Als ich rausschaute, sah ich eine Frau, die im vierten Stock am Fenster stand und ihr Kind raushielt.» Sie sei drauf und dran gewesen, das Kind fallen zu lassen, um es vor den Flammen zu retten. «Ich ging sofort nach draussen und schaffte es knapp, das Kleinkind aufzufangen.» Der Bub habe daraufhin erbrechen müssen. Ob seine Mutter noch lebt, weiss Lebensretter Karem nicht.

Ein weiterer Nachbar, A. K.*, sagt: «Ich bin erschüttert und völlig durch den Wind.» Er sei um 4 Uhr aufgewacht und habe die aufgebahrten, bedeckten Todesopfer gesehen. «Es waren alles gute Nachbarn. Ich kaufe noch heute Blumen und lege sie vor dem Haus nieder.»

Kioskbesitzer: «Es waren ganz nette Leute»

Der Besitzer des Kioskes um die Ecke kannte die Opfer: «Es waren ganz nette Leute.» Sie hätten oft bei ihm eingekauft. Er erzählt, dass es sich bei den Bewohnern des Hauses vor allem um Asylsuchende handelt.

Anwohner berichten über Brand in Solothurn

Stadtpräsident Fluri: «Rauch war das Problem»

Der Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri (FDP) sagt, er sei tief betroffen. «Es tut mir furchtbar leid. Ich bin bei den Angehörigen und hoffe, dass die Verletzten schnell gesund werden», sagt er. Eigentlich habe es sich um einen kleineren Brand gehandelt. «Der Rauch war das Problem. Ihm konnte man nicht entkommen», sagt Fluri. «Einige sind offenbar aus dem Fenster gesprungen.»

Als er vom Kommandanten der Feuerwehr informiert worden sei und sich um fünf Uhr morgens ein Bild vor Ort gemacht habe, seien die Verletzten schon abtransportiert gewesen und die Leichname im Zelt aufgebahrt gewesen. «Ein solcher Anblick tut weh», sagt Fluri.

Beim Brand sind sechs Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern sind auch Kinder, wie die Kantonspolizei Solothurn mitteilte.


Eine Angestellte der Post war früh morgens vor Ort. (Video: 20M)

*Name der Redaktion bekannt.

(bz/nzy/rab/woz)