Miss-Bern-Wahl

14. Mai 2018 05:50; Akt: 14.05.2018 18:27 Print

Die meisten Models entdeckte er in der Stadt

Seit bald 30 Jahren gibt es die Miss-Bern-Wahl. Organisator Erminio Concari sagt, wieso diese Wahl überlebt hat und in Zeiten von GNTM oder Elite Model Look immer noch aktuell ist.

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Miss-Wahlen sind vielen Feministinnen ein Dorn im Auge: Sie seien nicht mehr zeitgemäss und transportierten ein falsches Frauenbild. Auch Sponsoren sind immer schwieriger zu finden – deshalb musste auch die Miss-Schweiz-Wahl zwei Jahre aussetzen.

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Doch eine kleine Miss-Wahl konnte drei Jahrzehnte überleben: In Bern wird seit 1990 ein Krönchen verliehen, demnächst wieder am 2. Juni. Organisatoren sind Erminio Concari und sein Sohn Valerio Concari vom Coiffuresalon Dreamhair. Sie haben die Durchführungsrechte 2007 von der Gründerin Sandra Faller übernommen.

«Die Miss-Bern-Wahl soll in Zukunft eine Familienangelegenheit bleiben», sagt Erminio Concari, «denn es braucht Fachwissen, um die richtigen Mädchen zu finden, und ein Netzwerk, um mit den richtigen Leuten zusammenzuarbeiten.»

Von Bern an Miss-Universe-Wahl

Concari hält die Wahl immer noch für zeitgemäss. «Wenn eine junge Frau eine Modelkarriere starten will, ist so eine Miss-Wahl ein guter Anfang», sagt er. Alina Buchschacher war zum Beispiel Miss Bern, dann wurde sie 2011 Miss Schweiz und nahm an der Miss-Universe-Wahl teil, wo sie die Top 10 erreichte. «Sie konnte dann einige Jahre modeln und davon leben», erzählt Erminio Concari. Auch andere Bernerinnen konnte er schon nach Paris und Mailand vermitteln, damit sie in Shows laufen konnten.

Auch gerade in Zeiten von Germanys Next Topmodel (GNTM) oder Elite Model Look sei eine Miss-Wahl trotzdem noch aktuell: «Es geht immer um den Traum vom Modeln. Irgendwo muss man beginnen, zum Beispiel mit einer Show oder einem Missen-Titel.»

Schöne Berner Meitschi

Hauptsächlich würden die Berner Missen keine internationle Karriere anstreben, sondern in ihrem Amtsjahr als Fotomodelle für die Sponsoren wie PKZ oder Ciolina oder als Hostessen an Anlässen arbeiten. Warum der Berner Wahl nie die Sponsoren ausgegangen sind, dafür hat Concari eine Erklärung: «Eine Miss Bern muss natürlich hübsch sein und Stil haben, aber sie ist vor allem eines: sympathisch.» Hier gebe es einfach «soviele schöne Berner Meitschi mit einer super Ausstrahlung».

Dennoch achte er darauf, dass die Kandidatinnen Model-Potential haben. «Ich bin Model-Scout mit Leib und Seele, ich sehe sofort, wenn eine junge Frau das gewisse Etwas hat. Es ist nicht nur die Figur, sondern auch, wie sie sich bewegt und was sie für eine Ausstrahlung hat.» Viele Models habe er auf Berns Strassen entdeckt. «Ich gehe mit offenen Augen durch die Stadt und spreche die potentiellen Kandidatinnen sofort an.»

Sechs erlebnisreiche Monate

Concari glaubt, dass die Kandidatinnen, die an der Wahl teilnehmen, auch viel profitieren. «Ein halbes Jahr lang bekommen sie Training, wie man läuft, wie man sich schminkt oder wie man sich frisiert und kleidet.» Auch lernten sie gesellschaftliche Regeln und würden spannende Leute kennen lernen und damit ihr Netzwerk erweitern, auf das sie später vielleicht einmal zurückgreifen können.

Wenn dann bei der Wahl aber eine weine, die leider nicht erste wurde, tue ihm das schon sehr leid, sagt Erminio Concari. «Sie rechnen vielleicht damit, dass sie gewinnen könnten, und dann sind sie enttäuscht. Aber ein paar Tage nach der Wahl sagen ausnahmslos alle, dass es die tollste Erfahrung ihres Lebens war – auch wenn sie nicht gewonnen haben.»

Die Emotionen am Wahl-Abend seien das Schöne an der Wahl. «Und es ist einfach auch etwas Feminines, etwas Schönes. Ich bin Italiener, wir leben mit Mode und geniessen die Schönheit des Lebens.»

(ct)