Motion in Berner Grossrat

15. Februar 2019 12:52; Akt: 15.02.2019 12:52 Print

«Es gibt keinen Kampf der Geschlechter mehr»

Mittels Motion wollen EDU- und SVP-Politikerinnen erreichen, dass es künftig keine kantonale Fachstelle für Gleichstellung mehr gibt. Der Regierungsrat hält dagegen.

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Die Gleichstellung von Mann und Frau ist ein Thema, das in der Schweiz jeweils kontrovers diskutiert wird. Für den 14. Juni rufen die Gewerkschaften im Service Public nach 1991 sogar zu einem zweiten schweizweiten Frauenstreik auf. Bei der letzten Ausgabe demonstrierten mehrere Hunderttausend Frauen für mehr Gleichberechtigung. Diese Gleichberechtigung sei bereits längst vorhanden, meint eine Gruppe rechtsbürgerlicher Politikerinnen im Berner Grossen Rat. «Im Gegensatz zu unseren Müttern und Grossmüttern kennt die junge Generation heute keinen ‹Kampf der Geschlechter› mehr», meint die Gruppe um Sandra Schneider (SVP) und will die kantonale Fachstelle für Gleichberechtigung abschaffen. Der Berner Regierungsrat gibt der Motion jedoch eine Abfuhr. Die Gleichberechtigung sei in der Bundesverfassung zwar verankert, und in vielen Bereichen seien durchaus Verbesserungen erzielt worden. Andernorts hapere es aber immer noch gewaltig. (Archivbild) Laut dem Bund sind 40 Prozent der Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau nicht durch objektive Faktoren erklärbar. Und auch im bernischen Grossen Rat sind Frauen mit 57 zu 103 deutlich untervertreten. Der Regierungsrat sieht weiterhin Handlungsbedarf bei der Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau. Die Fachstelle für Gleichberechtigung leiste mit «bescheidenen Mitteln einen wirkungsvollen Beitrag» zur Erreichung tatsächlicher Gleichstellung im Kanton Bern, erklärt die Regierung. Das letzte Wort hat nun der Grosse Rat.

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Die Gleichstellung von Mann und Frau ist ein Thema, das in der Schweiz jeweils kontrovers diskutiert wird. Eine Studie des Bundesamtes für Statistik (BFS) für das Jahr 2016 besagt, dass Frauen deutlich weniger verdienen als Männer. Durchschnittlich bis zu 20 Prozent weniger. Für den 14. Juni rufen die Gewerkschaften im Service Public nach 1991 sogar zu einem zweiten schweizweiten Frauenstreik auf. Bei der letzten Ausgabe demonstrierten mehrere Hunderttausend Frauen für mehr Gleichberechtigung.

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Diese Gleichberechtigung sei bereits längst vorhanden, meint eine Gruppe rechtsbürgerlicher Politikerinnen im Berner Grossen Rat. «Im Gegensatz zu unseren Müttern und Grossmüttern kennt die junge Generation heute keinen ‹Kampf der Geschlechter› mehr», meint die Gruppe um Sandra Schneider (SVP), wie die «Berner Zeitung» schreibt.

Die Forderung der SVP- und EDU-Politikerinnen: Die kantonale Fachstelle für Gleichberechtigung soll abgeschaffen werden, denn: «Auf den Weltfrauentag angesprochen, sagen viele junge Frauen, dass sie sich gegenüber Männern nicht benachteiligt fühlen.»

Der Berner Regierungsrat gibt der Motion jedoch eine Abfuhr. Die Gleichberechtigung sei in der Bundesverfassung zwar verankert, und in vielen Bereichen seien durchaus Verbesserungen erzielt worden. Andernorts hapere es aber immer noch gewaltig.

So seien die Karrierechancen und Lohnentwicklung von Männern und Frauen immer noch unterschiedlich. Bei den Arbeitnehmern mit Vorgesetztenfunktion beträgt der Frauenanteil zum Beispiel 35 Prozent.

Laut dem Bund sind 40 Prozent der Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau nicht durch objektive Faktoren erklärbar. Und auch im bernischen Grossen Rat sind Frauen mit 57 zu 103 deutlich untervertreten.

Der Regierungsrat sieht weiterhin Handlungsbedarf bei der Förderung der Gleichstellung von Mann und Frau. Die Fachstelle für Gleichberechtigung leiste mit «bescheidenen Mitteln einen wirkungsvollen Beitrag» zur Erreichung tatsächlicher Gleichstellung im Kanton Bern, erklärt die Regierung. Das letzte Wort hat nun der Grosse Rat.

(bho)