Leid in Schangnau

29. Juli 2014 15:50; Akt: 30.07.2014 11:04 Print

«Es ist die Solidarität, die uns trägt»

von Sonja Mühlemann - In Schangnau kommen die Einwohner langsam ans Ende ihrer Kräfte: Die Schäden der zwei Unwetter sind riesig. Doch die Leute halten zusammen, erzählt Gemeindepräsident Ueli Gfeller.

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Ein Jahr nach dem Hochwasser können Käthi und Fritz Stellter wieder in ihrem Haus wohnen und kochen. Auch der neue Stall wartet bereits auf die Hühnerschar, die im August einziehen wird. Diese Brücke wurde während der Überschwemmung vor einem Jahr unterspült. Nun wird sie angehoben. Die Arbeiten dauern immer noch an. Die Gemeinde Schangnau wurde am Donnerstagmorgen, 24. Juli 2014, von einem schlimmen Unwetter heimgesucht. Die Schäden sind immens. Die Gemeinde Schangnau hat hierfür ein Konto mit dem Vermerk «Unwetterschäden» eingerichtet. Das Careteam und die Sanität am 23. Juli 2014 auf dem Weg in den abgeschnittenen Kemmeriboden in Schangnau BE. Eine Flugaufnahme von Schangnau BE. Verschiedenste Höfe standen unter Wasser. Die Landwirte Lukas (links) und Fritz Stettler vor ihrem Hof. Das Hochwasser stand im Wohnzimmer und der Küche über einen Meter hoch. Die Emme und der Dorfbach traten über die Ufer. Hänge kamen ins Rutschen, Autos und eine ganze Brücke wurden weggespült, Personen mussten von der Rega evakuiert werden. Die Feuerwehr arbeitet unter Hochdruck. Das Ausmass des Schadens sei aber bereits immens, sagt der Gemeindepräsident von Schangnau, Ueli Gfeller. Die Bewohner warnen sich gegenseitig vor den Fluten. Ein Mann hat seine Frau per Handy angerufen: «Schatz, die Emme kommt wie eine Wand daher, du musst sofort aus dem Haus.» Auch Bäume wurden von den Fluten mitgerissen. Hier sieht man, wie die die Emme in Schangnau über die Ufer tritt. Auch im nahegelegenen Eggiwil BE strömt das Hochwasser auf die umliegenden Wiesen. Das Wasser floss ungehindert über die Äcker und ins Wohngebiet. Autos konnten die überfluteten Strassen kaum mehr befahren. «Einfach nur Wahnsinn», schreibt eine Leser-Reporterin, die dieses Bild vom Hochwasser geschossen hat. Überall strömte das Wasser auf die Strassen. Auch in Biberist im Kanton Solothurn herrschte Hochwasser. «Seit heute Mittag geht das so. Es ist unglaublich und noch nicht vorbei», schrieb eine Leser-Reporterin am 23. Juli 2014.

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Worunter leiden die Schangnauer aktuell am meisten?
Die Schäden an den Gebäuden sind immens: Bei etwa zehn Häusern muss der erste Stock wohl komplett saniert werden, da sich die Wände zu sehr mit Nässe vollgesogen haben. Sie können nicht mehr getrocknet werden.

Wie gehen die Betroffenen mit der belastenden Situation um?

Sie müssen sich ihre Kräfte einteilen, wir sind daher sehr froh um die professionelle Betreuung durch die Careteams. Die Leute wollen trotz der zerstörten Wohnungen bleiben – sie sind in die oberen Stockwerke gezogen, dort können sie kochen und kommen einigermassen über die Runden. Oder sie können vorübergehend bei Nachbarn oder Verwandten wohnen.

Und wie wirkt sich die Situation auf die Dorfgemeinschaft aus?
Wir halten zusammen: Jeder kennt hier jeden. Dieser Gemeinschaftssinn wird durch das Unglück sicher weiter gestärkt, das gemeinsam getragene Leid schweisst uns zusammen.

Werden nicht einige Leute wegziehen? Bereits vor zwei Jahren wurde das Gebiet von einem Hochwasser überschwemmt.
Sicher nicht. Wir sind hier zu Hause und lieben unsere Heimat. Die Verwurzelung mit dem Ort ist sehr stark – da muss mehr kommen als Hochwasser, damit wir gehen. Aber klar: Diese schlimmen Erlebnisse kann man nicht einfach vergessen. Eine Bäuerin hat mir erzählt, dass die Angst bei jedem Regenfall wieder einsetzt. Dies prägt einen Menschen.

Was hilft der Bevölkerung dabei, die Situation durchzustehen?
Es ist klar die Solidarität, die uns trägt. Wir spüren grosse Anteilnahme im Emmental und im Kanton Bern. Die Solidarität aus dem ganzen Land gibt uns Kraft. Es ist ein grosses Glück, dass niemand beim Unwetter sein Leben verloren hat – wir müssen jetzt zusammen vorwärtsschauen.

Wer die Bevölkerung im Schangnau beim Wiederaufbau finanziell unterstützen möchte, kann dies via Spendenkonto tun:

Kontonummer: CH73 0630 0020 0030 1541 0
Vermerk: Unwetterschäden

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Monika Z. am 29.07.2014 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind sie.......

    ........ all die sammelwütigen Organisationen? Warum wird hier für die so hart Betroffenen nicht ein Sammeltag ins Leben gerufen? Fürs Ausland wäre der Spendenmaraton bereits längst am laufen und Millionen gescheffelt!! In diesem Fall gebe ich gerne eine Spende ab! Aber direkt .........

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  • Marco Müller am 29.07.2014 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer helfen sich gegenseitig

    Schön stehen die Schweizer in so einer Notsituation zusammen und helfen sich gegeseitig. Vom Bundesrat, von der Regierung oder auch vom EU-Ausland können wir keine Hilfe erwarten.

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  • Josephine am 29.07.2014 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso geht der BR nicht helfen?????

    Ich hätte jetzt vom BR erwartet, dass er hingeht, mit Gummistiefel und Regelnmantel mithilft den Schlamm wegzuräumen oder zumindest vor Ort fragt wie es den Menschen geht und ob sie weitere Hilfe brauchen. Aber Schneider-Ammann war der erste der mit einer billigen Ansprache den Bewohner Mut zusprach. Zu faul sich die Finger schmutzig zu machen. Was für lausige und herzlose Menschen wir in der Regierung haben. Wenn es um Auslandhilfe geht dann ist der BR der erste der hunderte Millionen Fr. spendet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • srmmm am 30.07.2014 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    spenden

    schweiz hat genug geld für die schaden

  • Donna M. am 30.07.2014 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spenden

    Die Glückskette hätte vorderhand sehr schnell helfen können. Es gibt mir echt zu denken, dass wenn es um das Ausland geht sofort ein Spendenaufruf gemacht wird. Doch geht es um die Schweiz hört man nichts von der Organisation.

  • Marco E. am 30.07.2014 18:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ach die Europa

    Wo sind jetzt die Europäer ...? Die Schweizer gehen doch immer helfen .. oder nicht ?

    • Micha am 30.07.2014 21:04 Report Diesen Beitrag melden

      Hilfe aus Europa...

      Ein Blick über den Tellerrand würde helfen. Nicht nur die Schweiz ist von den Regenfällen betroffen. Und die Schweiz, Deutschland und anderen hochtechnisierten Länder gehen immer dann ins Ausland helfen, wenn die sich nicht mehr selbst helfen können. Und das ist hier wohl kaum der Fall, oder?

    • Jorge am 30.07.2014 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wo warst

      DU das letzte Mal am helfen?

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  • Mike am 30.07.2014 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopf hoch

    Ich finds tragisch, dass man aus dieser Katastrophe ein Politikum macht. Armee, Zivilschutz, Glückskette usw. Den Leuten in Schangnau und den anderen betroffenen Gebieten gehts besch... Hört auf darüber zu streiten. Wünsche den Betroffenen alles Gute und hoffe, dass sie bald wieder ihren Alltag zurückkehren können.

  • Kurt G. am 30.07.2014 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wo bleibt die Hilfe der Armee ?

    Wir hätten ja auch (noch) eine bestens ausgerüstete Armee !! Ich habe bis jetzt auf keinen Fotos Hilfeleistungen von dieser Seite gesehen .... Als ich in der UO war, wurden wir spontan aufgeboten zum Aufräumen im Eriz nach einem Hochwasser ..

    • Sweden am 30.07.2014 21:11 Report Diesen Beitrag melden

      bereits vor Ort

      sie sind bereits daran...

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