Schangnau unter Wasser

24. Juli 2014 11:17; Akt: 24.07.2014 23:38 Print

«Es wird erneut zu Erdrutschen kommen»

Im Emmental ist es am Donnerstag zu Überschwemmungen gekommen. Entwarnung gibt es keine: Auch in den nächsten Tagen könnte der Regen zu überfluteten Kellern und Erdrutschen führen.

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Ein Jahr nach dem Hochwasser können Käthi und Fritz Stellter wieder in ihrem Haus wohnen und kochen. Auch der neue Stall wartet bereits auf die Hühnerschar, die im August einziehen wird. Diese Brücke wurde während der Überschwemmung vor einem Jahr unterspült. Nun wird sie angehoben. Die Arbeiten dauern immer noch an. Die Gemeinde Schangnau wurde am Donnerstagmorgen, 24. Juli 2014, von einem schlimmen Unwetter heimgesucht. Die Schäden sind immens. Die Gemeinde Schangnau hat hierfür ein Konto mit dem Vermerk «Unwetterschäden» eingerichtet. Das Careteam und die Sanität am 23. Juli 2014 auf dem Weg in den abgeschnittenen Kemmeriboden in Schangnau BE. Eine Flugaufnahme von Schangnau BE. Verschiedenste Höfe standen unter Wasser. Die Landwirte Lukas (links) und Fritz Stettler vor ihrem Hof. Das Hochwasser stand im Wohnzimmer und der Küche über einen Meter hoch. Die Emme und der Dorfbach traten über die Ufer. Hänge kamen ins Rutschen, Autos und eine ganze Brücke wurden weggespült, Personen mussten von der Rega evakuiert werden. Die Feuerwehr arbeitet unter Hochdruck. Das Ausmass des Schadens sei aber bereits immens, sagt der Gemeindepräsident von Schangnau, Ueli Gfeller. Die Bewohner warnen sich gegenseitig vor den Fluten. Ein Mann hat seine Frau per Handy angerufen: «Schatz, die Emme kommt wie eine Wand daher, du musst sofort aus dem Haus.» Auch Bäume wurden von den Fluten mitgerissen. Hier sieht man, wie die die Emme in Schangnau über die Ufer tritt. Auch im nahegelegenen Eggiwil BE strömt das Hochwasser auf die umliegenden Wiesen. Das Wasser floss ungehindert über die Äcker und ins Wohngebiet. Autos konnten die überfluteten Strassen kaum mehr befahren. «Einfach nur Wahnsinn», schreibt eine Leser-Reporterin, die dieses Bild vom Hochwasser geschossen hat. Überall strömte das Wasser auf die Strassen. Auch in Biberist im Kanton Solothurn herrschte Hochwasser. «Seit heute Mittag geht das so. Es ist unglaublich und noch nicht vorbei», schrieb eine Leser-Reporterin am 23. Juli 2014.

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Die Gemeinde Schangnau im Kanton Bern stand unter Wasser. Der Dorfbach und die Emme sind am Donnerstag über die Ufer getreten, Keller waren überflutet, Autos lagen auf dem Dach. Auch ein Traktoranhänger hat das Wasser umgekippt. Überall lagen Heuballen und Geröll. Die historische Brücke zu Rosegg wurde weggerissen – die Armee installiert eine Notbrücke. Eine Person war auf dem Hof vom Wasser eingeschlossen und musste mit der Rega evakuiert werden, wie Regierungsstatthalter Markus Grossenbacher sagt.

Auch Leser-Reporter Ramon Haas, der in Schangnau wohnt, ist schockiert: «Das ist ein Jahrhundertunwetter, so schlimm war es noch nie.» Er hat recht: Laut der SRF-Sendung «Info 3» kommt es nur alle 300 Jahre zu einem derartigen Hochwasser, wie es derzeit in Schangnau herrscht.

Viele müssen nun von der BKW mit zwei Notstromaggregaten versorgt werden, sagt Ueli Gfeller, Gemeindepräsident von Schangnau. Derzeit wird die Emme ausgebaggert. Die Bevölkerung zeige sich sehr solidarisch. Die Leute wollen bleiben, auch wenn die unteren Stockwerke voller Schlamm und teils zerstört seien.

Das Hotel Kemmeriboden war von der Umwelt abgeschnitten, ein Care-Team und die Sanität waren vor Ort.

Die Emme führt Unmengen von Wasser
(Video: Leser-Reporter)

«Die Schäden sind immens», so Gfeller. «In diesen Tagen wollten wir die Aufräumarbeiten von 2012 abschliessen.» Schon 2008 und 2012 gab es schlimme Überschwemmungen, diese heute seien jedoch doppelt so schlimm. Auch Grossenbacher bestätigt: «Es wird lange dauern, bis alles aufgeräumt ist.»

Auch im nahe gelegenen Eggiwil war die Emme über die Ufer getreten. Bei der Messstation Heidbühl in Eggiwil flossen laut der Nachrichtenagentur SDA bis zu 277 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, wie ein Blick auf die Messwerte auf der Website des Bundesamtes für Umwelt zeigt. Auch dort wurde eine Brücke weggerissen.

(Video: Leser-Reporter)

Die Flut hat offenbar Biberist im Kanton Solothurn erreicht:
(Video: Leser-Reporter)

Mehr Gewitter und viel Niederschlag werden erwartet

Und Entwarnung gibt es keine: Auch «in den nächsten Tagen kann es jederzeit wieder Schauer und Gewitter geben», sagt Cédric Sütterlin von Meteonews. Bereits heute Nachmittag könnte es erneut regnen. Auch für morgen Freitag werden Gewitter erwartet, mehrheitlich in den Bergen, aber das Emmental liegt laut dem Meteorologen direkt in der Zugbahn des Unwetters.

Für die Hochwassersituation allgemein sieht es nicht besonders gut aus: Obwohl es bis Samstag im Flachland mehrheitlich trocken bleibe, ziehe spätestens am Montag wieder eine Kaltfront auf, die einmal mehr viel Niederschlag bringe. «Es wird wohl erneut zu Erdrutschen und überfluteten Kellern kommen», so Sütterlin. Die Situation sei derzeit extrem: In Interlaken habe es heute Morgen zwischen fünf und acht Uhr 27 Liter geregnet. «Das ist viel, zu viel.»

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(pat/smü/tab)