Berner Forscherin

21. Januar 2019 17:43; Akt: 21.01.2019 17:43 Print

«Für mich sind Musks Mars-Pläne Buebeträumli»

Tesla-Milliärdär Elon Musk hat angekündigt, ab 2024 einen bemannten Flug auf den Mars zu schicken. Für die Berner Astrophysikerin Kathrin Altwegg ist dies nur heisse Luft.

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Elon Musk ist eine schillernde Persönlichkeit. Bekannt geworden ist der Milliardär und erfolgreiche Unternehmer vor allem durch die Elektroautos von Tesla. Mit SpaceX hat er nun Grosses vor: Ab 2025 soll es möglich sein, bemannte Flüge auf den Mars anzubieten. Eine, die über diese Pläne nur den Kopf schütteln kann, ist die Berner Astrophysikerin Kathrin Altwegg: «Meiner Meinung nach ist es unethisch, andere Leute ins Verderben zu schicken.» An einer Podiumsdiskussion über Leben auf dem Mars sei ihr bewusst geworde, wie wenig die Leute über die Schwierigkeiten einer Mars-Reise wissen.Grundsätzlich sei es nicht unmöglich, den Mars zu kolonisieren, aber. «Sicher nicht in sechs Jahren, nicht in 20. Vielleicht in 200.» Deshalb halte sie nichts von Musks Plänen: «Für mich sind das Buebeträumli.» Im Interview mit dem «Beobachter» erklärt die Spezialistin die Tücken von Musks Vorhaben: «Die kosmische Strahlung im Weltall wirkt ähnlich wie Radioaktivität. Ein Weg zum Mars entspricht 60 Prozent der für Menschen tödlichen Dosis.» Auch ein Magnetfeld um das Raumschiff sei keine Lösung:«Ein Magnetfeld um eine Raumsonde benötigt unglaublich viel Energie und Gewicht.» Dass sich heutzutage immer mehr Milliardäre in der Raumfahrt engagieren, kommt für Altwegg nicht überraschend. «Tech-Milliardäre wollen sich auch in diesen Bereichen verewigen.» Menschen hätten immer schon erobern und neue Länder entdecken wollen. Obwohl das Vermögen von Elon Musk auf rund 20 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, zweifelt Altwegg an dessen Mitteln für den Mars-Flug. Vergleichsweise kleine Marsexpeditionen würden bereits mehrere Milliarden Franken kosten. «Und jetzt rechnen Sie sich aus, was es kosten würde, Menschen hoch- und wieder zurückzubringen.» «Die Mondlandung kostete der NASA kostete damals etwa 30 Milliarden. Beim Musk müsste man mindestens mit Faktor 10 rechnen, also 300 Milliarden Franken», so Altwegg. Nebst dem finanziellen Problem sieht Altwegg auch in der Infrastruktur eines: «Die SpaceX-Rakete von Musk hat bloss ein Fünftel der Leistung der ehemaligen Saturn-Rakete der Nasa. Das ist sehr wenig, wenn man bedenke, dass eine Reise zum Mond etwa zwei bis drei Tage dauere, und diejenige zum Mars 100 Tage.» Immer mehr Menschen sehen im Mars eine Alternative, falls die Erde in Zukunft unbewohnbar sein wird.«Dummes Geschwätz», findet die Astrophysikerin.«Besser wäre es, zur Erde Sorge zu tragen.» Was würde die Bernerin dem SpaceX-Chef sagen, wenn sie ihn treffen würde? «Er soll auf den Mars gehen, wenn er möchte. Aber meiner Meinung nach ist es unethisch, andere Leute ins Verderben zu schicken.» Was sich Kathrin Altwegg ebenfalls fragt: «Überall sind Roboter anzutreffen. Wieso aber arbeitet man ausgerechnet im Weltall mit Menschen? Ausgerechnet dort, wo wir am wenigsten Erfahrung haben.»

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Elon Musk ist eine schillernde Persönlichkeit und platzt fast vor Ideen. Mit SpaceX hat er nun Grosses vor: Ab etwa 2024 will Musk soweit sein, bemannte Flüge auf den Mars anzubieten.

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Die angesehene Berner Astrophysikerin Kathrin Altwegg kann über diese Pläne nur den Kopf schütteln. «Meiner Meinung nach ist es unethisch, andere Leute ins Verderben zu schicken», sagt sie. An einer Podiumsdiskussion über Leben auf dem Mars sei ihr bewusst geworden, wie wenig die Leute über die Schwierigkeiten einer Mars-Reise wissen: «Aufgrund des aktuellen Science-Fiction-Hypes sind die Leute verblendet.»

Grundsätzlich sei es nicht unmöglich, den Mars zu kolonisieren, «aber sicher nicht in sechs und nicht in 20 Jahren. Vielleicht in 200.» Deshalb hält Altwegg nichts von Musks Plänen: «Für mich sind das Buebeträumli.»

Strahlung wirkt ähnlich wie Radioaktivität

Im Interview mit dem «Beobachter» erklärt die Spezialistin die Tücken von Musks Vorhaben: «Die kosmische Strahlung im Weltall wirkt ähnlich wie Radioaktivität. Ein Weg zum Mars entspricht 60 Prozent der für Menschen tödlichen Dosis.» Gegenüber 20 Minuten präzisiert sie: «Pro Weg sind es 60 Prozent, das heisst für Hin- und Rückweg ist die tödliche Dosis bereits überschritten.» Auch ein künstliches Magnetfeld sei dafür keine Lösung: «Ein Magnetfeld um eine Raumsonde benötigt unglaublich viel Energie und Gewicht.»

Dass sich heutzutage immer mehr Milliardäre in der Raumfahrt engagieren, kommt für Altwegg nicht überraschend. «Tech-Milliardäre wollen sich auch in diesen Bereichen verewigen.» Menschen hätten immer schon erobern wollen und neue Länder zu entdecken. «Das ist eine zutiefst menschliche und wahrscheinlich männliche Eigenschaft.» Frauen seien biologisch etwas anders und eher die Bewahrenden.

«Würde mindestens 300 Milliarden Franken kosten»

Obwohl das Vermögen von Elon Musk auf rund 20 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, zweifelt Altwegg, ob er genug Mittel für den Mars-Flug hat. Bereits vergleichsweise kleine Marsexpeditionen würden mehrere Milliarden Franken kosten. «Und jetzt rechnen Sie sich aus, was es kosten würde, Menschen hoch- und wieder zurückzubringen.» Da der Weg zum Mars extrem viel Energie brauchen würde, wären die Kosten von Musks Experiment gigantisch. «Die Mondlandung der NASA kostete damals etwa 30 Milliarden. Musk müsste mindestens mit Faktor 10 rechnen, also 300 Milliarden Franken.»

Nebst der finanziellen Hürde sieht Altwegg auch in der Infrastruktur ein grosses Problem. «Die SpaceX-Rakete von Musk hat bloss einen Fünftel der Leistung der ehemaligen Saturn-Rakete der Nasa.» Das sei sehr wenig, wenn man bedenke, dass eine Reise zum Mond etwa zwei bis drei Tage dauere und diejenige zum Mars 100 Tage.»

Mars als Alternative zur unbewohnbaren Erde?

Immer mehr Menschen sehen im Mars eine Alternative, falls die Erde in Zukunft unbewohnbar sein wird.«Dummes Geschwätz», findet die Astrophysikerin.«Besser wäre es, zur Erde Sorge zu tragen.»

Was Kathrin Altwegg ebenfalls beunruhigt: «Überall sind Roboter anzutreffen. Wieso aber arbeitet man ausgerechnet im Weltall mit Menschen? Ausgerechnet dort, wo wir am wenigsten Erfahrung haben.»

(bho)