Kunst oder Vandalismus?

19. August 2018 13:42; Akt: 19.08.2018 17:48 Print

«Legalität macht Qualität von Graffitis besser»

Eine Graffiti-Liebhaberin hat für eine Sammlung alle Buchstaben des ABC in Graffiti-Form gesucht und fotografiert. Sie möchte, dass es mehr legale Wände für die Spayer gibt.

Tina Uhlmann über Graffiti. (bho)
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«Seit den 1980er-Jahren haben mich Graffiti und die Streetart-Szene fasziniert. Die Farbigkeit und das Handgemachte sind aussergewöhnlich.» Die Berner Journalistin Tina Uhlmann (50) ist seit Jahren unterwegs, um Buchstaben von A-Z in Graffitischrift in der Stadt Bern zu entdecken. Die Speziellsten erscheinen nun im «Graffiti-ABC» des Berner Verlags Sageundschreibe. Eine bunte Postkartensammlung von Zeichnungen aus Bern; 26 verschiedene Buchstaben, 26 verschiedene Stile, 26 verschiedene Geschichten.

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Was halten sie von Graffiti?

Die Idee sei gewesen, die Vielfalt der Graffiti zu zeigen. «Graffiti ist eine Kunstform», sagt sie. Es sollte mehr Möglichkeiten geben, dass die Sprayer mitgestalten könnten, sagt sie.

Ihr sei bewusst, dass die Meinungen über Graffiti weit auseinandergehen und viele Bürger negativ darüber denken. Auch während ihrer dreijährigen Arbeit fürs «Graffiti-ABC» habe sie diese Erfahrung gemacht: «Eine Person hat mir deutlich gesagt, dass meine Arbeit völlig daneben ist und hat mich angemotzt. Sie hat mir mitgeteilt, dass solche Schmiererien sofort verschwinden sollen und nicht noch fotografiert werden müssen.»

«Graffiti haben ihre Daseinsberechtigung»

«Mehr legale Orte zum Sprayen»

Der Illegalität von Graffiti sei sie sich durchaus bewusst. Ihrer Meinung nach sollte hier aber ein Umdenken stattfinden: «Es müssten eindeutig mehr legale Orte zum Sprayen geschaffen werden. Graffiti haben ihre Daseinsberechtigung in der Gesellschaft.» Künstler hätten ein Interesse, den öffentlichen Raum mitzugestalten. Die moderne Architektur sei vielen Sprayern zu langweilig.

Uhlmann betont, dass sie in Bern wohl auch Graffiti entdeckt hatte, welche eher Schmiererei als Kunst gewesen seien. Sie stellt die Taktik, Graffitis möglichst schnell zu übermalen, in Frage: «Gewisse Sprayer übermalten dann absichtlich sofort wieder die frisch gestrichenen Wände, wodurch ein Teufelskreis entsteht.»

«Legalität macht Qualität der Graffiti besser»

Graffiti, welche bloss der Provokation dienen würden, seien meistens ungenau und künstlerisch eher bescheiden. «In gewissen Ländern, zum Beispiel in Südamerika, werden Graffiti aktiv gefördert. Durch die Legalität und die höhere gesellschaftliche Akzeptanz wird die Qualität der Graffiti automatisch besser», so Uhlmann.

(bho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 19.08.2018 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grau macht depressiv

    Lieber Graffitis, statt graues Einerlei. Jede Kunstrichtung hat ihre Berechtigung, und in jeder Kunstform sind Dilettanten und Genies zu finden. Chapeau, Frau Ullmann, finde ich sehr gut, was Sie da gemacht haben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 19.08.2018 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grau macht depressiv

    Lieber Graffitis, statt graues Einerlei. Jede Kunstrichtung hat ihre Berechtigung, und in jeder Kunstform sind Dilettanten und Genies zu finden. Chapeau, Frau Ullmann, finde ich sehr gut, was Sie da gemacht haben.