Steuern vom Lohn abziehen

12. Juni 2019 19:55; Akt: 13.06.2019 00:51 Print

«Ich, damals 18-jährig, war völlig überfordert»

Politiker wollen, dass Steuern direkt vom Lohn abgezogen werden. Viele Leser würden diese Praxis begrüssen – sie waren wegen der Steuern schon in Nöten.

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Grossräte fordern im Kanton Bern, dass die Bevölkerung ihre Steuern künftig direkt vom Monatslohn abziehen lassen kann. Dies soll den Steuerzahler vor bösen Überraschungen schützen und den Kanton beim Eintreiben seiner Guthaben entlasten. Leser-Reaktionen auf den Bericht vom Dienstag zeigen: Diese Handhabung würde von etlichen Steuerzahlern begrüsst, sie wird sogar oft herbeigesehnt. Mehrere Leser berichten, wie sie aufgrund von Steuerschulden in eine finanzielle Not geraten sind.

Überfordert
Simone, Thurgau

«Ich, damals 18-jährig, begann die Berufsmaturität und war völlig überfordert mit den Steuern. Da ich auch nicht auf die Aufforderungen der Behörde reagierte, schätzte mich die Gemeinde schliesslich ein. Rund 3000 Franken Steuern musste ich so bezahlen und kam dann natürlich in einen Teufelskreis. Im Thurgau kann man sogar auf provisorische Steuerrechnungen betrieben werden. Weil ich erst im Februar des Folgejahres, als die nächste provisorische Steuerrechnung hereinflatterte, eine Stelle begann, war die Kacke bereits am dampfen. Erst nach fünf Jahren kam ich dann raus.

Wenn es eine Möglichkeit gäbe, die Steuern vom Lohn zu beziehen, würde ich das machen und zwar immer für das laufende Jahr und nicht für das vergangene.»

Arbeitslos
Reto, Bern

«Ich hatte Probleme in einem Job und habe gekündigt. Doch durch die plötzliche Arbeitslosigkeit hatte ich kein Geld mehr, um die Steuern zu bezahlen. Da die Steuern vom Vorjahr als Grundlage galten, wuchsen meine Steuerschulden schnell auf 16'500 Franken an. Erst jetzt, nach 3 Jahren, konnte ich die letzte Rate abbezahlen»

In Verzug
Gilles, Zürich

«Ich schenkte den Steuern lange Zeit keine grosse Beachtung und habe das Geld für Rechnungen, Krankenkasse etc. ausgegeben. Die Steuern waren mir völlig egal. Ich sagte mir immer, weshalb sollte ich nebst allen Dingen auch noch für die Gemeinde so viel Geld ausgeben müssen? So habe ich dann die Schlussrechnung erhalten und diese mit Mühe und Not auch bezahlt. Meist ging das nur mit Ratenzahlungen; der Zins wird da voll belastet.
Doch seit ich umgezogen bin mache ich einen monatlichen Dauerauftrag. Denn für mich ist klar: Vom Geld für die Steuerschuld habe ich sowieso nichts. Warum also wird unserem Salär die Steuerschuld nicht analog zur AHV/IV direkt abgezogen? Ich bin mir sicher, dass diese Praxis uns jungen Leuten weniger Ärger und Missmut bringen würde.»

Im Verzug
Bettina, Bern

«Ich hinke jedes Jahr mit dem Bezahlen meiner Steuern etwas hinterher. So beantrage ich jeweils eine Ratenzahlung. Wer soll denn schon daran denken, noch jeden Monat etwas von seinem Lohn für die Steuern auf die Seite zu legen? Es gibt schon so viele andere Ausgaben. Ausserdem muss man ja noch die Steuern vom letzten Jahr abzahlen.Wie soll man da noch Geld übrig haben, um es auf die Seite zu legen. Ein Kreislauf des Grauens!
PS: Und schafft endlich diese doofe Heiratsstrafe ab. Somit sind die verheirateten Paare noch mehr gestraft.»

Während die Leser von ihren finanziellen Nöten wegen der Steuerrechnung erzählen, wird das Thema des direkten Steuerabzugs vom Grossen Rat derzeit noch vertagt. Da das Thema als nicht dringlich angesehen wird, ist das Traktandum für spätere Sitzungen aufgeschoben worden.

(miw)