Bis zu 5 Stunden am Handy

14. August 2019 04:51; Akt: 14.08.2019 08:51 Print

«Ich finde, ich habe ein Problem»

Die 22-jährige Betül S. verbringt überdurchschnittlich viel Zeit am Handy. Den unkontrollierten Smartphone-Konsum bei Jugendlichen will das Blaue Kreuz mit einer App bekämpfen.

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Betül S.* verbringt täglich bis zu fünf Stunden mit ihrem Handy. «Ich schaue Serien, game viel, schreibe mit Freunden, bin auf den Sozialen Medien und lese Online-Artikel», sagt die 22-Jährige. Allzu oft sei ihr Online-Verhalten aber auch ziel- und wahllos. Die Folge: Familie und Freunde haben das Nachsehen. «Ich finde, ich habe ein Problem», sagt S.

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Um risikohaftem Handykonsum vorzubeugen, lanciert das Blaue Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg im Herbst ein neues Projekt für Oberstufenklassen. Eine Smartphone-App soll die ungenutzte Handyzeit der Jugendlichen messen und verhindern, dass sie wie S. ihr soziales Umfeld vernachlässigen.

Der Drang nach dem Handy ist zu gross

«Bei meiner neuen Arbeit als Pflegehelferin habe ich am Nachmittag drei Stunden Pause», erzählt S. Da sei sie fast ununterbrochen am Handy. Sie wisse, dass ihr Konsumverhalten problematisch sei – der Drang jedoch sei stärker. In der Freizeit würde sie seltener am Handy kleben, doch auch dort sei das Telefon ein wichtiger Teil ihres sozialen Lebens. «Meine Freunde sind auch ständig am Smartphone.» Dadurch werde sie beeinflusst. Bei gemeinsamen Treffen würde sie öfters das Handy hervor zücken.

«Ich war handysüchtig»

Früher sei ihr Konsumverhalten noch extremer gewesen: Als sie für eine Weile arbeitslos war, habe sie bis zu acht Stunden am Handy verbracht. «Ich hatte nichts zu tun, alle waren weg, mir war langweilig», erinnert sich S. Sie gesteht: «Ich war süchtig nach dem Handy.»

Obschon ihr Online-Konsum heute «nur» noch halb so gross ist, will S. diesen weiter senken. In der Arbeitspause stellt sie das Handy nun auf Flugmodus und liest ein Buch. Auch abseits des Arbeitsplatzes habe sie schon Fortschritte erzielt. «Ich bekomme inzwischen mehr von der Realität mit und die Gespräche mit meiner Familie sind intensiver».

Impulse kontrollieren und sensibilisieren

Zweieinhalb Stunden verbringen Jugendliche heute im Schnitt täglich mit dem Smartphone. Für Markus Wildermuth, stellvertretender Stellenleiter des Blauen Kreuzes Bern-Solothurn-Freiburg, ist das bedenklich. Die App solle die Schüler sensibilisieren und sie dabei unterstützen, ihre Impulse zu kontrollieren. Den Eltern könne sie zudem helfen, Handy-Regeln aufzustellen. «Die Kinder sollen Zeit gewinnen und Alternativen zum Handykonsum finden», sagt Wildermuth. Wenn das Projekt gut laufe, werde die App sicher öffentlich gemacht.

Die App für die Oberstufenschüler hält S. für eine gute Idee. «Hätte ich in diesem Alter eine solche gehabt, würde ich jetzt sicher weniger Stunden am Handy verbringen.»

* Name der Redaktion

(km)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • toni m. am 14.08.2019 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    kauft dir ein nokia 3310

    und dein probleme sind gelösst kein sucht, keine therapie, genisst die landschaft, genisst dein leben

    einklappen einklappen
  • Zvaka am 14.08.2019 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    w/ 19

    "Bei gemeinsamen Treffen würde sie öfters das Handy hervor zücken. " Bitte was?? Wo ist da nur der Respekt geblieben? Ist es wirklich SO schwer das Handy beiseite zu legen wenn man unter Freunden ist? Eine sehr traurige Gesellschaft.

  • Sandra am 14.08.2019 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Der erste Schritt ist das Realisieren das man ein Problem hat. Ich kenne sehr viele die es nicht einsehen wollen, dass sie abhängig sind.

Die neusten Leser-Kommentare

  • IronDi am 14.08.2019 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache in diese Ding starren!

    Ja normal, aber dafür haben viele angeblich keine Zeit für Sport, Natur, Freunde treffen, sich draussen bewegen und obendrauf noch blind durch die Welt laufen! Super oder!?

  • Köbeli Guggisbärg; Gochelimoos am 14.08.2019 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Und noch eine App

    und noch eine app und noch eine app und noch eine app und noch eine app und noch eine app. Oh du meine Güte, wo führt das denn noch hin.

  • Eva am 14.08.2019 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handy....

    Alles klar! Alles was zu viel ist, ist zu viel! Das kann der Alkohol sein , aber auch das Essen....und vieles mehr.... Und das Handy....! Am besten den Wecker stellen und das Handy nach einer Stunde in die Schublade oder in den Schrank... und erst nach eine längere Pause das gleiche Prozedere... (gibt es nichts anderes im Leben, das auch interessant wäre...?)

  • MannOhMann am 14.08.2019 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    besserung

    Einsicht ist der beste Weg zur besserung!

  • Mutter am 14.08.2019 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eltern tragen eine Mitschuld

    ich verstehe nicht wieso so viele Jugenlich überhaupt die Möglichkeit eines solchen verhalten haben. Wenn man bedenkt das ein Handyvertrag erst mit 18 abschgeschlossen werden kann, und die Sozialenmedien erst ab 16 erlaubt sind. Ich bin selber Mutter einer zwölf Jährigen und sie ist in ihrer Klasse eine der wenigen ohne Handy. Was ich nicht verstehe denn bei Bier und Zigaretten (hat auch Suchtpotential und ist ab 16) sind die meisten Eltern konsequenter.