Jagen liegt im Trend

04. Oktober 2019 04:44; Akt: 04.10.2019 08:52 Print

Warum diese Frau das Jagen liebt

In den letzten Jahren haben immer mehr Frauen, wie Vanessa Arni, Interesse am Jagen gezeigt. Unter anderem auch, als Protest gegen die Massentierhaltungsbetriebe.

Vanessa Arni (21) über wieso sie Jägerin werden will, die Klimabewegung und Vorurteile.
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Wildschwein-Ragout, Hirschrücken, Rehpfeffer: Die Wildsaison ist eröffnet und in allen Kantonen ist die Jagdsaison in vollem Gang. Auf die Pirsch gehen auch immer mehr Junge und immer mehr Frauen. «Vor 20 Jahren hatten wir noch Probleme junge Leute zu motivieren, heute nicht mehr», heisst es etwa beim Verband Revierjagd Solothurn. David Clavadetscher, Geschäftsführer von Jagd Schweiz, beobachtet den Trend in der gesamten Schweiz – und hat eine Erklärung dafür: «Die Jagd ist offener und moderner geworden» Er gehen davon aus, dass das Interesse für die Zusammenhänge in der Natur zugenommen habe und ein immer grösseres Interesse an biologischem Fleischkonsum bestehe.

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Jägerin aus Tradition

Die Frauenquote im Jagdsport liegt heute bei 12 Prozent – Tendenz steigend, wie Clavadetscher ausführt. Eine der jungen Debütantinnen ist die 21-jährige Vanessa Arni aus dem solothurnischen Oberramsern. Sie wird im Sommer 2020 den letzten Teil ihrer Jagdprüfung ablegen.«Ich bin mit der Jagd aufgewachsen», erzählt Arni, die derzeit auch ihren Jagdhund ausbildet. «Mein Vater und mein Grossvater jagen, es war schon immer klar, dass ich das auch machen will.»

«Sie dachten Jäger sind Tiermörder»

In ihrem engeren Umfeld hätte sie nie Probleme gehabt wegen ihrer Leidenschaft. Fremden gegenüber musste sie sich jedoch des Öfteren rechtfertigen. «Sie dachten, Jäger seien Tiermörder und würden nur wahllos herumschiessen», so Arni. Mit den meisten könne sie aber diskutieren und ihnen klar machen, dass diese Vorurteile altbacken seien.

Das Klimabewusstsein ihrer Generation ist auch bei Arni vorhanden. Die Jagd passe sehr gut zu einem klimabewussten Leben. «Jagdfleisch ist klimaschonend und kommt nicht aus einem umweltschädlichen Massentierhaltungsbetrieb», erklärt Arni. «Es ist regional und bio». Die meisten Jäger betrachteten ein Stück Wildfleisch als nachhaltiger als ein Stück Biofleisch aus dem Supermarkt.

«Ich wollte schon immer Jägerin werden»

Gegen die Industrialisierung der Nutztierhaltung

Auch Jägerverbände geben gegenüber 20 Minuten an, Nachwuchs zu gewinnen zu können, weil immer mehr Menschen ein Probleme mit dem Konsum von Fleisch aus Massentierhaltung hätten. So etwa der 48-jährige Stephan Henzi vom Jagdverein Breitenbach: «Ich bin Jäger geworden, weil der heutige Bezug zu der Tierhaltung nicht akzeptabel ist.» Die Industrialisierung der Nutztierhaltung in der Schweiz lehne der Jäger ab.

Der 26-jährige G. aus Bucheggberg SO teilt die selbe Meinung. Jagen sei ein ehrlicher Fleischkonsum: «Viele wissen nicht, was für ein Aufwand hinter dem Kotelett auf dem Teller steckt», erklärt der Jäger.

Jäger wie G. und Henzi konsumieren hauptsächlich das selber geschossene Fleisch. Nur zehn Prozent seines Fleisches sei nicht selber geschossen, so Henzi: «Ich bin kritisch beim Einkauf im Supermarkt.» Wenns kein Wild gebe, esse er nur Fleisch von Tieren, bei denen er wisse, wie sie gehalten wurden.

(km)