Worblaufen BE

05. April 2018 18:36; Akt: 06.04.2018 08:11 Print

Kein Puff in alter Post – wegen Anwohner-Protest

In Worblaufen war in einem Wohnquartier ein Bordell geplant. Die Anwohner reagierten erschrocken und wütend. Nun will die Bauherrin das Baugesuch zurückziehen.

Sehen Sie im Video, was die Worblaufener vom geplanten Puff halten. (Video: ber)
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Im ehemaligen Post-Gebäude mitten in einem Wohnquartier in Worblaufen sollte ein Bordell entstehen. Dies löste am dortigen Fischrainweg und in der nahen Wohnsiedlung eine Welle der Empörung aus, wie «Tele Bärn» berichtete. Anwohner gingen auf die Barrikaden: Sie wollten verhindern, dass bei der familiären Siedlung ein Sex-Schuppen entsteht. «Es ist ein Familienquartier, hier sind überall Kinder sowie eine Schule und ein Kindergarten», sagt der 20-jährige Nachbar Inti Murcia. Auch Gemeindepräsident Marco Rupp sagte: «Ich bin klar dagegen, dass dort ein Bordell entsteht. In einem Wohnquartier baut man auch keinen Industriebetrieb.»

Der Widerstand hat sich offenbar gelohnt – Initiantin Nadja B.* zieht die Reissleine: «Der Druck wurde zu gross, ich ziehe das Gesuch nun wieder zurück», sagt sie gegenüber 20 Minuten.

Bei den empörten Quartierbewohnern weiss man noch nichts von diesem Entscheid. So schmiedete man am Donnerstag noch Pläne, wie man den unliebsamen Nachbarn in spe das Leben schwer machen will: «Im Notfall hätte ich ein Gewehr. Damit könnte ich aufs Glasdach schiessen», drohte Anwohner Hans von Gunten (68) gar. Ausserdem müsse die Betreiberin damit rechnen, dass Gegenstände geflogen kämen – nicht von ihm, aber von anderen Nachbarn.

Angst vor Verkehr und Drogen

Böse Blicke hätten die Sex-Arbeiterinnen von Beatrice Blank geerntet. Die 81-Jährige gegenüber 20 Minuten: «Ich habe mir schon ausgemalt, wie ich dort durchspaziere und sie so anschaue, dass sie merken, dass sie nicht willkommen sind.» Und Anwohner Wolfgang Lang (78): «Am Anfang dachte ich, es sei ein Aprilscherz. Aber als ich begriff, dass es ernst gemeint ist, war ich einfach nur entrüstet.» Ursula Fretz (56) befürchtete, dass im Falle eines neuen Bordells nebst Mehrverkehr auch mit Drogen zu rechnen sei.

«Diskretion der Kundschaft nicht gewährleistet»

Über all die Anschuldigungen ist die Puff-Initiantin erstaunt: «Einen solches mediales Echo hätten wir niemals erwartet. Die Diskretion der Kundschaft ist nicht mehr gewährleistet, so hat es keinen Sinn.» Das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland hat bisher noch nicht bestätigt, dass das Baugesuch zurückgezogen wurde. So ist derzeit auch nicht bekannt, was im Gebäude der ehemaligen Post entstehen wird.

* Name der Redaktion bekannt


(ber)