Ärger über Gault-Millau-Eintrag

09. Oktober 2019 04:51; Akt: 09.10.2019 08:06 Print

«In diesem Zirkus habe ich nichts verloren»

Der Gasthof zur Linde in Wynigen BE hat es dieses Jahr erstmals in den Restaurantführer Gault Millau geschafft. Besitzer Stefan Gygax wehrte sich jedoch vehement gegen den Eintrag.

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Rund 870 Restaurants haben es landesweit ins Gault-Millau-Ranking 2020 geschafft. Eines von ihnen ist der Landgasthof zur Linde in Wynigen BE. Für Besitzer und Koch Stefan Gygax ist es das erste Mal, dass er in den renommierten Restaurantführer aufgenommen wurde. Doch die 13 Gault-Millau-Punkte freuen ihn gar nicht, wie die «Berner Zeitung» berichtet.

«Ich bin sehr verärgert»

«Ich bin sehr verärgert, dass mein mehrfach telefonisch geäusserter Wunsch, nicht im Restaurantführer erwähnt zu werden, nicht respektiert wurde», sagt Gygax gegenüber der Zeitung. Von einem Eintrag im berühmten Essführer wolle er nichts wissen. Er überlege sich sogar, gegen die Herausgeber des Gault Millau rechtliche Schritte einzuleiten, um sich dagegen zu wehren.

Seit 1995 wird der Gasthof in vierter Generation von Stefan Gygax und seiner Frau geführt. Das Erfolgskonzept des Betriebs liege in der Treue der Stammgäste und der Mund-zu-Mund-Propaganda, sagt Gygax. Das Zielpublikum des Landgasthofes seien nicht jene, die den Essführer lesen. Ein Eintrag im Gault Millau stört den Besitzer deswegen. «Ich habe mich noch nie verkauft oder gebeugt – und daran werde ich nichts ändern», erklärt der Koch. «In diesem Zirkus habe ich nichts verloren.»

Kein Guide der Luxusadressen

Urs Heller, Chefredaktor Gault Millau Schweiz, ist erstaunt, dass sich Gygax über den Eintrag beschwert. «Eine Lobeshymne von der ersten bis zur letzten Zeile – in der Regel eigentlich ein Grund zur Freude», so Heller zu 20 Minuten. In den letzten 30 Jahren habe der Restaurantführer noch nie eine rechtliche Auseinandersetzung gehabt. Die meisten Betriebe würden die Arbeit von Gault Millau schätzen und einen Eintrag nicht verachten.

Man scoute explizit tolle Landgasthöfe, weil auch diese Gastronomie zur Gault-Millau-DNA gehöre, erklärt Heller. Der Gault Millau sei kein Guide der Luxusadressen, sondern habe etwas für alle. Zugleich sei er «kein Club, dem man nach Belieben beitreten oder nicht beitreten kann», so der Chefredaktor. Auf einen Eintrag verzichtet werde etwa bei familiären Probleme oder Sorgen mit der Nachfolgeregelung.


(km)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wirzwei am 09.10.2019 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wirt ist im Recht

    Ich finde, dass es sein Recht ist, wenn er dies nicht will.

    einklappen einklappen
  • Kain E. Ahnung am 09.10.2019 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt!

    Ob verständlich oder nicht, der scheinbar mehrfach geäusserte Wunsch ist zu respektieren! Aber leider breitet sich Respektlosigkeit in der heutigen Gesellschaft immer mehr aus.

  • Sulj am 09.10.2019 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der Wirt hat recht

    Herr Gygax hat recht, denn die Mund zu Mund Werbung ist ehrlicher und neutraler als dieser Gault Millau Eintrag, das ist heute 13 Punkte gewertet, morgen vielleicht nur noch 2 denn jenachdem wie der Tester aufgelegt oder empfindet hat er evtl. einen anderen Geschmack als gestern. Ich lese diese Werte nie und gehe nach gut dünken in ein Speiselokal.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus Wirt am 09.10.2019 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Recht hat er

    Recht hat er. Es geht! Man kann sich wehren. Ich hatte vor 15 Jahren genau das gleiche Problem und veröffentlichte daraufhin 1 Jahr lang in unserer Speisekarte einen Bericht "üs het me nid gfragt!", ob wir dies wollten und ob dieser Eintrag zu unserem Konzept passe. So ein Eintrag kann auch Schwellenängste oder Fremdeinflüsse bewirken, drum unterstütze ich diesen Wirt vollumfänglich in seiner Haltung. Wir wurden dann noch mal angefragt, aber im Folgejahr nicht mehr aufgeführt und uns geht's gut, denn wir verfolgen unser Konzept weiter

  • Martial am 09.10.2019 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Interessanter Titel

    Es ist ganz einfach: Wer eine Dienstleistung oder ein Produkt für die Öffentlichkeit anbietet (egal was es ist), muss mit Lob oder Kritik rechnen und dies tolerieren. Wenn der Wirt das nicht möchte, soll er einen Privatclub aus seinem Restaurant machen.

  • Directors Cut am 09.10.2019 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Geschichte

    Gault-Millau ist auch bald Geschichte. Ich würde da nicht mehr investieren.

  • Alumdria841 am 09.10.2019 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Undankbar

    Dieser Wirt benimmt sich ja extrem lächerlich. Er hat den Einrag doch hart erarbeitet. Ich weiss gar nicht was das mit verkaufen oder beugen zu tun hat. Jeder andere Wirt würde das schätzen und wäre extrem dankbar über die Werbung die nicjt jeder bekommt.

  • marianne broennimann-Zwahlen am 09.10.2019 14:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eintrag

    Dagegen würde ich mich auch wehren. Es ist wie ein grosser Spoiler, statt ein solides Fahrzeug! Da kommen dann viele Bluffer, statt Kenner einer noch echt feinen Küche. Gegen eine solche Trampelinvasion kann ein Wirt dieses Formats sich nur vehement wehren und verzichten!