Freibäder in Bern

25. April 2018 18:24; Akt: 25.04.2018 20:28 Print

«Ist Luisa da?» ist auch bei den Badis ein Thema

Gäste in Stadtberner Schwimmbädern sollen sich bei Grenzüberschreitungen beim Personal melden. Dieses wurde neu speziell geschult.

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«Ist Luisa da?» Mit diesem kurzen Satz erhalten Personen, die sich in Bars und Clubs belästigt fühlen, umgehend Hilfe vom Personal. In Zürich und Winterthur wird das Konzept bereits breit angewendet. Auch in Bern ist das Konzept auf dem Vormarsch, so interessieren sich derzeit gleich mehrere Clubs für die Einführung des «Ist Luisa da?»-Konzepts.

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Aber nicht nur Akteure im Nachtleben kämpfen gegen Belästigung – auch in den Berner Freizeitanlagen macht man sich Gedanken darüber. Am Mittwoch und Donnerstag werden in sämtlichen Stadtberner Bade- und Eisanlagen gelbe, auffällige Aufkleber angebracht. «Belästigung Nulltoleranz!», ist auf darauf zu lesen. Dazu die Aufforderung, die Aufsichtspersonen über Belästigungsvorfälle zu informieren. «Wenn etwa ein Mann im Freibad Marzili Fotos macht und sich eine Frau dadurch bedrängt fühlt, soll sie unbedingt die Aufsichtsperson informieren», erklärt Bernhard Zumbrunn vom Sportamt Stadt Bern. Es gebe jedoch kein spezielles Codewort.

100 Mitarbeiter an Workshops

Die Mitarbeiter würden wissen, wie sie sich in solchen Situationen zu verhalten hätten: «Sämtliche Aufsichtspersonen haben dieses Jahr einen speziellen Sensibilisierungsworkshop besucht.» Rund 100 Aufsichtspersonen hätten daran teilgenommen. Doch die neu gestartete Kampagne richte sich nicht nur an Frauen: «Ob sich nun ein Familienvater in der Badi an der lauten Musik der Nachbarn stört oder ein Kind von anderen Kindern gehänselt wird: Wir haben für alle ein Ohr und bieten eine helfende Hand», so Zumbrunn.

Für die Kampagne verantwortlich ist Gemeinderätin Franziska Teuscher: «Sie macht die generelle Haltung meiner Direktion deutlich, wonach wir kein grenzüberschreitendes Verhalten tolerieren.» Es sei jedoch nicht so, dass die Bademeister bisher weggesehen hätten: «Aber unsere Gäste sollen wissen, dass wenn für sie eine persönliche Grenze überschritten wurde, wir sie unterstützen.» Es könne nicht sein, dass Menschen das Bad verliessen, wenn sie sich gestört fühlen.

Der Rauswurf als letztes Mittel

Aus diesem Grund sollten in solchen Situationen die Aufsichtspersonen vermitteln. Das heisse jedoch nicht, dass störende Personen einfach vom Platz verwiesen würden: «Es geht um einen respektvollen Umgang miteinander und nicht darum, mehr Menschen vom Platz zu stellen», sagt Teuscher. Das sei ohnehin immer das letzte Mittel, präzisiert Bernhard Zumbrunn vom Sportamt: «Manchmal ist es jedoch nicht schlecht, wenn mal ein Polizeiauto vorfährt. Das zeigt, dass wir nicht einfach wegsehen.»

(cho)