Vergiftung wegen «Wein»

03. Juni 2011 20:24; Akt: 03.06.2011 20:24 Print

«Josef war ein Stammgast, ich könnte heulen»

In einem Restaurant in Flamatt FR wurde einem Gast versehentlich Putzmittel statt Weisswein serviert. Der betroffene Wirt ist geschockt. Er kennt das Opfer gut.

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Verheerender Verwechslung: In Flamatt kriegte ein Gast ätzendes Reinigungsmittel statt Weisswein vorgesetzt. Nun schwebt er in Lebensgefahr. (Bild: colourbox)

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Ein 90-jähriger Mann bestellte am Dienstag im Café-Restaurant Tele AG in Flamatt wie immer ein Gläschen Weissen. Doch statt des Weins wurde ihm Reinigungsmittel für den Geschirrspüler eingeschenkt. Eine fatale Verwechslung. Der Mann liegt jetzt im Berner Inselspital und schwebt in Lebensgefahr.

Der Wirt des Gastrobetriebes ist immer noch geschockt. «Es tut uns allen so leid», sagte Patrik Jung zu 20 Minuten Online. «Das ganze ist so tragisch. Josef ist ein Stammgast, wir kennen seine ganze Familie. Er war oft bei uns, wir haben ihn sehr geschätzt. Ich könnte heulen.» Jung ist seit 20 Jahren Wirt, aber so etwas Trauriges sei ihm noch nie passiert.

Wie konnte diese Verwechslung passieren? «Das ganze war eine Verstrickung blöder Zufälle», so Jung. Die Serviertochter nahm nach Angaben der Kapo Freiburg - wie üblich - eine Weissweinflasche aus dem Kühlschrank und schenkte dem Mann ein. Patrik Jung wehrt sich dagegen, dass es jetzt nur eine Schuldige gibt: In vier Abläufen sei alles schief gegangen, es seien viele Mitarbeiter an der fatalen Verwechslung beteiligt gewesen. Er als Chef des Betriebes übernehme die volle Verantwortung.

Ins Spital gebracht

Die Ermittler haben mittlerweile herausgefunden, dass nach dem letzten Putzen ein Rest eines verdünnten Reinigungsmittels in eine leere Weissweinflasche abgefüllt worden war. Aus Versehen gelangte die Flasche mit rund einem Deziliter Inhalt in den Weinkühlschrank.

Nachdem der Gast einen Schluck getrunken hatte, wurde ihm sofort schlecht. Der Beizer brachte ihn nach Hause, wo sich sein Zustand weiter verschlechterte. Schliesslich wurde er ins Berner Inselspital gebracht.

Chemische Verbrennung zerfrisst Magen

Dort kämpfen die Ärzte um das Leben des Opfers. Denn der Reiniger mit der Bezeichnung RV 481 enthielt unter anderem ätzende Natronlauge. Ein Schluck davon hat verheerende Konsquenzen für den Körper: «Das ist eine chemische Verbrennung und kann etwa den Magen und die Speiseröhre vollständig zerfressen», sagt Hugo Kupferschmidt, Leiter des Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrums (Tox). Ein grosser Teil der Patienten überlebe schwere Vergiftungen nicht. Wenn, dann mit bleibenden Schäden wie schweren Verdauungsstörungen.

Trotz des tragischen Vergiftungsfalles bleibe das Restaurant weiter geöffnet, sagte Wirt Patrik Jung zu 20 Minuten Online: «Wir verstecken uns nicht. Es nützt nichts, wenn wir das Restaurant schliessen.» Es sei bislang der erste Vorfall in dieser Gaststätte gewesen.

(am/kub/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ril-G am 04.06.2011 18:08 Report Diesen Beitrag melden

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    im labor (chemie praktikum) hab ich schnell gelernt, immer einen wasserfesten stift zur hand zu haben. die gläser und flaschen sind schnell angeschrieben und es kann einem allein viel arbeit ersparen. in diesem tragischen fall hätte es wohl ein leben gerettet... so etwas ist für alle beteiligte furchtbar, ich wünsche dem opfer gute besserung.

  • carmen diaz am 03.06.2011 22:52 Report Diesen Beitrag melden

    klar ist es ein unfall aber...

    ...einer der problemlos hätte verhindert werden können. den oder die schuldige muss man auch nicht lange suchen. wer reinigungsmittel in eine getränkeflasche abfüllt handelt nach meiner meinung schon mit vorsatz. vor allem in einem restaurant. aber jeder lernt schon zu hause wegen den kindern, dass man dies niemals tun darf. dass das restaurant offen bleibt ist in ordnung. der schaden ist sowieso schon angerichtet und die einbussen werden wohl gigantisch sein. ich tippe sogar auf den ruin, obwohl ich das dem wirt natürlich überhaupt nicht wünsche.

  • Peter Meier am 03.06.2011 21:40 Report Diesen Beitrag melden

    definitiv

    Wer Gift in Trinkflaschen abfüllt soll das Wirtepatent nie mehr bekommen. Das ist meine ganz persönliche Meinung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • happy am 07.06.2011 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    alles gute

    viele grüsse dem Kontrollör und alles gute

  • René am 06.06.2011 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Das dürfte nicht passieren

    Sowas dürfte eigentlich gar nicht passieren. Da ist eindeutig der Wirt zur Verantwortung zu ziehen. Er hat seine Pflichten erfüllt.

  • eva wälti am 05.06.2011 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn

    warum nur füllt man Gift und Chemikalien in Getränkeflaschen? Es weiss nun doch wirklich jedes Kind, dass dies verboten ist. So tragisch wie es ist, schuld ist nun wirklich diejenige Person welche - vielleicht aus Bequemlichkeit und weil sie so dastand - eine Getränkeflasche benützte und diese erst noch nicht beschriftete. Wenn man schon einen so fatalen Leichtsinn begeht, stellt man die beschriftete Flasche in den Putzschrank und sicher nicht aufs Buffett, wo die nächste Person sie ordnungsgemäss versorgt, wo sie "hingehört" nämlich in den Weinschrank

  • Michael Meienhofer am 05.06.2011 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Es steht zuviel auf den Ettiketten..

    von gefährlichen Mitteln. Was nicht steht: Darf nicht in andere Gefässe umgeschüttet werden ! vielleicht gibt es dafür auch noch ein Piktogramm!

  • Ricardo Granda am 04.06.2011 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Vergiftung

    Wenn schon einige Menschen die einfachsten Regeln der Reinigungsmittel-Handhabung nicht beachten,sollte doch die Chemieindustrie reagieren.Sie könnte doch alle Flüssigreiniger so färben,dass man sie eindeutig als Reiniger identifizieren kann.Ständig wird jemand durch unachtsames Handeln vergiftet.