Bieler Ausländeramt

28. November 2014 05:49; Akt: 28.11.2014 10:35 Print

«Kommen Sie morgen wieder»

von Mira Weingartner - Warten und Däumchen drehen: Ein Besuch beim Bieler Ausländeramt kann an den Nerven zehren. Die langen Wartezeiten sind sogar für die Behörden ein Problem.

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Die Öffnungszeiten sind kurz, der Ansturm gross. (Bild: miw)

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«Was ist denn hier los?», fragen Passanten in der Bieler Neuengasse verwirrt. Bereits um sieben Uhr morgens versammeln sich dort Dutzende in warme Mäntel eingepackte Leute und stehen sich dabei die Beine in den Bauch. Kinder kuscheln sich müde an ihre Eltern, ältere Menschen stützen sich auf ihre Gehstöcke. Sie alle warten vor dem Amtsgebäude und brauchen etwa eine Ausweisverlängerung, eine Arbeitsbewilligung, vielleicht auch nur einen Stempel oder eine Unterschrift der Bieler Einwohnerdienste für Ausländer.

«Im kalten Winter hierherzukommen ist eine riesige Strapaze», sagt eine Rentnerin, die Schlange steht. Bis sich die Tür um neun Uhr öffnet, müssen sich alle gedulden. Und trotz nervenzehrenden Anstehens ist nicht garantiert, dass sie es überhaupt bis zum Schalter schaffen. «Ich musste gestern bereits mehrere Stunden anstehen, dann hat man mich wieder nach Hause geschickt, ohne dass ich bedient worden wäre», sagt ein Mann aus Guadeloupe. Die Öffnungszeiten seien zu kurz, das Personal zu knapp. Und auch das neu eingeführte Ticketsystem brachte nur eine geringe Verbesserung, da es selten genügend Tickets für alle Anstehenden gibt.

Problematik bei der Behörde bekannt

«Kommen Sie morgen wieder», heisst es dann aufseiten des Personals, das sich selbst mit den verzweifelten Wartenden solidarisiert. «Mir wurde vor Ort gar geraten, eine Beschwerde an die Stadt zu schicken», erzählt eine deutsche Arbeitnehmerin, die extra freigenommen hat. Die Stadt Biel mit ihrem hohen Ausländeranteil ist sich über die schwierige Situation im Klaren. «Es ist ein altbekanntes Problem. Wir sind stets daran, die Abläufe zu verbessern», versichert Hansruedi Zurbrügg, Leiter der Öffentlichen Sicherheit. «Biel ist keine reiche Stadt, wir haben knappe personelle Ressourcen», sagt Zurbrügg.

Vor rund einem Monat wurde beim Amt dennoch eine Filterstelle errichtet, damit die Wartenden nicht wegen Kleinigkeiten erneut antraben müssen. «Für das kommende Jahr versuchen wir zudem, unsere Dienste vermehrt online anzubieten», so Zurbrügg. Doch sei dies gerade für Leute fremder Herkunft oft schwierig. Man sei aber gewillt, alle Synergien zu nutzen, um den Besuch des Amtes möglichst speditiv zu gestalten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bau Frau am 28.11.2014 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Optimierungspotential vorhanden

    Öffnungszeiten um 9:00 Uhr? Das kann nur eine öffentliche Behörde sein...

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  • Maffib am 28.11.2014 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Bürokratie

    Zuwenig Personal ? Arbeiten da nur 2 Leute ? Die 10 Chefs Aus dem zweiten Stock sind sich wohl zu fein? Wieder mal mehr befehlegeber als Empfänger. Ein Super System.

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  • Werner Stauffacher am 28.11.2014 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht...

    hilft es, mit weniger Sitzungen, längeren Öffnungszeiten und einem Chef der mitanpackt.. Dann braucht es kein Reorganisationprocedere, welches in der Regel die Arbeitenden zusätzlich belastet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • tztztz am 29.11.2014 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Öffnungszeiten..

    das Problem der Wartezeiten liegt wohl nicht an den Öffnungszeiten des Schalters, sondern eher am grossen Ausländeranteil der Stadt Biel!

  • S.B. am 28.11.2014 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Termine

    Ich finde es einfach unmöglich, dass beim Einwohneramt nicht einmal Termine vereinbart werden können (z.B. für Ausweisverlängerungen)! Für arbeitstätige Leute muss das doch möglich sein! Man kann nicht einfach nach Lust und Laune freinehmen, um dort anzustehen und dann doch nicht an die Reihe zu kommen! Das finde ich eine Frechheit!

  • Ferdi Ganz-Klar am 28.11.2014 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist doch nur "korrekt", denn wer

    den Schalter spät öffnet, darf ihn auch früher schliessen... Noch Fragen?

  • Adam am 28.11.2014 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wow!

    Die öffnen erst um neun Uhr?! Arbeiten sicher bis 12und dann wieder von 14-16 Uhr?! Wow! Solch ein Zuckerleben, ähmmm "Arbeit" möchte ich auch haben! Dann wundert man sich noch, wieso sich lange Warteschlangen bilden!!!

    • R. Feller am 28.11.2014 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Noch andere Aufgaben

      Kannst du dir vorstellen, dass die Angestellten ausser Schalterdienst auch andere Aufgaben haben. Auch diese müssen gemacht werden.

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  • Sympatisant am 28.11.2014 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Grenzen

    Das wird noch schlimmer. Solange wir Tür und Tor geöffnet haben, wären die Leute ja blöd, wenn Sie nicht kommen würden. Wir Schweizer Retten ja bekanntlich die ganze Welt. Und mit 300 Multimillionären, die keine Steuern zahlen, können wir das gut Finanzieren. Worauf wartet Ihrnoch. Kommt in die Schweiz. Der Bundesrat will 12 Millionen Schweizer.