Nachgefragt

21. Juni 2011 13:19; Akt: 21.06.2011 16:48 Print

«Niemand hat die Räumung erwartet»

von Adrian Müller - Dutzende Polizisten haben in der Nacht das Anti-AKW-Camp in Bern abgebrochen. Stadtpräsident Alexander Tschäppät erklärt, wie es zu dieser überraschenden Aktion gekommen ist.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Tschäppät, mehr als zwei Monate lang hat die Regierung das Zeltlager der Atomgegner toleriert. Warum haben Sie ausgerechnet jetzt die Räumung veranlasst?
Wir haben mit den Aktivisten bis Ende letzter Woche Verhandlungen geführt. Die Stadt hat ihnen angeboten, als Mahnwache ein um die Hälfte verkleinertes Camp zu tolerieren. Die Leute sind aber nicht auf unseren Vorschlag eingegangen, im Gegenteil: Sie haben das Camp sogar noch ausgebaut und somit unser Angebot dezidiert ausgeschlagen. Da mussten wir handeln.

Als SP-Gemeinderat liessen Sie 26 Atomgegner durch Polizisten abführen. Sind Sie nicht einfach vor der bürgerlichen Kritik am Zeltlager eingeknickt?
Ich habe grosses Verständnis für die Anliegen der Aktivsten. Auch die Stadt Bern will den Atomausstieg und die BKW in die Pflicht nehmen, die Sorgen der Bevölkerung betreffend der Reaktorsicherheit ernst zu nehmen. Vor dem BKW-Gebäude braucht es aber kein Hüttendorf, um gegen Atomkraft zu protestieren. Wir haben den Abbruch des Zeltlagers sorgfältig geplant, dies war keine kurzfristige Aktion. Niemand hat die Räumung erwartet – und das ist gut so.

Die Aktivisten wollen noch heute ein Protestpicknick beim Viktoriaplatz abhalten. Geht nun die Stadt härter gegen die AKW-Gegner vor?
Die Wiese vor dem BKW-Gebäude steht den Demonstranten definitiv nicht mehr zu Verfügung, Gärtner haben sie bereits komplett umgepflügt. Natürlich bleibt aber die Demonstrationsfreiheit für die AKW-Gegner erhalten. Denn auch für die Stadt Bern ist wichtig: Die Katastrophe von Fukushima darf nicht einfach vergessen gehen.

Wie die Mühleberg-Gegner auf die Räumung reagieren:


(Quelle: Keystone)