Gedenkstätte in Bern

05. Februar 2019 16:26; Akt: 06.02.2019 09:53 Print

«Polizisten sollen sehen, was passiert ist»

Ein Mahnmal für einen verstorbenen 20-Jährigen wird zum Politikum. Ein SVP-Stadtrat will diese entfernen lassen, weil sich Polizisten daran störten. Die SP kontert.

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Am Nachmittag des 25. Dezembers griff die Berner Polizei einen 20-jährigen Jugendlichen auf. Er soll unter dem Einfluss von Amphetaminen gestanden haben Nach der Konsultation eines Arztes wurde er als haftfähig eingestuft und in eine Zelle gebracht, wo er anschliessend verstarb.(Symbolbild) Ihm zu Ehren wurde vor der Polizeiwache eine Gedenkstätte errichtet. Diese steht nun in der Kritik, wie «Der Bund» schreibt. Das stört SVP-Stadtrat Henri Beuchat: «Die Polizisten müssen jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit daran vorbeigehen.» Aus dem Umfeld der Polizeiangehörigen habe er den Hinweis bekommen, dass «diese politisch aufgeladene Mahnwache» belastend wirken könnte. Beuchat will vom Gemeinderat erfahren, ob es für solche «politischen Mahnwachen» im öffentlichen Raum Vorschriften punkto Dauer und Instandhaltung gebe.« Wenn man pietätlos ist, könnte man das als Littering bezeichnen», so die spitze Formulierung Beuchats. Das Mahnmal werde gemäss dem SVP-Stadtrat von Leuten aus dem Umfeld des Verstorbenen K. und vom «Vorplatz der Reitschule» betrieben. «Der vorliegende Fall hat auch eine politische Dimension.» Auch SP-Stadträtin Nora Krummen äussert sich zur Debatte:««In erster Linie steht das Mahnmal für den Tod eines jungen Menschen, der unter zweifelhaften Umständen ums Leben gekommen ist.» Den Standort der Gedenkstätte findet sie geschickt gewählt: «Die Polizisten sollen sehen, was passiert ist.» Diesen Vorwurf bestreitet die anarchistische Gruppe Bern. Via Facebook verurteilt sie sie den Vorstoss der SVP als «sozial abwertend» und rief dazu auf, den Gedenkort weiter zu erhalten. An der Mahnwache seien unterschiedliche Leute beteiligt. Die noch laufenden Ermittlungen im Todesfall des Jugendlichen hat nun die Staatsanwaltschaft Region Bern-Mitelland übernommen, wie es bei der Kantonspolizei heisst.

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Am Nachmittag des 25. Dezember 2018 griff die Berner Polizei einen 20-jährigen Jugendlichen auf, der laut Kapo Amphetamine konsumiert hatte. Wenige Stunden später starb er im Polizeigewahrsam. Um seines Todes zu gedenken, richteten Aktivisten vor der Polizeiwache am Waisenhausplatz einen Altar mit Blumen, Kerzen und Fotos ein. Dieses Mahnmal steht nun in der Kritik, wie «Der Bund» schreibt.

SVP-Stadtrat Henri Beuchat stört sich daran: «Die Polizisten müssen jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit daran vorbeigehen.» Aus dem Umfeld der Polizeiangehörigen habe er den Hinweis bekommen, dass diese «politisch aufgeladene Mahnwache» auf die Polizisten belastend wirken könnte. Mit einer Anfrage an den Gemeinderat hat er nun die Rechtmässigkeit des Mahnmals in Frage gestellt.

«Gedenkstätte hat keine politische Botschaft»

Beuchat will vom Gemeinderat wissen, ob es für solche «politischen Mahnwachen» im öffentlichen Raum Vorschriften punkto Dauer und Instandhaltung gebe. «Wenn man pietätlos ist, könnte man das als Littering bezeichnen», so die spitze Formulierung des SVP-Politikers. Das Mahnmal werde von Leuten aus dem Umfeld des Verstorbenen und vom «Vorplatz der Reitschule» betrieben. Eine gewisse Zeit lang habe so eine Gedankeneinrichtung ja durchaus ihre Berechtigung, aber:
«Der vorliegende Fall hat auch eine politische Dimension.»

Diesen Vorwurf bestreitet die anarchistische Gruppe Bern. Via Facebook verurteilt sie sie den Vorstoss der SVP als «sozial abwertend» und rief dazu auf, den Gedenkort weiter zu erhalten. «An der Mahnwache sind unterschiedliche Leute beteiligt, deswegen hat sie keine allgemeine politische Botschaft», so die Gruppe gegenüber der Zeitung.

«Jemand wollte ein Zeichen setzen»

Gegenüber 20 Minuten äussert sich auch SP-Stadträtin Nora Krummen:«In erster Linie steht das Mahnmal für den Tod eines jungen Menschen, der unter zweifelhaften Umständen ums Leben gekommen ist.» Den Standort der Gedenkstätte findet sie geschickt gewählt: «Die Polizisten sollen sehen, was passiert ist. Und natürlich ist der Ort ist politisch, schliesslich geht es um einen Tod in Polizeigewahrsam.» Obwohl sie niemanden kenne, der die Gedenkstätte unterhalte, sagt sie: «Ich kann mir gut vorstellen, dass Menschen damit ein Zeichen setzen wollten.»

Staatsanwaltschaft ermittelt

Patric Schädeli vom städtischen Tiefbauamt sagt zu der Gedenkstätte: «Wir regeln das in solchen Fällen individuell in Absprache mit den Angehörigen.» Bereits vergangene Woche hatte die Stadt Blumen und Kerzen durch die Stadtreinigung entfernen lassen. Vielleicht etwas zu früh, wie Schädeli einräumt: Wenig später stand am gleichen Ort neuer Gedenkschmuck.

Die noch laufenden Ermittlungen im Todesfall des Jugendlichen hat nun die Staatsanwaltschaft Region Bern-Mittelland übernommen, wie es bei der Kantonspolizei heisst.

(bho)