Kanton Bern

06. Oktober 2015 16:19; Akt: 06.10.2015 18:35 Print

«Pinkel-Prozess» um Polizist geht weiter

Ein Polizist, der einen Verhafteten durch den Urin geschleift haben soll, legt Berufung gegen seibne Verurteilung ein. Der Fall kommt nun vor das Obergericht.

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Der Fall um die beiden freigestellten Polizisten kommt vor das bernische Obergericht. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

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Einer der beiden Polizisten, die Ende September in erster Instanz wegen Amtsmissbrauchs verurteilt wurden, hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Damit wird sich nun auch das Obergericht mit dem Fall befassen müssen.

Die Angelegenheit hat in Bern in jüngster Zeit hohe Wellen geworfen. Ende September standen zwei Angehörige der Berner Kantonspolizei vor Gericht, weil sie gegenüber einem renitenten Mann auf der Bahnhofwache zu weit gegangen sein sollen.

Kapo stellt Beamte frei

Konkret ging es um den Fall eines Drogenkonsumenten, der im Februar 2014 auf der Polizeiwache gelandet war, nachdem er sich im Bahnhof Bern gegenüber Polizisten unflätig geäussert hatte. Auf der Wache nahm die Polizei einen Drogenschnelltest vor. Im Warteraum urinierte der Mann auf den Boden und widersetzte sich der Aufforderung der Polizisten, die Urinlache aufzuwischen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der eine Polizist den Mann daraufhin zu Boden gedrückt und mehrmals durch die Urinpfütze gezogen hat. Der andere Polizist legte nach Überzeugung des Gerichts die Jacke des Mannes in die Pfütze.

Die beiden Polizisten wurden zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Daraufhin entschied sich die Korpsleitung der Berner Kantonspolizei, die beiden mit Kündigungsaussicht freizustellen.

«Tat ist kein Kündigungsgrund»

Einer der beiden Polizisten hat nun gegen das erstinstanzliche Urteil Berufung eingelegt, wie sein Verteidiger am Dienstag mitteilte.

Da das Urteil noch nicht rechtskräftig sei, verbiete die Unschuldsvermutung personalrechtliche Massnahmen, sagte Verteidiger Rolf Steinegger. Die beabsichtigte Kündigung sei unverhältnismässig. Betrachte man die beruflichen Leistungen und Qualifikationen seines Mandanten, sei die vorgeworfene Tat kein Kündigungsgrund.

Der andere Polizist will das Urteil ebenfalls weiterziehen, wie sein Anwalt, Alexander Kernen, am Dienstag auf Anfrage mitteilte.

(smü)