Neonazi-Treffen in Bern

10. Oktober 2018 19:56; Akt: 11.11.2018 17:51 Print

«Rechtsextreme wollen ein Europa der Vaterländer»

Die Pnos lädt Rechtsextreme aus aller Welt nach Bern ein. Doch was steckt hinter «Europa Nostra II» und weshalb vernetzt sich die extreme Rechte? Szenekenner Hans Stutz erklärt.

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Am 1. Dezember will sich die Pnos (Partei der national orientierten Schweizer) im Kanton Bern zum Parteitag treffen. Eingeladen ist unter anderem Richard Spencer. Er ist Verfechter der White Supremacy und Verbreiter der ultrarechten Alt-Right Bewegung. Er proklamiert in zahlreichen Reden die Überlegenheit der weissen Rasse. Aufgrund seiner Ideologien hat Spencer aktuell eine Einreisesperre in allen 26 Schengenländern, inklusive der Schweiz. Die ultrarechte Alt-Right-Bewegung von Spencer demonstrierte auch im letzten Jahr in der US-Stadt Charlottesville. Zusammen mit bewaffneten White Nationalists und White-Supremacy-Anhänger demonstrierten sie gegen einen Entscheid der Stadt, ein Reiterstandbild des konföderierten Generals Robert E. Lee zu entfernen. Ein Rechtsextremer fuhr in eine Gruppe von Gegendemonstranten und tötete eine junge Frau. Zum Fall Spencer meint Pnos-Präsident Dominic Lüthard: «Von dieser Einreisesperre wissen wir nichts.» Falls Spencer nicht in die Schweiz kommen könne, habe man bereits einen Plan B: «Dann werden wir ihn per Videoschaltung in die Sitzung integrieren.» Die Kantonspolizei Bern bestätigt auf Anfrage gegenüber 20 Minuten, dass man Kenntnis von der umstrittenen Veranstaltung im Dezember habe. Polizeisprecherin Franziska Liniger: «Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch zu früh, weitere Angaben zu machen.» Im Grundsatz würde eine solche Veranstaltung im Vorfeld wie alle anderen behandelt. (Symbolbild) Tamara Funicello (Juso) meint: «Die Behörden müssen nun aktiv werden und diesen Auftritt verhindern, das ist ihre demokratische Pflicht. Richard Spencer vertritt eine faschistische Ideologie, die wir in der Schweiz nicht tolerieren dürfen. Die Meinungsfreiheit hört da auf, wo sich Leute für ethnische Säuberungen aussprechen». Benjamin Fischer (JSVP): «Ich halte nichts von diesem Spinnerkabinett, das sich hier treffen will. Aber sie sollen in der Schweiz reden dürfen. Ich schätze die Redefreiheit als hohes Gut in unserem Land ein. Auch ein Richard Spencer soll seine Meinung öffentlich äussern dürfen, solange er nicht zu Gewalt aufruft. »

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Herr Stutz*, die Pnos veranstaltet am 1. Dezember die Veranstaltung «Europa Nostra II». Was steckt dahinter?
Es handelt sich um den alljährlichen Parteitag der Pnos. Nun wurden die Redner angekündigt. Neben Polit-Clown Eric Weber aus Basel, der kurzzeitig Pnos-Mitglied war, ist auch der 87-jährige Valentin Oehen dabei, Ex-Nationalrat der Nationalen Aktion und heute bei den Schweizer Demokraten. Er tritt auch als Geistheiler auf.

Es kommen aber auch internationale Gäste. Wer ist alles dabei?
Aus Österreich kommt der 23-Jährige Markus Ripfl, der mit seinen Ansichten selbst der FPÖ zu nazihaft war. Der Berliner AfD-Politiker Lutz Urbanczyk war bereits im vergangenen Jahr bei der Pnos. Hinzu kommt Richard B. Spencer, der als Führer des Alt-Right-Movements angekündigt wird.

Wieso lädt die Pnos so viele internationale Politiker ein?
Überraschend kommt das nicht. Erstens reisten Exponenten der Pnos vor ein paar Monaten schon selbst in die USA, wo sie an einem Kongress einer US-amerikanischen und rechtsextremen Kleinpartei auftraten. Zweitens strebt die Pnos wie andere europäische Rechtsextreme auch ein «Europa der Vaterländer» an.

Was versteht man darunter?
Aus Sicht der extremen Rechten ist Europa der Kontinent, der von Menschen weisser Hautfarbe bewohnt ist. Das gilt es zu verteidigen. Diese Einschätzung vertritt auch ein Richard B. Spencer, ein Verfechter weisser Vorherrschaft. Ob er dann tatsächlich auch auftritt, ist eine andere Frage. Schliesslich hat er ein Einreiseverbot in 26 EU-Länder.


(ehs)