Primark

22. Oktober 2013 15:13; Akt: 22.10.2013 15:26 Print

«Solche Preise fördern die Wegwerfkultur»

Berner Studenten wollen den Kleiderladen Primark in die Schweiz holen. Doch NGOs kritisieren deren Ultra-billig-Politik scharf: Die Kleider entstünden unter unmenschlichen Bedingungen.

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Primark gehört zu den beliebtesten Kleiderläden von Europa. «Vor allem bei Teenagern ist der Billigst-Discounter der absolute Hit», sagt Modeexperte Jeroen van Roojen. Sie hätten wenig Geld und könnten sich dort austoben. Vier Studenten aus Bern versuchen nun, mit Hilfe einer wachsenden Facebook-Community eine Filiale in die Schweiz zu holen.
Doch so angesagt die Firma bei shoppingfreudigen Teenagern ist, so verpönt ist sie bei Menschenrechtsorganisationen.

Umfrage
Ist es moralisch vertretbar Billigmode zu tragen?
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10 %
51 %
15 %
Insgesamt 10529 Teilnehmer

11 Stunden täglich, 6 Tage die Woche, 30 Euro im Monat

Laut einer Reportage des Fernsehsenders ZDF, sind die Arbeitsbedingungen der Näherinnen in den Fabriken in Bangladesh - wo der grösste Teil des Primark-Sortiments hergestellt wird - unmenschlich. Gearbeitet werde dort 11 Stunden täglich, sechs Tage die Woche zu einem Lohn von rund 30 Euro im Monat. Und: Viele dieser Textilfabriken befinden sich gemäss ZDF in illegal aufgestockten und instabilen Gebäuden. Erst im April stürzte ein achtstöckiges Gebäude in Savar nahe der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka in sich zusammen und forderte 1133 Tote und 2438 Verletzte. Auch Primark liess in dieser Fabrik produzieren.Vor rund einer Woche ist in einer anderen Textilfabrik ein Feuer ausgebrochen: Acht Menschen starben.

Oliver Classen, Sprecher der Erklärung von Bern (EvB), welche die globale Clean Clothes Campaign in der Schweiz vertritt, sagt: «Wer einen Ultrabilligdiscounter wie Primark in die Schweiz holen will, um dort dann Powershoppen zu gehen, hat entweder keine Ahnung von den Arbeitsbedingungen in asiatischen Kleiderfabriken oder ist erschreckend gleichgültig.» Das Gleiche gelte für die Lehrperson, die die Projektarbeit der Berner Studenten abgesegnet habe. «Mit solchen Dumpingpreisen fördert man ausserdem die Wegwerfkultur.»

Der perverse Gipfel der heutigen Mentalität

Doch auch für Classen ist der Reiz der Primark-Prinzips klar: «Das ist der perverse Gipfel der heutigen ‹Immer-mehr-und-immer-billiger-Mentalität›.» Zielpublikum seien Jugendliche - «Fashion Victims» - die über die eigentlichen Modeopfer in Bangladesh entweder nichts wissen oder nichts wissen wollten.

Bei Amnesty International Schweiz ist man derselben Meinung: «Wir prangern die Ausbeutung von Arbeitskräften in Billiglohnländern immer wieder an und setzen uns für faire und menschenwürdige Arbeitsbedingungen weltweit ein», so Specherin Alexandra Karle. Sie arbeiteten in der Menschenrechtsbildung hier in der Schweiz darauf hin, dass jeder Einzelne über Mitverantwortung nachdenke. «Konkret bedeutet das, dass sich Konsumenten die Frage stellen, wie es sein kann, dass Kleidungsstücke zu Dumping-Preisen verkauft werden können.»

Primark hat auf die internationale Kritik reagiert und schreibt auf ihrer Internetseite: «Unser Verhaltenskodex schreibt die Grundsätze fest, die Lieferanten und Fabriken einhalten müssen, um zu gewährleisten, dass die Produkte unter guten Arbeitsbedingungen hergestellt werden und dass die Menschen, die sie herstellen, ordentlich behandelt und angemessen bezahlt werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • martin weber am 22.10.2013 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Billigware

    Ich will ja nun nicht den Teufel an die Wand malen, aber es gibt auch etliche teure Marken die kaum etwas für die Produktion ihrer Ware aufwenden. Das ist meines Erachtens der viel grössere Skandal, da der Verkaufserlös im Verhältnis zu den günstigen Herstellungskosten wesentlich höher ist! Günstig ist nicht automatisch besser, aber leider ist in unserer Gesellschaft der Auffassung möglichst viele Produkte zu möglichst günstigen Preisen erwerben zu wollen. Dieses Kredo führt dazu, dass immer günstigen Produziert wird, was wiederum allgemein zu tieferen Löhnen bzw. Personaleinsparungen endet.

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  • keine Studentin am 22.10.2013 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Marken oder billig Kleider?

    Als ob Markenkleider nicht in solch schlecht bezahlten Fabriken gemacht würden, kommt doch alles vom gleichen Ort, nur mit anderem Namen und unterschiedlichen Preis.

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  • cheers am 22.10.2013 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur blöd!

    Es sollte verboten werden neue Ressourcen für solchen Schwachsinn zu verschwenden. Weniger ist mehr!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Graupe am 24.10.2013 07:47 Report Diesen Beitrag melden

    Primark-Geschäft, 4 Junge Studenten

    Was wird einmal aus diesen Studenten, die jetzt schon arbeiten zu Hungerlöhnen unterstützen? Ich frage mich manchmal ob genau diese Leute später zu den Abzockern gehören. Wenn ich mir diese Jungen Studenten genauer Ansehe frage ich mich sowieso wie sie auf eine solche Idee kommen. Ich würde sagen die meisten haben Ihren Ursprung auch aus ärmeren Ländern. Warum vergisst man so schnell wie es dem eigenen Volk geht? Mussten sie selbst schon von morgenfrüh bis abends spät arbeiten?

  • Modeprinz am 23.10.2013 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wer weiss es denn schon.....

    Es gibt keine garantie dafür, dass etwas teurere Mode nicht auch unter miesen Arbeitsbedingungen entstanden ist. Ich kannte einen Boutique-Besitzer. Der kaufte, als Beispiel, ein Kleid für Fr. 2.--ein und verkaufte es für Fr.120. Ein satter Gewinn aber auch massive Abzocke und auch hier mit Bestimmtheit Sklaverei bei der herstellung.

  • Nickita B. am 22.10.2013 22:52 Report Diesen Beitrag melden

    Arme werden ärmer reiche werden reicher

    Ja und so werden Arbeiter/innen ausgenutzt um dass wir hier in Europa billige Kleider einkaufen können, obwohl es uns eigentlich gut geht! Noch mehr Wegwerfgesellschaft! Nein danke, für billig Mode? In anderen Ländern hungern sie und haben nicht ein drittel von dem wo wir hier haben. Und die in Irland verdienen sich dumm und dämlich dazu!

  • J. Meyer am 22.10.2013 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Schon komisch diese Berner.

    Mineralwasser verbieten u auf Hahnenwasser setzen wegen der Umwelt, aber eine solche Billigwegwerfmode einführen wollen, welche von den ärmsten der Armen hergestellt werde unter unwürdigen Bedingungen. Umwelt wichtig, obwohl die Wegwerfmentalität dieser aber schadet, während Menschenrechte egal sind, weil Mode eben billig sein muss? Verstehe das wer will. Mode soll bezahlbar bleiben, ja, aber nicht auf diesem Niveau u auf Kosten der Näherinnen. Möchte gerne mal wissen, wo Modedesigner ihre Kreationen nähen lassen? Auch da?

  • Heuchelei am 22.10.2013 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denkt mal nach

    Für grössere Ketten werden die Kleider auch in Billiglohnländern hergestellt. Das Geld, das man drauf zahlt, fliesst ja dann auch nicht zu denen, die es brauchen könnten..