Frau zu Tode gestürzt

23. April 2019 14:30; Akt: 23.04.2019 18:25 Print

«Unter Zeitdruck ist die Route herausfordernd»

Beim Abstieg vom Balmfluhköpfli kam es am Montag zu einem Kletterunfall. Eine Frau (29) stürzte beim Ostgrat in die Tiefe und wurde tödlich verletzt.

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Am Ostermontag kam es auf dem Balmfluehköpfli, einem beliebten Ausflugsziel für Wanderer und Kletterer, zu einem tödlichen Unfall. Eine 29-jährige Frau und ihr Kletterpartner nahmen sich am Abend den anspruchsvollen Abstieg beim Ostgrat vor. Kurz vor 22 Uhr abends ging bei der Kantonspolizei Solothurn dann die tragische Meldung ein: Die junge Frau war beim Abstieg in die Tiefe gestürzt. Sie konnte von der Polizei nur noch tot aufgefunden werden. Ihr Kletterpartner musste durch die Rega aus den Felsen geborgen werden, war soweit aber unverletzt.

«Das Gebiet der Balmfluh ist an sich nicht gefährlich, doch man darf es als Ortsfremder in Bezug auf die Routenfindung nicht unterschätzen», sagt Ueli Kölliker, Präsident des Schweizer Alpen-Club Weissenstein und patentierter Bergführer. Er kennt das Gelände gut, das Balmfluehköpfli ist sein «Hausberg». Gerade der Abstieg entlang des Ostgrats sei bei eingeschränkter Sicht, wie etwa bei Dunkelheit, sehr anspruchsvoll: «Man sollte die Tour so planen, dass sich der Abstieg noch bei Tageslicht bewältigen lässt. Ohne gutes Licht wird dieser auch für ortskundige Kletterer riskant.»

Notbiwak bei Dunkelheit

Kölliker empfiehlt jedem, der das Gebiet nicht kennt, einen einfachen Abstieg zu wählen: «Man steige ganz auf das ‹Chöpfli› hoch und nehme einen der gewöhnlichen Wanderwege wieder runter.» Andere Abstiegsmöglichkeiten wie jene über den Ostgrat seien durchaus anspruchsvoll. Dabei liege die Schwierigkeit vor allem darin, den Grat an der richtigen Stelle nach Norden zu verlassen: «Die vorhandenen älteren weissen Markierungen sind wegen der Verwitterung oft nur schlecht ersichtlich», so Kölliker. Die Planung einer Tour, sich vorab zu informieren und wenn nötig Rat einzuholen, liege in der eigenen Verantwortung von Kletterern, die ohne Bergführer oder Leiter unterwegs sind. «Gerade wenn man unter Zeitdruck gerät, ist die Route im unteren Bereich des Ostgrats herausfordernd.»

Kölliker selbst kennt die genauen Umstände des tödlichen Unfalls nicht, trotzdem geht er davon aus, dass die Kletterer nicht richtig ortskundig waren: «Wenn die betroffene Seilschaft das Gebiet gut gekannt hätte, wäre sie sehr wahrscheinlich anders vorgegangen.» Er vertritt die Meinung, dass man egal an welchem Berg durch das Einnachten an einen Punkt gelangen kann, an welchem man blockiert ist. Dann sollte man möglichst Ruhe bewahren und auf keinen Fall weitergehen. Stattdessen sollte man ein Notbiwak aufschlagen und den neuen Tag abwarten oder je nach Situation den Notalarm auslösen: «Lieber einmal zu früh alarmieren, als dann wenn es zu spät ist.»

(rc)