Kürzung gefordert

10. Mai 2013 19:18; Akt: 11.05.2013 14:39 Print

«Vielen ist es in der Sozialhilfe recht wohl»

Die Ansätze für Sozialhilfe sollen um zehn Prozent sinken. Dies verlangt Ueli Studer, Sozialvorsteher von Köniz BE. Bei der Konferenz für Sozialhilfe kommt die Forderung nicht gut an.

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Kundinnen im Caritas-Markt im Bern: Geht es nach dem SVP-Politiker und Sozialvorsteher Ueli Studer, wird die Sozialhilfe um zehn Prozent gekürzt. (Bild: Keystone)

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Für Ueli Studer (SVP), Sozialvorsteher von Köniz, einer Berner Vorortsgemeinde mit knapp 39'000 Einwohnern, sind die aktuellen Sozialhilfeansätze zu grosszügig. In einem Vorstoss, den er im Berner Grossen Rat eingereicht hat, verlangt er eine Kürzung um zehn Prozent bei den Ansätzen, die derzeit im Kanton angewendet werden. Familien, die von Sozialhilfe lebten, hätten teilweise mehr Geld zur Verfügung als andere, die ohne staatliche Unterstützung auskommen müssten, erklärt Studer seine Forderung.

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Ein Ehepaar mit zwei Kindern erhalte von der Sozialhilfe gut und gern 5600 Franken im Monat, rechnet Studer in der «Berner Zeitung» vor. Davon blieben der Familie 2690 Franken, zudem müsse sie weder den Selbstbehalt der Krankenkasse noch die Zahnarztrechnungen selber bezahlen, der Staat komme vielleicht sogar für das Schullager auf. Eine vierköpfige Familie ohne Sozialhilfe, die ein Einkommen von 6500 Franken erziele, habe nach Abzug der Steuern und der anderen Ausgaben noch etwa 2700 Franken zur Verfügung.

Einigen Bezügern ist es in der Sozialhilfe «recht wohl»

Studer glaubt, dass eine Reduktion der Sozialhilfe den Anreiz, den Sprung aus der Sozialhilfe zu schaffen, stark erhöhen würde. «Ich gehe davon aus, dass es nicht wenige Personen gibt, denen es in der Sozialhilfe recht wohl ist und die ihren Lebensstil darauf ausgerichtet haben», so Studer.

Eine Kürzung des Budgets würde den Druck erhöhen, die finanzielle Selbstständigkeit zu erreichen, glaubt Studer. Die Sozialhilfe dürfe nicht ein Niveau erreichen, auf dem es einem wohl werden könne: «Sonst merken immer mehr Haushalte, dass es sich für sie eigentlich gar nicht mehr lohnt, zu arbeiten.»

Skos: «Soziale Integration» würde erschwert

Walter Schmid, Präsident der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (Skos), sagt zu Studers Forderung: «Wir würden eine Abweichung von den Schweizer Standards bedauern.»
Zwar wäre es für Sozialhilfebezüger durchaus möglich, mit zehn Prozent weniger Geld zu überleben, so Schmid. «Doch sie könnten sich nicht mehr am sozialen Leben beteiligen.» Ein Geschenk zum Kindergeburtstag, mal einen Kaffee trinken gehen oder ins Kino oder mit den Kindern einen Ausflug machen: Bei all diesen Dingen, die für die soziale Integration wichtig seien, müssten Sozialhilfebezüger Abstriche machen, so Schmid.

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • monika Steimer am 14.05.2013 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    sozialhilfe hilft überleben

    ich dachte auch immer wer arbeiten will kann arbeiten, ABER ich musste leider selber erleben, wenn einem die gesundheit genommen wird von unfähigen autofahrern so ist das arbeiten wollen zwar noch da, aber das können nicht mehr. sozialhilfe hilft mir zu leben! hätte nie gedacht mal öffentliche gelder beziehen zu müssen. das schlimme dabei ist die soziale isolation. denn geld für einen kafi mal auswärts ist nicht da. geld für ein dorffest auch nicht. so sitz ich daheim, aber neue freunde kommen nicht an die haustür leider. ich musste wegen der zahlbaren miete in den kt. AG ziehen.kennhierkeine

  • Erik Schiegg am 13.05.2013 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder Politiker, der für eine Kürzung

    ist, sollte zuerst ein kurzes halbes Jahr mit 930 Franken im Monat plus Kleinstwohnung durchstehen. Nota Bene ohne Unterstützung durch Familie, Bekanntenkreis und Freunde. Sondern ganz ohne Vitamin B. Bis zu diesem Beweis des praktischen Sachverständnis predigen für mich solche Politiker Wasser, während sie sich selber mit voller Kelle aus der Staatskasse bedienen. Bürden anderen mehr und mehr auf, während sie selber keinen kleinen Finger krumm machen müssen.

  • 807687 am 12.05.2013 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wir kannten das,

    waren auch einige Monate sozialhilfeabhängig (EhepartnerIn schwer krank/invalid). Der schwierigste Moment war die Zeit, als wir wenige Franken mehr verdienten, als wir dürften, um Soz zu bekommen. Denn da musste man Selbstbehalte, Franchisen usw. wieder selber bezahlten. So fielen wir massiv unter den Betrag, den ein Soziahlhilfebezüger zur Verfügung hat. Als Ehepaar ist es noch schwieriger,vor allem, weil ja bekanntlich die IPV allgemein gekürzt wurde. Da hatten wir schon mal Zeiten, wo wir nichts zu essen hatten... Dort müsste man ansetzen, dass dieser Betrag noch ausgeglichen wird.

Die neusten Leser-Kommentare

  • monika Steimer am 14.05.2013 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    soz.gelder müssen zurückbezahlt werden

    und was nicht vergessen werden darf. die sozialgeldbezüge müssen rückerstattet werden, wenn jemand wie z.b. ich auf die IV abklärung wartet. sollte ich eine rente erhalten muss ich die soz. gelder auf den letzten rappen retournieren.

  • monika Steimer am 14.05.2013 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    sozialhilfe hilft überleben

    ich dachte auch immer wer arbeiten will kann arbeiten, ABER ich musste leider selber erleben, wenn einem die gesundheit genommen wird von unfähigen autofahrern so ist das arbeiten wollen zwar noch da, aber das können nicht mehr. sozialhilfe hilft mir zu leben! hätte nie gedacht mal öffentliche gelder beziehen zu müssen. das schlimme dabei ist die soziale isolation. denn geld für einen kafi mal auswärts ist nicht da. geld für ein dorffest auch nicht. so sitz ich daheim, aber neue freunde kommen nicht an die haustür leider. ich musste wegen der zahlbaren miete in den kt. AG ziehen.kennhierkeine

  • Daniel Hofmann am 13.05.2013 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Verwalten sondern Aktiv Helfen

    Es ist doch Erschreckend wie sehr die Gesellschaft bei Sozialen Themen auseinander geht. Kein zusammenhalt. Dabei wird jeder froh sein, wenn er mal in eine Notsituation gerät, das es System vorhanden ist was einen Stützt. Was wäre wenn es keine Sozialhilfe, kein Arbeitslosengeld geben würde? Ich denke jedoch das die Systeme so wie Sie Struckturiert sind, an den Anforderungen des Marktes vorbei ( wirtschaften ). Die Menschen in Not brauchen HILFE. Sie brauchen eine Person die Sie aus der Situation raus begleitet. Wer Arbeitslos ist, keinen Job findet, gibt sich irgendwann AUF.

  • Erik Schiegg am 13.05.2013 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder Politiker, der für eine Kürzung

    ist, sollte zuerst ein kurzes halbes Jahr mit 930 Franken im Monat plus Kleinstwohnung durchstehen. Nota Bene ohne Unterstützung durch Familie, Bekanntenkreis und Freunde. Sondern ganz ohne Vitamin B. Bis zu diesem Beweis des praktischen Sachverständnis predigen für mich solche Politiker Wasser, während sie sich selber mit voller Kelle aus der Staatskasse bedienen. Bürden anderen mehr und mehr auf, während sie selber keinen kleinen Finger krumm machen müssen.

  • Chris am 13.05.2013 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Lösungen

    Sozialhilfe schweizweit gleich ausstatten. Wie bei den Kantonssteuern ist nicht mehr einzusehen weshalb bei der heutigen Mobilität man wo mehr zahlt und anderswo weniger, die Lebenskosten sind längst durchmischt und angeglichen. Respektive man eben kriegt im Fall Sozialhilfe. Dann Sozialhilfe davon abhängig machen wieviel man (wie lange) einbezahlt hat. Es geht doch einfach nicht dass einer der 20 Jahre brav einzahlt gleich viel kriegt wie einer der gerade erst ins Land gezogen ist.