Kuh auf der Flucht

03. April 2019 16:53; Akt: 03.04.2019 17:14 Print

Wird das Tier gefasst, droht ihm der Tod

Seit Tagen streift eine Kuh durch die Wälder der Gemeinde Worb BE. Einfangen lässt sich Spächtli (3) nicht. Besser so für die dreijährige Kuh.

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Jetzt ist Spächtil nicht mehr alleine: Die Kuh kam am Mittwochabend in ihrem neuen Zuhause an. Dies Nachdem die Kuh zuerst einige Tage in Quarantäne verbringen musste. Erst danach durfte Sie die Reise ins neue Zuhause im bayrischen Eslarn antreten. Dem Ganzen ging viel Arbeit voran. Nachdem Spächtli von ihrem Stall ausgebüxt war, konnte sie nur mit Mühe wieder eingefangen werden. 16 Tage brauchten die Mitarbeiter um Spächtli im Wald einzufangen und in einen Stall zu bringen. Die Helfer der Stiftung Gut Aiderbichl wandten einen Trick an, um die Kuh einzufangen. Zwei Artgenossen wurden nahe Spächtlis Aufenthaltsort im Wald gebracht. Weil Kühe Herdentiere sind, stelle sie sich zu diesen Kühen. So konnten die Helfer die Kuh einzäunen. Insgesamt verbracht das Tier vier Wochen im Wald. 16 Tage benötigten die Retter um Spächtli einzufangen. Pinderoli: «Für die Kuh war das eine extreme Stresssituation.» Kühe seien nicht gerne alleine unterwegs. Die Kuh konnte sich im Wald sehr gut verstecken. Erkennen Sie die Kuh auf dem Foto? Den Spezialisten gelang es ein Futterstelle für das Tier aufzubauen. So wurde verhindert, dass das Tier immer weiter wandert. Die Evolèner-Kuh war in den Wäldern um Worb unterwegs. Zunächst drohte der Kuh der Tod, sollte sie gefasst werden: «Das Risiko, Spächtli wieder auf dem Hof aufzunehmen, ist zu gefährlich», sagte der Besitzer. Heinz Feldmann, Sicherheitsfachmann für Unfallverhütung in der Landwirtschaft, hoffte auf eine andere Lösung. Der Tiergnadenhof Gut Aiderbichl, mit mehreren Niederlassungen im deutschsprachigen Raum, bot schliesslich an die ausgebüxte Kuh bei sich aufzunehmen. Doch Spächtli lange verschollen. Immer wieder wurde das Tier in der Region von weitem gesichtet, verschwand dann jedoch wieder. Der Rettungsaktion sei theoretisch am meisten geholfen, wenn Spaziergänger das betroffenen Waldgebiete meiden würde, teilte die Stiftung mit. «Wir alle wollen, dass es bei Spächtli eine Happy End gibt», sagt Pascale Pineroli von der Stiftung.

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Durch die Wälder um Worb streift derzeit ein gehörntes Tier: Kuh Spächtli ist seit über einer Woche auf der Flucht. Ihr Besitzer, ein örtlicher Bauer, konnte die braun-weiss gefleckte Kuh bisher nicht aufspüren.

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Doch Spächtli behagt die Wildnis offenbar gut. Laut Zeugen ist das Tier nämlich nach wie vor am Leben. Anfang Woche gab es eine Sichtung bei Walkringen, kurze Zeit später entdeckte ein Reiter das Tier im Wald bei Enggistein, wie das Newsportal Bern-Ost mitteilt. Ans Einfangen war dabei nicht zu denken: «Die Kuh nimmt jeweils sofort Reissaus», sagt ihr Besitzer zu 20 Minuten. Gerne würde er das Tier aber so rasch als möglich einfangen.

Ein Fall für den Metzger

Dieses Interesse teilt die ausgebüxte Kuh wohl kaum. Sollte Spächtli nämlich gefasst werden, droht ihr der sichere Tod.
Im Falle einer erneuten Sichtung wird der Tierarzt alarmiert. «Vielleicht können wir das Tier mittels Beruhigungspfeil einfangen», sagt der Bauer. Sollte dies klappen, würde Spächtli zum Metzger gebracht.

«Das Risiko, Spächtli wieder auf dem Hof aufzunehmen, ist zu gross», erklärt der Landwirt. Das Tier sei durch die Odyssee nun wohl verwildert. «Ich kann nicht riskieren, dass Spächtli meine Kinder oder andere Kühe angreift», sagt der Bauer. Da die Evolèner-Kuh erst dreijährig ist, ist sie für die Fleischproduktion noch geeignet.

Sensible Kühe

Heinz Feldmann, Sicherheitsfachmann für Unfallverhütung in der Landwirtschaft, versteht die Bedenken des Bauers: «Aus Sicherheitsgründen ist dieser Entscheid nachvollziehbar.» Das Verhalten der Kuh sei nun unberechenbar. «Kühe sind sensible Tiere, schlechte Erinnerungen prägen sie sich ein», weiss der Fachmann. Dennoch – oder gerade deshalb – fände es Feldmann optimal, würde der Bauer vor dem Ausmerzen die Reintegration der Kuh in die Herde versuchen. «Doch dafür muss der Bauer die geeignete Infrastruktur haben.»

Keine Angst vor Spächtli!

Wanderer, die derzeit durch die Wälder um Worb streifen, müssen sich nicht fürchten. «Solange das Tier nicht bedrängt wird, passiert nichts», weiss der Landwirt. Im Gegenteil: Spächtli suche bei einer Begegnung sofort das Weite.

Lässt sich das verwilderte Tier weiterhin nicht einfangen, bedeutet dies für den Berner Bauern eine finanzielle Einbusse: Eine Kuh wie Spächtli hat einen Wert von rund 2000 Franken. Zwar gibt es beim Vieh einen Versicherungsschutz, dieser erfolgt jedoch nur im Todesfall durch Krankheit und Unfall. Der Verlust durch Ausbüxen wird von der Versicherung nicht berappt.

(miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ganjaflash am 03.04.2019 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lasst diesig alleine

    Falls jemand die Kuh sieht bitte niemandem melden.

    einklappen einklappen
  • gipsy am 03.04.2019 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    juhui

    wünsche ihr dass sie noch lange die freiheit geniessen kann!!

  • Rigorosa am 03.04.2019 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Spächti

    Hopp Spächti, lauf um dein Leben und lass dich von diesem Bauern nicht mehr einfangen. Für ihn bist du nur eine finanzielle Einbusse, keine Kuh, die er je geliebt hat. Hoffentlich entdeckt dich ein Landwirt mit anderer Gesinnung und nimmt dich mit.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ratmal Werwol am 04.04.2019 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Alles relativ

    Angst machen mir im Wald nicht die Tiere, sondern höchstens noch andere Menschen...

  • Norman am 04.04.2019 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Macht niemandem was

    So lasst sie doch! Die ist richtig hübsch! Schöner Körperbau - fast zu schade für die Metzgerei! Wäre eine schöne Kuh zum züchten. Ich nehme an, dass sie auch trächtig ist. Wenn sie ihr Kalb hat,kann sie besser eingefangen werden ( Kalb in Transporter - mit Glück und Geduld geht sie vielleicht hinterher....)

  • Klaus Ruf am 04.04.2019 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Schlachten?

    Eine dreijährige Kuh sollte doch schon ein Kalb haben, oder zumindest tragend sein. Zudem stellt sich mir die Frage ob ein so starkes Betäubungsmittel keine Absetzfrist hat, somit würde sich ein direktes Schlachten nach dem Einfangen erübrigen. Meine Erfahrungen zeigen, dass wilde Kühe, spätestens wenn Sie dann mal ein Kalb gebähren, sehr viel ruhiger werden. Treibt das Tier zu einer anderen Herde, lasst es mindestens ein Tag bei Ihnen und dann wird man schnell sehen ob es sich beruhigt...

  • MonaLisa am 04.04.2019 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Muni Maradona

    Erinnert Ihr Euch an ihn? Er rannte vom Schlachthof über die Strasse direkt ins Letzistadion. Er befindet sich auf einem Gnadenhof. Das war sehr speziell was der Muni damals abzog. :)

  • Pit848 am 04.04.2019 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lasst sie in ruh!

    Sie hält sich für ein Urrind und sollte leben dürfen in freier Wildbahn. Bär Wolf und Luchs dürfen das auch!