Ausschreitungen

19. November 2009 14:26; Akt: 19.11.2009 16:01 Print

«Wir wollen die Gewalttäter wegräumen»

von Adrian Müller, Bern - Bern macht vorwärts im Kampf gegen Hooliganismus: YB und der SCB unterzeichneten heute eine Vereinbarung mit der Stadt, welche etwa ein Alkoholverbot für Minderjährige beinhaltet. Der SCB-Boss übte derweil scharfe Kritik am nationalen Polizeidirektoren-Projekt gegen Chaoten: «Es bedeutet den Tod der Profiklubs.»

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Für einmal sind die Berner die schnellsten: Die Stadtbehörden präsentierten heute gemeinsam mit den beiden Sportclubs BSC YB und SC Bern Massnahmen, welche die Gewalt bei den Stadien eindämmen soll. Dazu gehören etwa ein Alkoholverbot für unter 18-Jährige, strengere Eingangskontrollen und ein Ausbau der Fanarbeit und Videoüberwachung. Die Vereinbarung baut teilweise auf den Beschlüssen der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz (KKJPD) vom vergangenen Freitag auf.

Scharfe Kritik gegen Keller-Suter

SCB-Boss Marc Lüthi übte an der Medienkonferenz scharfe Kritik an dem nationalen Konzept, das die Abschaffung von Stehplätzen oder der Einführung einer Fancard beinhaltet: «Die KKJPD treibt uns Klubs in den Ruin, da werde ich fuchsteufelswild. Das paradoxe Papier der Frau von St. Gallen (er meint Karin Keller-Suter, die Red.) bedeutet den Tod des Profisports in der Schweiz.» Die Stadt will etwa auf die Forderungen der KKJPD betreffend Stehplätze derzeit nicht eingehen: «Wir gehen den pragmatischen, bernischen Weg», sagte Reto Nause, Sicherheitsdirektor der Stadt Bern.

Nicht einfach Rechnungen hin und her schieben

YB und der SCB müssen weiterhin «nur» je 60 000 Franken pro Jahr an die Kosten der Polizeieinsätze beisteuern: «Wir wollen das Gewaltproblem an der Wurzel packen und nicht einfach Rechnungen hin und her schieben», begründete Nause den Entscheid. Er hofft, dass mit den beschlossenen Massnahmen bald weniger Einsatzkräfte an den Matches nötig sind. «Diese Polizisten fehlen uns derzeit etwa am Wochenende in der Innenstadt», so Nause. YB-Chef Stefan Niedermeier betonte, dass YB bereits jetzt 2.5 Millionen Franken jährlich für die Sicherheit ausgebe. «Viel mehr liegt jetzt nicht mehr drin.»

YB will Fans besser einbinden

Aufgrund der Vereinbarung mit der Stadt investiert der SCB rund 300 000 Franken in eine neue Videoüberwachungsanlage, um Chaoten rasch identifizieren zu können. «Wir wollen die Gewalttäter wegräumen, die uns die Gesellschaft übergeben hat», sagte SCB-Boss Lüthi. Diese liege im ureigenen Interesse der Klubs: «Wenn die Zuschauer wegen Ausschreitungen Angst bekommen, bleiben sie künftig zu Hause.»
Der Chef von YB und des Stade de Suisse relativierte das Problem: «Wir haben keine Gewalt im Stadion. Wir müssen nun aufhören zu reden und die Fans noch besser in die Problemlösung miteinbeziehen.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • John am 19.11.2009 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    eieieiei

    Erst mal Danke an den Vorredner (Dani Schleuss), der scheint sich in der Materie auszukennen. Zu KKS: Diese Person soll sich doch einfach mal wirklich informieren, bevor sie weitermacht mit ihrem Profilierungsgehabe! Fast nicht auszuhalten! Die Probleme sind nicht IM, sondern AUSSERHALB der Stadien. Weitaus schlimmer die Bilder im 10vor10! Macht Euch doch mal dazu Gedanken!

  • Nik am 19.11.2009 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Rayonverbote mit Fussfesseln

    Ich habe nichts gegen Ultras und nichts gegen Stehplätze. Ganz im Gegenteil, was wäre die Stimmung in unseren Stadien ohne die Rivalität der verschiedenen Fangruppen. Was mich aber aufregt sind einige wenige Chaoten, welche im- und/oder ums Stadion nur auf Krawall bedacht sind. Es sind DIESE Leute welche dem Sport schaden und sie sollten so konsequent bestraft werden, dass dies auch weh tut. Eine Möglichkeit wäre ein Rayonverbot um die Stadien welches mit Fussfesseln überwacht wird. Bei nichteinhalten gibts Alarm bei der Polizei.....

  • Hans am 19.11.2009 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Lösung des Problems

    Die Verantwortlichen sollen mal nach England an ein Spiel gehen. Die Engländer haben das Problem in den Griff bekommen und zwar nach dem Zero-Tolerance-Prinzip. Ratzeputze aufräumen. Fussballgangs zur Identifikation permanent filmen, bei Problemen rauspicken, wegsperren, aber sodass es weh tut und Stadionverbote radikal durchsetzen. Kostet was, wirkt dafür nachhaltig. PunktSchluss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Adrian Lercher am 21.11.2009 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Basel-Zürich

    Was war das? Fussball dient offensichtlich nur als Ausrede zum Verprügeln, Zerstören, Vandalismus. Der Match ist zweitrangig.

  • Michael Meienhofer am 21.11.2009 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Stehplätze abschaffen ?

    Herr Lüthi kann sich jetzt schon über Frau Keller aufregen. Tatsache ist, die Organisationsverantwortlichen haben bis jetzt keine effiziente Lösung gefunden. Sobald es im Sport um's liebe Geld geht, drückt man sich, man lässt lieber den Steuerzahler die Zeche bezahlen.Wie lange dulden wir das noch ? Pollitiker sind jetzt gefragt !

    • Das Bo am 21.11.2009 14:41 Report Diesen Beitrag melden

      Steuerzahler

      immerhin muss der steuerzahler den sport nicht subventionieren wie die kultur ! sollte auch gewürdigt werden.

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  • oli bausch am 20.11.2009 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    ewig das gleiche argument

    ich lese von ihnen immer das argument, dass die clubs die kosten selbst tragen sollen. darum erwarte ich, dass sie auch fordern, dass jeder discobetreiber, konzertveranstalter oder jeder turnverein die polizeikosten selbst berappt für seinen anlass. es muss überall mit gleichen ellen gemessen werden! beeinflusst durch die medienhetze haben viele leute nur noch die sportclubs im fadenkreuz ohne zu überlegen, dass es an anderen veranstaltungen überhaupt nicht friedlich ist. wir können dann bald mit unserem gesellschaftlichen leben aufhören weil sich das niemand leisten kann ! was sagen sie dazu?

  • Peter Moser am 20.11.2009 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Warum Zuschauer imStadion?

    Lasst doch die Spiele nur noch im Fernsehen laufen ,bis sich diese Chaoten eines besseren besinnen.Per Computer dürften die Zuschauer auf den Rängen eingespielt werden,so das das ganze noch autentisch wirkt:

  • Maxi am 20.11.2009 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Übertreiben

    Ich verfolge jetzt schon seit Jahrenzenten div. Fussball- und Eishockeyspiele live im Stadion. Ich selbst bin jedesmal immer wider begeistert von der Dtimmung in den Schweizer Stadien....Ich bin jetzt 53 Jahre alt und habe schon vieles erlebt, aber solch eine wie die Karin Keller Sutter ist mir noch nie untergekommen. Mann sollte die Probleme anderst anpacken, vieleicht mit höheren Bussen oder so. ber was haben Stehplätze oder andere Sachen mit Gewalt zu tun?? DAs letzte Wort ist hier sicherlich noch nicht Gefallen.