Polizeieinsatz bei Reitschule

24. Mai 2017 16:59; Akt: 24.05.2017 16:59 Print

«Wir wussten nicht, wie es dem Polizisten geht»

Nachdem ein Kantonspolizist in der Reitschule eingeschlossen worden war, verschaffte sich die Polizei mit Gewalt Zutritt. Die Reitschule spricht von einem unverhältnismässigen Einsatz.

storybild

Die Polizei war auf dem Vorplatz der Berner Reitschule mit einem Grossaufgebot präsent. (Bild: Keystone/Alessandro Della Valle)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Um die Reitschule herrschte am Dienstagnachmittag grosse Hektik. Ausgelöst wurde der Zwischenfall durch eine Personenkontrolle auf der Schützenmatte. Dabei ist ein des Drogenhandels verdächtigter Mann ins Innere der Reitschule geflüchtet. Ein Polizist in Zivil folgte ihm und wurde anschliessend in der Reitschule eingesperrt.

«Wussten nicht, wie es den Personen geht»

«Bei der Person, die wir kontrollieren wollten, handelte es sich um einen mutmasslichen Straftäter», sagt Regina Aeberli, Mediensprecherin der Kantonspolizei Bern. Als der Polizist in der Reitschule eingeschlossen und die Tür vom Mitarbeitenden der Reitschule nicht geöffnet worden sei, hätten die Beamten Verstärkung angefordert. «Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht, wie es der Person und unserem Mitarbeiter im Inneren der Reitschule geht», so Aeberli. Deshalb habe man von der Einsatzentrale aus versucht, eine Kontaktaufnahme über das Kontaktelefon herzustellen. Dies sei vorerst gescheitert.

Die Kantonspolizei sah sich deshalb zum Handeln gezwungen. «Wir schlagen nicht ohne Grund Türen oder Fenster ein», betont Aeberli. «Wir handelten zur Sicherheit aller Beteiligten – sowohl unseres Mitarbeiters als auch des Angehaltenen.» Dass sich das Geschehen bei der Reitschule abgespielt habe, spiele dabei keine Rolle. Aeberli: «Wenn es um die Anhaltung eines Straftäters geht und wir nicht wissen, wie es den beteiligten Personen geht, verschaffen wir uns Zutritt.»

«Sie versuchten, die Scheibe einzuhämmern»

Anders sieht dies ein Reitschüler, der am Dienstagnachmittag vor Ort war. «Es ist niemand eingeschlossen worden», so das Mitglied der Mediengruppe der Reitschule. Auch sei nicht zu erkennen gewesen, dass es sich bei der einen Person um einen Polizisten handle. In einem solch aussergewöhnlichen Fall habe man sich dazu entschlossen, das Tor zu schliessen.

«Es schien so, als hätte der Zivilpolizist die Situation unter Kontrolle», so der Reitschüler. Dennoch sei der Vorplatz der Reitschule mittlerweile voller Kantonspolizisten gewesen. «Die Polizisten sind komplett durchgedreht», sagt er. Einer habe sogar mit dem Holzgriff seines Gewehres versucht, die Rösslischeibe einzuhämmern. Schliesslich hätten sie das Tor aufgebrochen. Erst jetzt habe die Polizei über das Kontakttelefon die Reitschule zu erreichen versucht. Die Mitarbeiter hätten innert einer Minute zurückgerufen. Der Einsatz sei massiv unverhältnismässig gewesen. Der Reitschüler betont: «Der Polizist hätte das Gebäude jederzeit durch einen Notausgang verlassen können.»

Politiker fordert Einführung von Body-Cams

Philip Kohli, Fraktionspräsident der BDP/CVP-Fraktion des Stadtrats von Bern, sagt: «Solange Drogen in der Schweiz illegal sind, darf die Polizei auch bei der Reitschule durchgreifen. Sie ist bestimmt kein rechtsfreier Raum.» Dass die Reitschüler aber das Tor geschlossen hätten, spreche gegen sie. Allerdings stelle sich auch die Frage der Verhältnismässigkeit eines solch grossen Polizeieinsatzes. Kohli: «Problematisch ist, dass sich die Aussagen der Polizei und der Reitschule nicht decken. Eventuell wäre der Einsatz von Body-Cams für Polizisten eine Lösung. So wüsste man, was passiert ist.»


(stm/sda)