Zankapfel Milchpreis

16. Juli 2019 17:32; Akt: 16.07.2019 17:32 Print

«Wasser kostet bald mehr als Milch»

Die Migros drückt den Milchpreis. Bauern liefen Sturm dagegen und belagerten das Einkaufszentrum Shoppyland.

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Der Bauernverband Uniterre aus der Westschweiz organisierte am Dienstagmorgen zusammen mit verschiedenen Bauernverbänden und -komitees aus der ganzen Schweiz, auf dem Parkplatz des Shopping-Centers Schönbühl, eine Protestaktion gegen die Senkung der Milchpreise. 2,5 Rappen pro Liter Milch wurden ab Anfang Juli von der Migros für die Bauern gestrichen. Der Schweizer Bauernverband unterstützt die Protestaktion der Milchbauern und hat Verständnis für ihre schwierige Situation. «Wir verstehen die Preissenkung nicht und finden diese ungerechtfertigt», sagt Sandra Helfenstein, Mediensprecherin des Schweizer Bauernverbandes. Hans Rudolf Andres (rechts), Präsident des Bernisch-bäuerlichen Komitees und selbst Landwirt aus Bargen BE, hat an der Protestaktion eine Rede gehalten. «Die Migros ist grün und sozial gegen aussen, aber nicht gegenüber ihren Produzenten», sagt Anders. Paul Ecoffey, ein Milchbauer aus Rueyers-Treyfayes FR, ist ebenfalls verärgert über die Situation. «1 Liter Wasser kostet bald mehr als 1 Liter Milch», sagt der Freiburger Bauer. «In den 90er Jahren habe ich für 1 Liter Milch ungefähr 1.07 Franken bekommen», erzählt Landwirt Andres. Mittlerweile seien es nur 64 Rappen. Er kann die Senkung des Milchpreises nicht nachvollziehen. Vor allem aufgrund der momentan stabilen bis guten Marktsituation in der Milchproduktion in der Schweiz. Er hoffe, dass die Migros ihren Entscheid überdenke. «2044 der/die letzte Milch Produzent.in selig gesprochen», steht auf dem Plakat der Bauern Der Bauern im Sarg soll die Zukunft der Bauern symbolisieren, falls die Milchpreise weiter gesenkt werden sollen. Wie die Migros in einem Presseschreiben mitteilt ist die Preissenkung von 2.5 Rappen pro Liter Milch auf die in der Branche sinkenden Milchpreise zurückzuführen. Die Migros hält fest, dass trotz der Senkung von 2.5 Rappen den Bauern ein überdurchschnittlich hoher Preis ausbezahlt werde.

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Der Parkplatz des Shoppyland Schönbühl wurde am Dienstag von wütenden Bauern belagert. Sie hielten eine Protestaktion gegen die Senkung der Milchpreise ab. 2,5 Rappen pro Liter Milch wurden den Bauern ab Anfang Juli gestrichen. Neu bekommen die Landwirte von der Migros noch 65,5 Rappen pro Liter.

Der Schweizer Bauernverband unterstützt die Protestaktion der Milchbauern und hat Verständnis für ihre schwierige Situation. «Wir verstehen die Preissenkung nicht und finden diese ungerechtfertigt», sagt Sandra Helfenstein, Sprecherin des Schweizer Bauernverbandes. Die Migros wurde von ihrer Seite aus aufgefordert, die Preissenkung aufzuheben.

«Die Migros ist grün und sozial gegen aussen»

Hans Rudolf Andres, Präsident des Bernisch Bäuerlichen Komitees und selbst Landwirt in Bargen BE, will mit der Aktion ein Signal setzen. Man müsse klar machen, dass die Lage ernst ist und vor allem schwierig: «Die Migros ist grün und sozial gegen aussen, aber nicht gegenüber ihren Produzenten», sagt Anders. Für ihn bedeute die Senkung ein Minus von 10'000 Franken im Jahr.

Paul Ecoffey, ein Milchbauer aus Rueyers-Treyfayes FR, ist ebenfalls verärgert über die Situation. «Ein Liter Wasser kostet bald mehr als ein Liter Milch», sagt der Freiburger Bauer. Er findet, dass die Migros den Bauern nicht zuhört und rein auf Profit aus ist.

Preissenkung trotz stabilen Markt

«In den 90er Jahren habe ich für einen Liter Milch ungefähr 1.07 Franken bekommen», erzählt Landwirt Andres. Mittlerweile seien es nur noch rund 64 Rappen. Alfred Matter, ein pensionierte Bauer aus Köniz, bekommt nach eigenen Angaben gar nur 58 Rappen pro Liter Milch. Laut den Bauern vor Ort kostet die Produktion eines Liters Milch rund einen Franken.

Andres meint: «Die Migros zahlt von allen Abnehmern noch am besten», dennoch können er die Preissenkung nicht nachvollziehen. «Die Situation ist für die Milchbauern dramatisch», so der Bauer. Er hoffe, dass die Migros ihren Entscheid überdenkt.


Bauern Protest in Schönbühl gegen die Milchpreissenkung.

Migros ist vorbereitet

Die Migros wurde im Vorfeld über die Aktion informiert. Beim Grossverteiler versuchte man es mit einer Charmeoffensive: Den Protestierenden wurden Parkplätze, Kaffee und Mineralwasser offeriert.

Wie die Migros gegenüber 20 Minuten mitteilt ist die Preissenkung von 2,5 Rappen pro Liter Milch auf die in der Branche sinkenden Milchpreise zurückzuführen. Diese gingen seit Februar kontinuierlich runter. Die Migros hält fest, dass trotz der Senkung von 2,5 Rappen den Bauern ein überdurchschnittlich hoher Preis ausbezahlt werde. Ausserdem würde man einen regen Austausch mit den Lieferanten pflegen.

(km)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PM am 16.07.2019 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann knallt's endlich!?

    Emmi verdient Millionen und die Bauern sollen gratis arbeiten, kranke Welt!

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  • Tom K. am 16.07.2019 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Milchimportverbot

    Milch direkt vom Bauer kaufen, Hofläden unterstützen, und ein Milchimportverbot bewirken. Emmi kauft billigste Importmilch und macht daraus teure Produkte. Der Konsument muss umdenken und die Bauern direkt unterstützen.

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  • Chris h am 16.07.2019 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Nachdenken

    Finde ich gut man sollte die Milch sowieso in Maroko Indien oder China beziehen, den unsere Bauern haben ja genug Geld Sie bewirtschaften unser Land ja nicht den jeder Bürger in der Schweiz Räumt ja die Wälder auf mäht die Felder und bewirtschaftet unsere Felder. Hallo wacht auf und Überlegt Euch müssen die oberen immer mehr Geld bekommen die Aktionäre immer mehr Dividenden? Wen jetzt einer kommt ich hätte viele Schreibfehler ist das gut so die kann er dan gerade behalten. Ich meinerseits bin stolz auf unsere Bauern was die alles machen,

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Maus am 17.07.2019 21:17 Report Diesen Beitrag melden

    Milchpreis

    Frechheit gegenüber den Landwirten! Ebenso, wenn man für unsere Bergbauern "bettelt". Die Schreibtischtheorethiker sollen doch mal eine gewisse Zeit in die Landwirtschaft arbeiten gehen. Anderseits geht jede Menge Geld ins Ausland.

  • Ruedi58 am 17.07.2019 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genossenschaft

    Die Migros wird immer unsympathischer, nachdem der Ausverkauf der Firmen begonnen hat, werden die Preise der Lieferanten gedrückt. Was führt die Migros im Schild und wozu brauchen sie das Geld? Dem Personal wird es sicher nicht gegeben und den Genossenschafter auch nicht. Dutti hat sich sicher schon mehrfach im Grab gedreht.

  • Müetti am 17.07.2019 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Schnelle frisst den Langsamen

    So nun in einfacher Sprache: unsere Bauern sind nicht wirtschaftlich, nicht flexibel genug um in der heutigen Zeit zu fairen Preisen produzieren zu können. Wer sich dem rasanten Wandel nicht genug schnell anpasst, wird von den Schnelleren und Wirtschaftlicheren überrannt und aufgekauft. Ob mir und euch das passt oder nicht, es läuft genau gleich in der Privat-Wirtschaft. Nur wer sich spezialisiert hat oder einen grossen Betrieb hat, hat die Chance auf eine gute finanziell sichere Zukunft. Dem ist leider so.

  • LiTuo am 17.07.2019 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist da Bio?

    Hans Rudolf Andres muss bei 10'000 CHF Verlust mehrere hundert Kühe auf seinem Hof haben!

    • Alain Pfäffli am 17.07.2019 13:41 Report Diesen Beitrag melden

      Rechnung kann gut stimmen

      bei 15 Litern Milchleistung am Tag sind es ca. 75 Kühe, bei 20 sind es ca. 55 Kühe.

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  • Nancyboy am 17.07.2019 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Smile...

    Die Schweiz, das Land mit der höchsten Dichte an Agrar-Experten...