Aare beim Bärenpark

27. Juni 2019 16:46; Akt: 27.06.2019 17:58 Print

Die 16-Jährige ertrank auf tödlichem Aareabschnitt

Der Einstieg in die Aare beim Berner Bärenpark kostete sie das Leben: Die Polizei zog eine leblose Jugendliche aus dem Fluss. Ein Rettungsschwimmer warnt vor dem hohen Wasserpegel.

Ein 16-jähriges Mädchen stieg unterhalb des Bärengrabens zum Schwimmen in die Aare. Kurze Zeit später musste die Jugendliche tot aus dem Fluss geborgen werden. (Video: cho)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Alarm ging am Mittwochnachmittag gegen 14.30 Uhr bei der Kantonspolizei ein: In der Aare in Bern treibe eine leblose Person. Die Einsatzkräfte rückten umgehend aus und fanden beim Engehalde-Stauwehr die Leiche einer jungen Frau im Fluss vor. Bei der Verstorbenen handelt es sich laut Polizei um eine 16-jährige Schweizerin aus dem Kanton Bern.

Laut Polizei war die Jugendliche kurz zuvor als vermisst gemeldet worden. Sie war oberhalb des Bärengrabens zum Schwimmen in die Aare gestiegen. Gemäss bisherigen Erkenntnissen sei von einem Unfall auszugehen, schreibt die Polizei.

Aare fordert erstes Todesopfer

Für den ungeübten Schwimmer völlig ungeeignet

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Person an der gleichen Stelle in der Aare ertunken ist. Im Juli 2016 etwa stieg ein 19-jähriger Südkoreaner beim Bärenpark trotz Verbotsschild in den Fluss. Bei der Nydeggbrücke ging der Tourist unter. Seine Leiche wurde eine Woche später gefunden.

Wie sieht die Situation vor Ort aus? Die beiden Zugänge zur Flaniertreppe sind baulich vom Bärenpark abgegrenzt und mit einem Badeverbot signalisiert. Das hat mehrere Gründe: «Die dortige Verengung der Aare sorgt für eine erhöhte Fliessgeschwindigkeit und wegen diverser Kurven ergeben sich zusätzliche Strömungen», erklärt Bernhard Fleuti, Präsident der Sektion Bern der Schweizerischen Lebens­rettungs-Gesellschaft SLRG.

Kanten im Mauerwerk von Nydeggbrücke und Untertorbrücke würden ausserdem Strömungsabrisse auslösen, die wiederum zu Wellen und Wirbeln führten. Fleuti stellt klar: «Für einen ungeübten Schwimmer ist der Aareabschnitt zwischen Schwellenmätteli und Kornhausbrücke völlig ungeeignet.»

Aktuell viel Schmelzwasser

Auf ihrer aktuellen Berner Aarekarte empfiehlt die SLRG zwei andere Schwimmstrecken: Jene vom Eichholz zum Marzili und jene vom Altenbergsteg bis zur Lorraine. «Diese Strecken propagieren wir aber nur für gute Schwimmer», betont Fleuti. Generell sollen sich laut SLRG-Richtlinien nur gute und geübte Schwimmer in Gewässer wie Flüsse, Weiher und Seen wagen.

Davor sei wichtig, die Situation zu beobachten – etwa, wie viel Wasser der Fluss mit sich führt. Denn: Je mehr Wasser, desto höher die Strömungsgeschwindigkeit. «Im Moment fliesst in der Aare fast doppelt so viel Wasser wie letztes Jahr um die gleiche Zeit. Da ist Vorsicht geboten», warnt Fleuti. Ein Indiz für den aktuell erhöhten Wasserstand sei etwa die milchige Färbung, die vom Schmelzwasser herrührt.

(sul)