Tödlicher Stromschlag

31. Mai 2015 18:23; Akt: 31.05.2015 18:24 Print

16-Jähriger stirbt beim Berner Hauptbahnhof

Ein Teenager ist am Wochenende auf eine abgestellte Zugkomposition geklettert. Dabei hat er einen tödlichen Stromschlag erlitten.

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Vis-à-vis der Reithalle bestieg der 16-Jährige einen Zug und erlitt dabei einen tödlichen Stromschlag. (Bild: meo)

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Drama am Berner Hauptbahnhof: Am Samstagmorgen um 5.50 Uhr ist bei der Berner Kantonspolizei die Meldung eingegengen, dass bei den Abstellgeleisen, vis-à-vis der Reitschule, ein lebloser Jugendlicher liegt. Die umgehend alarmierten Sanitäter rückten sofort an den Unfallort bei der Berner Neubrückstrasse aus, konnten vor Ort aber nur noch den Tod des jungen Mannes feststellen. «Erste Erkenntnisse haben ergeben, dass der Jugendliche aus dem Kanton Bern auf eine abgestellte Zugkomposition gestiegen ist», sagt Christoph Gnägi. Dabei habe er einen tödlichen Stromschlag erlitten. Wann genau es zu dem Unfall kam ist nicht klar. «Weitere Abklärungen sind im Gang», so Gnägi.

Waren es Sprayer?

Ein 20 Minuten-Leser vermutet aufgrund der Kleidung des Teenagers, dass dieser der linksautonomen Szene zuzuordnen sei. Er behauptet zudem, dass ursprünglich mehrere Jugendliche das Gelände betraten, wohl um Graffitis anzubringen. Nach dem Unfall hätten sich die übrigen Jugendlichen davon gemacht, ohne sich um den Verunfallten zu kümmern. Ein weiterer Leser behauptet, den Verstorbenen zu kennen: «Es handelt sich um einen äusserst liebenswürdigen Menschen, welcher leider so jung aus dem Leben gerissen wurde. Ich kann allen versichern, der Junge hat eine hervorragende Erziehung genossen.»

SBB warnt

«Durch die Fahrleitungen fliessen 16'000 Volt», sagt SBB-Mediensprecherin Lea Meyer. «Es ist höchst gefährlich, nur schon in die Nähe solcher Leitungen zu kommen.» Denn auch ohne Berührung der stromführenden Leitung kann es laut Bahnexperten zu einem Lichtbogen kommen, bei dem Elektronen in der Luft den Stromkreis zwischen Leitung und Mensch schliessen. Das Klettern an Fahrleitungsmasten, Gebäudeteilen und Fahrzeugen nahe den Strommasten ist deshalb lebensgefährlich. Bereits eine Annäherung von 1,5 Metern endet in der Regel tödlich.

Erst Anfang April kam es im Zürcher Hauptbahnhof zu einem ähnlichen Vorfall, als ein Tourist aus Rumänien auf eine Zuglok kletterte. Durch den Stromschlag wurde er auf das danebenliegende Geleise geschleudert und verstarb noch auf der Unfallstelle.

Die SBB versuchen die Risiken zu vermindern: «Wir warnen überall mit Schildern und Abstellräume versuchen wir abzugrenzen», so Meyer. Einfach sei dies dennoch nicht: «Die Schweizer Eisenbahnen befinden sich in einem offenen System, wir können nicht alles rundum einzäunen.» In der Unfallnacht wurden nebst Polizisten und Sanitätern auch Leute des SBB-Interventionsteams losgeschickt: «Sie sind nebst Entgleisungen und Zugunfällen auch für solche Situationen geschult», sagt Meyer.

Wissen Sie mehr über diesen tragischen Unfall, melden Sie sich unter redaktion.bern@20minuten.ch

(miw/meo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marie am 31.05.2015 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langsam sollte man darüber Bescheid wissen

    Immer wieder führt "jugendlicher Leichtsinn" zu solchen Tragödien, die eine ganze Familie für immer prägt.... Herzliches Beileid!

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  • Eisenbahner am 31.05.2015 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsches Beileid

    Wieso immer nur Beileid an die Angehörigen? Die Mitarbeiter der Bahn, die Sanitäter und die Polizei muss den Anblick und den Geruch von verbranntem Menschenfleisch auch verarbeiten. Meine Achtung gilt Ihnen, da ich dies selbst auch schon ansehen musste.

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  • Snuups Bernhardiner am 31.05.2015 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    Schwer verletzt

    Liebe Reporter, ein Schwerverletzter ist nicht tot. nach einem 15 KV Stromschlag ist ein Mensch immer gleich tot. Mein Mitgefühl den Hinterbliebenen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lisa am 01.06.2015 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er war ein anständiger Junge 

    Kenne das Opfer sowie die Familie persönlich und kann wie der Leser im Artikel 100% bestätigen, dass der Junge in einem guten Umfeld aufgewachsen ist. Unendlich traurig und fassungslos. Bin in Gedanken bei der Familie.

  • Rafael am 01.06.2015 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nachvollziehbar..

    Ich als junger BLS-Mitarbeiter werde immer wieder mit solchen Vorfällen konfrontiert. Ich finde es einfach nur traurig. Ich behaupte das wohl praktisch jeder über die Gefahr von Strom Bescheid weiss und weiss dass der Strom in der Fahrleitung tödlich ist, auch wenn man nicht bei der Bahn arbeitet. Ich verstehe nicht warum immer wieder Leute in meinem Alter solchen Mist machen. Soll das cool sein oder was? Auch ich gehe gerne feiern, aber auch wenn ich etwas getrunken habe käme ich niemals auf so eine blödsinnige Idee. Mir liegt ja schliesslich etwas an meinem Leben!

  • peaches am 01.06.2015 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    r.i.p 

    Falls da wirklich noch andere Jugendliche vor Ort waren, waren es sehr schlechte freunde, einfach weg zu rennen ohne zu versuchen hilfe zu leisten. das finde ich noch fast schlimmer. r.i.p

  • Anna am 01.06.2015 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    falsches Umfeld

    Das was geschehen ist, ist tragisch und für Familie und Freunde nicht leicht. Was ich an dieser Sache am traurigsten finde ist, dass er bestimmt nicht alleine war. Das sich sogenannte Freunde einfach vom Unfallort distanzieren, dass sind keine Freunde. Ich glaube dieser Junge hätte nicht sterben müssen. Klar, es ist uns allen klar das es gefährlich ist und man dies nicht tut. Jedoch ist es jetzt zu spät um etwas zu ändern. Warnt eure Kinder vor solchen Sachen, warnt euere Kinder auch vor falschen Freunden! Mein Beileid.

  • Lokführer am 01.06.2015 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So es ist jetzt mal Feierabend hier...

    ...diese müssigen Diskussionen. Es hat NIEMAND etwas auf dem Bahnareal verloren der dort nicht irgendeine Aufgabe hat. Das weiss jeder Kindergärtner dass man eine Bahngleis schon mal garnicht erst betritt. Ob der Kerl nun wusste oder nicht was ihn auf dem Dach erwartet, darüber tu spekulieren ist stumpfsinnig, weil auf die Abstellgleise dort kommt man nicht aus Versehen - nicht mal auf dem Heimweg. Ich sitze gerade auf meiner Lok, das Voltmeter der Fahrleitungsspannunung zeigt jetzt 17300 Volt an. Die Normspannung ist 15kV in der Realität sind aber zwischen 16 und 18,5kV anliegend.