Knaben missbraucht

05. Februar 2013 11:05; Akt: 06.02.2013 10:30 Print

44 Opfer – Polizei fasst Berner Pädophilen

Ein 47-Jähriger aus dem Berner Oberland gab sich auf Facebook als sexy Mädchen aus, um an Nacktvideos von 15- bis 17-Jährigen zu kommen. Damit erpresste er sie und zwang sie teilweise zu Sex.

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Insgesamt 44 Opfer des Pädophilen konnten die Ermittler bislang ausfindig machen. (Bild: colourbox.com)

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Zwei Jahre blieb der Ephebophile (jemand, der sich von Pubertierenden sexuell angezogen fühlt) unbehelligt. Die Knaben hatten so grosse Angst vor einer Veröffentlichung der Bilder und Videos, dass sich aus Scham keiner getraute, zur Polizei zu gehen. Erst im August 2011 meldete sich das erste Opfer. Und erst jetzt, da die Ermittlungen abgeschlossen sind, hat die Polizei die Öffentlichkeit informiert.

Begonnen hatte alles 2009. Der Handwerker erstellte auf Facebook ein falsches Profil mit offenbar im Internet gefundenen Fotos eines jungen Mädchens. Damit suchte er Kontakt zu den Knaben. Über den MSN-Chat schickte der Ephebophile den Teenagern dann Nacktbilder und Porno-Videos, auf denen das Mädchen zu sehen war.

Darauf forderte er die Knaben dazu auf, vor der Kamera ebenfalls sexuelle Handlungen vorzunehmen. Diese speicherte er und erpresste Opfer, indem er drohte, die Aufnahmen an die Schule, die Lehrstelle oder an die Eltern zu schicken.

Perverse Deals mit Onkel

Die Knaben mussten ihm nicht nur weiteres explizites Material schicken. Es kam auch zu mehreren Treffen mit gegenseitigen sexuellen Handlungen, wie Polizeisprecher Michael Fichter sagt. Die Polizei geht von insgesamt 44 Opfern aus, darunter vor allem Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren. Woher sie kommen, will sie aus Gründen des Opferschutzes nicht sagen.

Der Ephebophile wandte auch eine weitere, perfide Masche an: Er versprach einigen Opfern, sie dürften mit dem vermeintlichen Mädchen Sex haben – aber nur, wenn sie zuerst mit ihrem Onkel sexuelle Handlungen vornähmen. Dieser habe dem Mädchen nämlich versprochen, ihr einen Roller zu schenken, wenn sie ihm einen Buben als Liebesdiener bringe. Einzelne Knaben liessen sich auf diesen perversen Deal ein.

Pädophiler sitzt im Gefängnis

Die Polizei erfuhr von den Taten durch einen anonymen Anruf eines Opfers. Es sollte sich bei einem Schulhaus mit dem Mann treffen. Statt des Knaben wartete dort dann die Polizei. Noch hatte die Polizei aber keine Beweise.

Erst als kurz darauf ein zweites Opfer den Gang zur Polizei wagte, konnte der Ephebophile verhaftet werden. Seither ist er im vorgezogenen Massnahmevollzug. Der wegen Sexualdelikten Vorbestrafte wird wegen sexueller Nötigung, sexueller Handlungen mit Kindern, Erpressung und Pornographie angeklagt.

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(hal)