Vergewaltigungsopfer

08. Januar 2019 18:12; Akt: 08.01.2019 18:49 Print

«Er soll für seine Taten bestraft werden»

Der Mann steht in Bern vor Gericht, weil er drei Frauen vergewaltigt oder sexuell belästigt haben soll. Der Angeklagte ist teilweise geständig.

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Dem 48-Jährigen wird unter anderem Vergewaltigung oder zumindest der Versuch dazu vorgeworfen. Weitere Anklagepunkte lauten auf sexuelle Nötigung und Pornographie.

Der Angeschuldigte besass gemäss Anklageschrift insgesamt 90 Filme und 1800 Bilder mit kinderpornographischem Inhalt sowie weitere Filme und Bilder mit sexueller Gewalt zwischen Erwachsenen und sexuellen Handlungen mit Tieren.

Im Sommer 2017 wurde der Mann nach dem jüngsten Vorfall dingfest gemacht. Kurz bevor er sich an einer jungen Spaziergängerin vergangen hat, soll sich der Angeklagte auf Foren herumgetrieben haben, auf denen Sexualdelikte diskutiert wurden.

Im Berner Bremgartenwald fiel er damals danach die junge Frau an. Er drohte ihr mit einem Messer und warf sie zu Boden, um sich an ihr sexuell zu vergehen. Dies misslang, weil das Opfer schrie und ein vorbeifahrender Mountainbiker auf das Geschehen aufmerksam wurde. Dieser eilte der jungen Frau zu Hilfe.

Die Frau beschrieb den Angreifer am Dienstag vor Gericht in Bern als sehr kräftig und fit. Sie habe damals das Gefühl gehabt, dass sie sich allein nicht gegen ihn hätte wehren können. «Nach dem Ereignis hatte ich rund ein halbes Jahr lang Albträume», sagte die Geschädigte vor Gericht. Auch reagiere sie auf Geräusche heute viel schreckhafter als früher.

Angriff am Neujahrsmorgen

Der wohl schwerwiegendste Übergriff ereignete sich am Neujahrsmorgen des Jahres 2011, als der Angreifer eine damals 16-jährige Jugendliche überwältige. Der Mann bedrohte das Mädchen mit einem Messer, zog es hinter eine nahe Trafostation, wo er sich an ihm zu schaffen machte. Als es dem Mann nicht gelang, in das Mädchen einzudringen, soll er die Teenagerin laut Anklageschrift zum Oralverkehr gezwungen haben.

Auch die heute 23-jährige Frau sagte am Dienstag vor Gericht, dass sie nach dem Vorfall mit Ängsten zu kämpfen gehabt habe: Auch sie quälten nächtelange Albträume. Noch heute leidet die Bernerin wegen des Überfalls: Teilweise arbeitete sie von zu Hause aus, damit sie nicht bei Dunkelheit alleine unterwegs sein muss. Sie sei sie nicht mehr gerne allein, weder daheim noch draussen.

Bereits 2006 soll der mutmassliche Täter eine 32-jährige Frau sexuell genötigt haben. Sie habe plötzlich einen Mann bemerkt, der ihr gefolgt sei, schilderte die Mittvierzigerin, die vor rund einem Dutzend Jahren als Teilnehmerin einer Fernsehshow in der Schweiz kurzzeitig gewisse Bekanntheit erlangt hatte, den Vorfall. Anfangs dachte sie, der Täter habe sie gezielt ausgesucht, weil er sie aus den Medien kenne. Doch auch sie war ein Zufallsopfer, das der Mann sich für seine Taten aussuchte.

Vor dem Hauseingang habe der Angreifer sie gepackt, gegen die Hauswand gedrückt und ihr unter den Rock gegriffen. Sie habe den Mann angeschrien und ihn mit ihrem Mobiltelefon auf den Kopf geschlagen. Da habe er von ihr abgelassen und sei davongerannt. Das Opfer wirkte bei der Schilderung sehr bestimmt und konnte sich ziemlich genau an den Verlauf des Übergriffs erinnern. «Er soll für seine Taten bestraft werden», lautete der einzige Wunsch der Frau. Diesen Vorfall bestreitet der Angeklagte jedoch. Er habe diese Frau noch nie in seinem Leben gesehen.

In allen anderen Fällen ist er grösstenteils geständig. Auf wiederholtes Fragen des Richters, weshalb er diese Taten begangen habe, hatte der Täter vor Gericht keine konkrete Erklärung. Er habe sein Leben nicht im Griff gehabt und sei sexuell frustriert gewesen sein. Diese Probleme habe er mit Pornokonsum, Alkohol und Kiffen versucht zu verdrängen. Der 48-Jährige zeigte sich gewillt, eine Therapie zu machen: «Eine Therapie wird mir helfen, mein Leben in den Griff zu bekommen.» Das Urteil wird am Freitag bekannt gegeben.

(sda)