Sexuellen Ausbeutung

22. Dezember 2011 12:24; Akt: 22.12.2011 13:52 Print

5,5 Jahre Haft für Menschenhändler

Ein Tamile wurde vom Berner Obergericht zu 5,5 Jahren Haft verurteilt. Er hatte in Tschechien für 1500 Franken eine Frau gekauft und diese anderen Tamilen für sexuelle Dienste angeboten.

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Das bernische Obergericht hat im Fall einer massiven sexuellen Ausbeutung einer Tschechin im Emmental durch mehrere Tamilen die erstinstanzlichen Urteile eines Kreisgerichts bestätigt. Es bleibt damit bei einer fünfeinhalbjährigen Freiheitsstrafe für den Haupttäter.

Die erste Strafkammer des Obergerichts hält es folglich für erwiesen, dass der Tamile sri-lankischer Nationalität 2008 einem in Tschechien wohnhaften Tamilen aus Indien eine Frau aus dem Volk der Roma abkaufte und sie in die Schweiz holte. Hier bot er ihre sexuellen Dienste anderen Männern an. 1500 Franken soll der Mann bezahlt haben.

Das Obergericht sprach deshalb den Tamilen aus Sri Lanka des Menschenhandels schuldig und verurteilte ihn auch wegen Freiheitsberaubung, wie Oberrichter Andreas Weber am Donnerstag bei der Urteilsbekanntgabe in Bern sagte. Der Tamile verbot der Frau nämlich, seine Wohnung zu verlassen. Die eingeschüchterte und mittellose Tschechin wagte dies denn auch nicht.

Schon nicht mehr bestritten war vor Obergericht, dass der 30-Jährige die Tschechin auch mehrfach vergewaltigte, sexuell nötigte und ihr einmal brutal eine Flasche auf den Kopf haute.

Auch übrige Urteile bestätigt

Das Obergericht bestätigte auch die übrigen angefochtenen Urteile des Kreisgerichts Signau-Trachselwald, welche dieses im Oktober 2010 ausgesprochen hatte. So ist denn unter anderem auch der «Verkäufer» der Frau, der tschechische Tamile, ein Menschenhändler.

Die Urteile gegen zwei weitere Tamilen lauten auf 23 Monate Freiheitsstrafe bedingt und vier Jahre unbedingt. Der mit vier Jahren bestrafte Tamile hatte das erstinstanzliche Urteil akzeptiert. Auch er war unter anderem wegen Menschenhandels verurteilt worden.

Verschärfung der Urteile unmöglich

Oberrichter Weber brachte am Donnerstag zum Ausdruck, dass das Obergericht die «milden» Urteile der ersten Instanz ganz gern verschärft hätte. Die Tschechin habe in der Schweiz ein mehrwöchiges «Martyrium» erlebt und sei nach ihrem Auffinden im Garten eines Freiers 2008 in Burgdorf durch Anwohner schwer traumatisiert gewesen.

Sie lebt heute in einem Heim in Tschechien, ihr Haupt-Peiniger sitzt in einem Schweizer Gefängnis.

Doch habe das Gericht die Strafen nicht erhöhen können, weil der Vertreter der Staatsanwaltschaft keine schärferen Strafen verlangte als von der ersten Instanz verhängt. Deshalb habe das Obergericht das sogenannte Verschlechterungsverbot beachten müssen.

In Langnau abwesend, in Bern anwesend

Gemeint war damit der Leitende Staatsanwalt von Emmental-Oberaargau, Remo Leibundgut. Er sagte am Donnerstag nach der Urteilsverkündigung auf Anfrage, die Bestimmungen zum Menschenhandel im Strafgesetzbuch seien erst seit 2006 in Kraft. In der Schweiz seien seither erst wenige Urteile deswegen verhängt worden.

Es fehlten also Erfahrungswerte. Das hatte zuvor auch Oberrichter Weber gesagt.

Leibundgut wies auch darauf hin, dass das Obergericht die Anträge der Verteidigung auf Freisprüche von den Vorwürfen des Menschenhandels und der Freiheitsberaubung abgelehnt habe. Er sei also mit der Forderung nach einer Verurteilung durchgekommen.

2010 vor Kreisgericht habe er tiefere Strafen beantragt als vom Langnauer Gericht dann verhängt. Wenn er nun höhere Strafen verlangt hätte, wäre dies einem Zickzackkurs gleichgekommen.

Der Emmentaler Staatsanwalt wies auch darauf hin, dass das Opfer 2010 in Langnau nicht vor Gericht anwesend gewesen sei - bei der zweitinstanzlichen Verhandlung in Bern hingegen schon. In Langnau habe er deshalb die Verwertbarkeit der Aussagen der Tschechin als weniger gut erachtet.

Leibundgut wollte zudem vor Obergericht in einem Fall eine höhere Strafe als das Kreisgericht - doch zog der Verurteilte dann seine Berufung zurück.

(sda)