Gerichtsfall

22. Februar 2019 11:29; Akt: 22.02.2019 11:29 Print

122 km/h mit Anhänger – Mann mit 1000 Fr gebüsst

Ein Mann wurde auf der Autobahn mit 122 km/h geblitzt. Erlaubt waren aber nur 80, da er mit einem Anhänger fuhr. Vor Gericht gab sich der Beschuldigte unwissend. Zahlen muss er trotzdem.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der frühe Vogel fängt den Wurm, dachte sich ein Walliser, als er um 4.30 Uhr losfuhr, um in der Ostschweiz einen Töff abzuholen. Denn er wusste, dass auf der Autobahn A1 tagsüber viel Verkehr herrscht. Um das Motorrad zu transportieren, hatte er kurz zuvor einen Anhänger gemietet. Auf Höhe Kirchberg wurde er mit 122 km/h geblitzt. Im Glauben, erlaubt seien 120 km/h, ging er von einer 20-Franken-Busse aus.

Strafbefehl statt 20-Franken-Busse

Das böse Erwachen kam ein halbes Jahr später, als ein Strafbefehl der Berner Staatsanwaltschaft ins Haus flatterte. Als Lenker eines leichten Anhängerzuges habe er «die fahrzeugbedingte Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern auf Autobahnen um 42 Stundenkilometer überschritten», wodurch er eine ernste Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer geschaffen und auch in Kauf genommen habe, hiess es darin.

Wegen «grober Verkehrsregelverletzung» wurde der 56-Jährige mit einer bedingten Geldstrafe von 5600 Franken gebüsst. Das wollte er aber nicht auf sich sitzen lassen: Er zog den Fall ans Regionalgericht Emmental-Oberaargau weiter, wie die «Berner Zeitung» berichtet.

«Zumindest fahrlässig»

Der Westschweizer gab sich vor dem Regionalgericht unwissend: «Dass Autos mit Anhängern nur 80 Stundenkilometer fahren dürfen, steht nirgendwo geschrieben.» Solche Hinweise gebe es weder in Form von Gesetzesartikeln noch von Schildern am Strassenrand. Sein Verteidiger argumentierte, dass jemand, der mit 80 km/h auf der Autobahn dahintuckere, eine grössere Gefahr darstelle als jemand, der wie alle anderen mit 100 oder 120 km/h von A nach B fahre.

Die Argumente verfingen nicht: Wegen einfacher Verkehrsregelverletzung büsste das Gericht den Beschuldigten mit 1000 Franken. Dass sich der Beschuldigte vor seiner ersten Fahrt mit einem Anhänger nicht über das geltende Tempolimit informiert habe, sei «zumindest fahrlässig» gewesen. Von einer vorsätzlichen und rücksichtslosen Verkehrsregelverletzung im Sinne des Raserartikels sei aber nicht auszugehen. Trotzdem wurde dem Mann der Ausweis vorerst entzogen.

(pal)