Party-Demo

23. Mai 2013 18:32; Akt: 23.05.2013 18:35 Print

6 Grad - Das Tanz dich frei wird zur Zitterpartie

Die Stadt rüstet sich für die grosse Tanz-Demo. Um die WCs sauber zu halten, stellen Bars gar Sicherheitsleute ein.

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In der Nacht auf den Sonntag, 3. Juni 2012, tanzten zehntausend Menschen durch die Innenstadt von Bern. Begleitet wurden die Tanzenden von Musikwagen, die mit ihrem Sound ordentlich einheizten. Unter dem Motto «Tanz dich frei» demonstrierten sie so für mehr Freiräume und weniger behördliche Beschränkungen. Die Demonstration war nicht für die Katz: Am 14. September 2012 hat der Berner Gemeinderat einen Massnahmenkatalog in die Vernehmlassung geschickt, das den Konflikt im Nachtleben entschärfen soll. Die beiden Lokalpolitiker Thomas Berger, Präsident der Vereins Pro Nachtleben Bern und Mitglied der Jungfreisinnigen (links) und Manuel C. Widmer, Stadtrat der Grünen Freien Liste, begrüssen diesen Schritt ausdrücklich. Anlässlich der «Tanz dich frei»-Demo gab es auch vereinzelte Vandalenakte. Berns Innenstadt ist innert Stunden in eine Party-Meile verwandelt worden. Während des Umzugs wurden auch Knallpetarden gezündet. Die Polizei tolerierte den Umzug, zeigte sich aber sehr präsent. Die Menschenmasse feierte noch bis in die frühen Morgenstunden. Schon am frühen Abend hatten sich die ersten Demonstranten vor der Reitschule versammelt. Getanzt wurde überall - auch auf dem Dach einer Tramhaltestelle. Die Stimmung in Berns Strassen war ausgelassen. Der ganze Bundesplatz war gefüllt mit Tanzenden. Partygänger kletterten gar auf den Baldachin beim Berner Hauptbahnhof und zündeten Petarden. Die Demonstranten warteten auch mit originellen Spruchbändern ... ... oder symbolträchtigen Dekoelementen auf. Um fünf Uhr morgens gab die Berner Band Patent Ochsner bei der Reithalle noch ein Spontankonzert. Der Bundesplatz nach der Tanz-Demo. Am Rande kam es zu Schlägereien und Tätlichkeiten. Bei der Polizei gingen zudem unzählige Lärmklagen ein. Am frühen Morgen zeigte sich dasselbe Bild wie jeweils nach der Fasnacht und nach grossen Fussballspielen - die Strassen waren übersät mit Abfall und die Sanitätspolizei barg zahlreiche Alkoholleichen.

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Dieses Jahr soll es am Tanz dich frei gesitteter zu und her gehen. Auf ihrer Facebook-Seite mahnen die anonymen Organisatoren die Teilnehmer zum verantwortungsbewussten Feiern: «Helft einander. Schaut, dass ihr euren Alkohol und Drogenkonsum im Griff habt», schreiben sie dort.

Die Tanz-Demo vom letzten Jahr weckt bei manchem böse Erinnerungen: Sprayattacken auf das Bundeshaus, Uringestank in den Gassen und über zehn Tonnen Müll waren das Resultat des Party-Umzugs. Ein weiterer Facebook-Aufruf will verhindern, dass die Müll-Diskussion heuer erneut aufflammt. Unter dem Motto «Pack den Sack und putz dich frei» werden Teilnehmer aufgefordert, ihren Müll im eigenen Abfallsack zu entsorgen. Diese seien bei den Umzugswagen erhältlich. Die Strassenreinigung wird trotzdem mit zehn Fahrzeugen hinter der Party herfahren.

Bars stellen WC-Türsteher

Auch Gastrobetriebe haben aus dem letzten Jahr gelernt. «Wir stellen Security-Leute ein, damit unser Mobiliar nicht zu Schaden kommt», sagt Adrian Iten von Adriano’s Bar & Café. Auch den Zugang zum WC sollen die Türsteher überwachen. «Diese sind nur für zahlende Gäste», so Iten.
Auf das gute Wetter vom letzten Jahr können die Teilnehmer nicht hoffen. Laut Meteorologe Ivo Sonderegger soll es bei Umzugsbeginn 6 Grad kalt sein: «Danach sinkt die Temperatur noch tiefer.»

(gag/cho)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • K. Marx am 24.05.2013 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Jugendarbeitslosigkeit in Europa

    Ein paar hundert Kilometer nebendran sind zwei Drittel der Jugendlichen arbeitslos...die haben wahrschenlich andere Sorgen, als sich "frei" zu tanzen. Ist der ganze Anlass so gesehen nicht etwas frivol? In der CH "kämpft" man um Party-Freiheiten, in Spaniem ums nackte Überrleben.

  • Charly Ziegler am 23.05.2013 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jajaaa

    Die Masse allein ist eine Bedrohung? Dann waren bei der SCB Meisterfeier auch alle in Gafahr??? Ich fühlte mich eigenzlich sicher... :)

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  • andi am 23.05.2013 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    cool

    super sache. schön, wenn sich die jugend meldet und ein zeichen setzt. friedlich zusammen feiern.....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • XXL-Lustz am 26.05.2013 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Wundert mich echt nicht, dass die Polizei heute über Personalmangel klagt. Polizisten sind alles andere als zu beneiden, so wie mit ihnen heute umgegangen wird.

  • Leary am 25.05.2013 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Na dann viel Spass...

    Ich hätte mir das ganze auch gerne angesehen, aber bei diesem Wetter und diesen Temperaturen bleib ich dann doch lieber zu Hause.

  • BenG am 24.05.2013 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Feiert positiv, mit Augenmass

    Ja, tanzt euch frei! Bitte tragt aber auch Sorge zu eurer Stadt und euch selbst. Nehmt euren Müll wieder mit, beschädigt nichts absichtlich, nehmt Abstand von Gewalt und konsumiert mit Mass. Und denkt vielleicht dabei noch einen kurzen Moment lang an die Menschen, die täglich mit grösseren Problemen zu kämpfen haben als mit "zu wenig Freiraum", wie ihn die Schweiz euch bietet.

  • ezekiel s. am 24.05.2013 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    Yipee, c'mon lets dance

    Hoffentlich schüttet es nicht allzukrass! Wir Tanzen gegen die geschlossene Gesellschaft, gegen Egoismus, gegen GIER (Gier ist DAS Übel schlechthin, und der Kapitalismus hat sich Gier als Maxime aufs Banner geschrieben). Wer sich nicht um die wichtigen Fragen kümmern will, kann auch gerne ein eigenes Tanzdichfrei gegen das Liegenlassen von Bierdosen organisieren. Wenn die Musik passt, wäre ich auch da dabei.

  • Karlo Z. am 24.05.2013 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Worum es geht

    Am meisten stört mich an dieser Demo, dass ein Grossteil der Jugendlichen gar nicht weiss, worum es geht. Viele meinen es gehe ums Nachtleben in Bern. Es ist aber ganz klar eine antikapitalistische Demo (s. Aufruftext Facebook). Viele Jugendliche werden damit instrumentalisiert für ein Anliegen, dass ihnen egal ist. Oder sind unter den Teilnehmern nur Leute ohne iPhones, ohne Markenkleider, nur solche, die den Kapitalismus abschaffen wollen? Ich denke nicht. Wie heuchlerisch von den Veranstaltern.