Tonnen landen im Müll

18. April 2019 20:50; Akt: 19.04.2019 09:21 Print

Die Schattenseiten der Schweizer Spargelsaison

Die Schweizer Spargelzeit hat begonnen. Doch landen viele Tonnen des Gemüses im Abfall.

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In der Schweiz werden derzeit fleissig Spargel gestochen, gekauft und gekocht. Doch lange nicht jeder Spargel landet auf dem Teller. Weil das Gemüse nicht dem verlangten Schönheitsideal entspricht, werden Teile der Ernte direkt in die Biogasanlage geworfen.

800 Tonnen Spargeln werden in der Schweiz geerntet, wie viele nicht in den Verkauf dürfen, ist nicht klar. Weder der Schweizer Bauernverband noch der Verband Schweizer Gemüseproduzenten geben gegenüber 20 Minuten an, diesbezüglich Zahlen zu kennen.

Nur etwa 70 Prozent werden verkauft

Einen Anhaltspunkt liefert jedoch das Familienunternehemen Jucker-Farm. Der Betrieb erntet jährlich bis zu 180 Tonnen Spargeln. Davon können jedoch nur etwa 70 Prozent verkauft werden, wie Raphael Peterhans, Betriebesleiter des Spargelhof in Rafz bestätigt: «Gut 10 Prozent der Spargelernte können wegen Äusserlichkeiten nicht verkauft werden.» Die restlichen 20 Prozent werden zu Biogas verwandelt oder von der hofeigenen Manufaktur zu Suppe verarbeitet.

Der Betriebsleiter hat derzeit alle Hände voll zu tun, er spricht von einer üppigen Spargelsaison. Er rechnet heuer mit 18 Tonnen Spargeln, die wegen eines Schönheitsmakels nicht in den Verkauf kommen werden.

Die Zweitklass-Spargeln sind da

Ware, die dem Schönheitsanspruch nicht genügt, wird im Berner Lebensmittelgeschäft Gmüesgarte vertrieben, welches sich den Kampf gegen Foodwaste auf die Fahne geschrieben hat. Das Geschäft in der Altstadt will heuer acht Tonnen Spargeln vor der Biogasanlage retten, am Mittwoch kam die erste Lieferung.

Mitbesitzer Simon Weidmann spricht von einer Tragödie: «Die Spargeln sind entweder zu dick, zu dünn, gespalten oder zu krumm – aber alle absolut schmack- und nahrhaft.» Mit seinem Geschäft kämpft der Berner aktiv gegen Foodwaste in dem er nur Waren verkauft, die nicht mehr lange haltbar sind oder gewisse Normen nicht erfüllen können. «Es ist traurig zu wissen, dass diese Spargeln sonst verloren gehen», sagt der 33-Jährige.

«Die Vorgaben sind sehr strikt»

Für Weidmann kann es so nicht weitergehen: «Es sollte sich dringend etwas in unserer Gesellschaft ändern.» Es könne nicht sein, dass tagtäglich so viele Lebensmittel verschwendet werden. Nicht zuletzt stecke auch viel Arbeit hinter geernteten Lebensmittel.

Das sieht auch Raphael Peterhans von der Jucker-Farm so: «Die Vorgaben sind sehr strikt und der Konsument will stets ein sauberes, einheitliches Produkt. Es wäre sicher sinnvoll, die Normen in der ganzen Lebensmittelindustrie ein wenig zu lockern.»

(pal/rc)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • petra am 19.04.2019 09:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bitte. danke.

    kann ich bitte die "abnormen" spargeln haben? mein magen interessiert das schönheitsideal der lebensmittelindustrie nicht. danke

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  • Tomatensüppä am 19.04.2019 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unique

    Im Coop gibts die Unique Rüebli, welche massiv billiger als die normalen Rüebli sind. Mich stört dieses "hässliche" Rüebli nicht. Wie wärs wenn die Spargeln auch unter dem Unique-Label verkauft werden? Für ein Spargel-Risotto wären die ideal, da der Geschmack gleich lecker ist. Immer diese genormte Gesellschaft...

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  • Walter Schmucki am 19.04.2019 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles muss....

    ..... immer schön aussehen. Da sieht man es wieder wie der Kosument und Konsumentin wieder verwöhnt ist. Denkt doch wieder einmal daran das es Menschen gibt die gar nichts zu essen haben. Es wäre doch gut, wenn man die Ware die nicht io ist zu einem günstierem Preis verkauft oder an Organisationen wie Tischlein deck dich oder Caritas abgeben würde.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rotfuchs am 24.04.2019 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr als essen geht nicht

    Ach dieses Gejammer wegen weggeworfenen Lebensmitteln. Gleichzeitig gibt die Forschung alles her, um das Maximum aus dem Boden heraus zu holen. Noch schneller, noch zahlreicher und noch ergiebiger müssen die Pflanzen wachsen. Es herrscht ganz einfach eine Überproduktion, die sich nicht mehr absetzen lässt. Ich kann und will nicht Spargel bis zum K... in mich hinein drücken.

  • Norman am 24.04.2019 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    " Der Kunde verlangt schönes Gemüse"

    ... ist eine Unterstellung der Grossverteiler. Viele Kunden würden 2.Klasse-Gemüse kaufen. Ist ja nicht schlechter - im Gegenteil ist zu klein geratenes Gemüse oft schmackhafter. Der Kunde sollte wählen können! Vorallem möchte ich inländische Spargeln auch im Coop kaufen können! Bis vor Ostern noch nicht vorhanden.( nennt sich sonst immer so ökologisch etc...)

  • Jimmy am 23.04.2019 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Kategorien schaffen

    Im Badischen gibt es qualitativ und preislich drei Kategorien. Warum nicht auch bei uns?

  • Maus am 21.04.2019 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Spargeln

    Und niemand kann eine Spargel am Stück essen! Deshalb kann ganz gut nicht genormtes (auch Rüebli etc.) Gemüse zum Verkauf angeboten werden.

    • Martial2 am 22.04.2019 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Maus

      Wir essen die Spargeln immer am Stück, mit hausgemachter Mayonnaise und Rohschinken... Wo ist das Problem?

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  • Spargelproduzent am 20.04.2019 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Spargelproduzent

    Wir sind seit ca. 30 Jahren Spargelproduzenten und Ernten und sortieren unsere Spargeln von Hand. Zu kaufen gibt es 1. Qualität, Spargelspitzen (etwas dünner wie die 1.Qualität), Suppenspargeln (sehr dünne) und 2. Qualität (krumme, beschädigte o.Ä). Alle werden geschnitten und verkauft und für alle gibt es dankbare Abnehmer. Geschmacklich sind alle gleich und äußerst lecker! Wir nutzen ebenfalls alle, für eine Suppe, Flammkuchen, vom Grill, als Gratin, lödig, mit Sauce Hollondaise etc. Die Spargelsaison hat begonnen - unterstützt lokale Anbieter, in Gemüse, Fleisch etc! Mä schmöckts! Mmmmh....