Platz für seltene Arten

19. Juni 2019 17:11; Akt: 24.06.2019 10:38 Print

Waldbrand von Leuk erweist sich als Segen

Im Hitzesommer 2003 brannte der Wald bei Leuk im Wallis. Nun hat die Natur Brandfläche zurückerobert. Zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten entfalten sich prächtig.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Wald bei Leuk VS summt und zirpt, blüht und zwitschert es: eine wahre Bergidylle, wären da nicht überall tote und verkohlte Bäume. Die Narben der gewaltigen Feuersbrunst, die im Hitzesommer 2003 rund 300 Hektaren Bergwald zerstört hat, sind immer noch sichtbar. Die Natur jedoch hat die Fläche längst wieder zurückgewonnen.

Und nicht nur das: Die Waldbrandfläche entwickelte sich zu einem Hotspot für bedrohte Pflanzen, Insekten und Vögel, wie die Vogelwarte Sempach in einer Mitteilung schreibt. Bereits wenige Jahre nach dem Brand habe beispielsweise der seltene Gartenrotschwanz die schweizweit höchste Siedlungsdichte erreicht.

Mehr Gartenrotschwänze und Wendehälse

«Es ist erstaunlich, wie schnell die Natur in die Waldbrandfläche zurückkehrte und an Vielfalt bald die benachbarten Wälder übertraf», sagt Sprecher Livio Rey. Er hat an der Universität Bern in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte eine Studie über die Vögel in der Waldbrandfläche bei Leuk durchgeführt, deren Ergebnisse kürzlich publiziert wurden.

«Wir konnten in unserer Studie zeigen, dass schweizweit bedrohte Vogelarten im Waldbrandgebiet deutlich häufiger vorkamen als in den nicht abgebrannten Wäldern gleich nebenan», erklärt Rey. Neben dem Gartenrotschwanz waren etwa auch der Wendehals, der Baumpieper oder die Zippammer in verbrannten Wäldern deutlich häufiger anzutreffen als in den Kontrollwäldern.

Vögel profitieren von offenen Bodenstellen

Dieses Resultat mag zunächst überraschen, gelten doch Feuer wie Stürme oder Überschwemmungen als Katastrophen. Das sind sie aber vor allem für den Menschen; für viele Tier- und Pflanzenarten bieten solche Ereignisse neue, heutzutage seltene Lebensräume, die optimale Bedingungen bieten. Gerade Vögel, die auf der roten Liste stehen und halboffenen Habitate bewohnen, würden von Bränden profitieren, sagt Rey: «Durch neu entstandenen offene Bodenstellen gelangen sie leicht an Insekten.»

Feuer könnten also durchaus eine kontrollierte und lokale Naturschutzmassnahme sein. «Aber es ist sehr schwer, einen Wald abzubrennen und sicherzustellen, dass der Brand nicht ausser Kontrolle gerät und Menschen gefährdet», gibt Biologe Rey zu bedenken. Bevor grundlegende Fragen zu Sicherheit und menschlichen Interessen nicht geklärt seien, werde das grosse Naturschutzpotenzial, das Feuer böten, leider nicht genutzt werden können.

(sul)